Freitag, 17. Mai 2013

Extremexperten

Wann immer etwas Dramatisches passiert, es aber an dramatischen Bildern dazu mangelt, schlägt die Stunde der Experten. Sie müssen uns in den Medien erklären, was wir an Dramatischem gerade nicht sehen. Besonders interessiert uns natürlich das Seelenleben der Betroffenen. Fragen wir also den Psychologen! Und machen wir ein kleines Spiel: Hier sind je drei frei erfundene und eine echte Antwort eines Psychologen auf Interviewfragen der letzten Zeit. Wer alle wahren Psychologenaussagen richtig errät, ist fortan befugt, den Titel "DWüdW-zertifizierte(r) Experte/Expertin für extremen Psychokram" zu führen und selbst seine psychologische Expertenmeinung in jedes Mikro seiner Wahl zu verkünden! Viel Spaß...

1) Bislang hat Beate Zschäpe keinerlei Aussagen zu den Vorwürfen gegen sie gemacht. Focus hat einen Psychologen um eine Einschätzung ihrer Person gebeten. Welche der folgenden Aussagen stammt vom Experten?

A: "Daß sie bislang geschwiegen hat, ist ein Zeichen der Kooperationsbereitschaft."
B: "Daß sie bislang geschwiegen hat, ist ein Zeichen der Verweigerung."
C: "Daß sie bislang geschwiegen hat, kann alles bedeuten."
D: "Daß sie bislang geschwiegen hat, bedeutet, daß sie nichts sagen will."

2) In Cleveland wurden drei Frauen entführt und über Jahre gefangen gehalten und schwer misshandelt. Spiegel Online spricht dazu mit einer Psychotherapeutin: "Der Hauptverdächtige soll mit dem sechsjährigen Mädchen, das er offenbar mit einer der Frauen zeugte, das Haus verlassen haben, auf dem Spielplatz gesehen worden sein." Was antwortete diese darauf?

A: "Es wäre unseriös, würde ich an dieser Stelle zu spekulieren beginnen. Die Beantwortung solcher Fragen bleibt denen vorbehalten, die die Betroffenen direkt befragen oder gegebenenfalls auch betreuen können."
B: "An diesem Beispiel sieht man besonders deutlich die Perfidität, zu der solche Täter in der Lage sind. Es war sicherlich ein Teil der Machtspielen mit der Mutter des Kindes, wenn er es mit in eine 'normale Welt' nahm, während die Mutter wahrscheinlich weiter in ihrer Gefangenschaft leiden musste."
C: "Ja, dieses Verhalten entspricht nicht dem Bild, das wir uns von dem Täter als gefühllose Bestie machen. Tatsächlich ist aber auch ein extremer Täter ein Mensch und in bestimmten Situationen mitunter zu normalen, auch zärtlichen Gefühlen fähig."
D: "Das Kind ist ja auch ein Teil von ihm. Da solche Täter sich selbst über alles stellen, kann man das Mädchen als sein erweitertes Ich sehen. Ihm wollte er womöglich Gutes, wie er sich wohl selbst auch nicht schlecht behandelt haben wird."

3) Als Anfang 2012 das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia auf Grund läuft, gerät der Kapitän Schettino in schwere Kritik, unter anderem, weil er sein Schiff vorzeitig verlassen hatte. Bild.de befragte einen "Krisen-" und "Psychoexperten" und Psychologen. Was sagte er über das Verlassen des Schiffs durch den Kapitän?

A: "Aus Expertensicht zeugt das von wenig sozialer Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein."
B: "Aus Expertensicht zeugt das von viel sozialer Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein."
C: "Hier kann ein Experte auch nicht mehr sagen als jeder Laie. Offenbar mangelte es an sozialer Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein."
D: "Auf den ersten Blick mag sein Verhalten nach wenig sozialer Intelligenz und Verantwortungsbewusstsein aussehen. Aus Expertensicht muß dem aber nicht zwangsläufig so sein."

4) Zum Thema "große Schiffskatastrophen" befragte auch Spiegel TV einen Psychologen, unter anderem: "Wovon hängt das Verhalten in Extremsituationen ab?" Was antwortete der Psychologe?

A: "Das lässt sich so allgemein nicht sagen."
B: "Es spielt keine Rolle, wieviel Wissen die Leute von der jeweiligen Notsituation haben."
C: "Nur in zweiter Linie davon, wieviel Wissen die Leute von der jeweiligen Notsituation haben."
D: "In erster Linie davon, wieviel Wissen die Leute von der jeweiligen Notsituation haben."

5) Als vor einem knappen Jahr ein vierjähriges britisches Mädchen als einzige der Ermordung ihrer Familie auf einem französischen Parkplatz entging, interviewte Spiegel Online eine Dresdner Psychologin zum Thema. Unter anderem wollte SpOn wissen, ob ein "vertrautes uns sicheres Umfeld" entscheidend ist, damit das Kind sein erlittenes Trauma bewältigen kann. Was antwortete die Psychologin?

A: "Na, was glauben sie denn?"
B: "Nein, sicherlich nicht."
C: "Ja, sie würden dazu beitragen."
D: "Haben Sie sich die Frage selbst ausgedacht?"


Richtige Antworten:
1) B
2) D
3) A
4) D
5) C

1 Kommentar:

  1. So ein Mist, der Titel hätte mir gut gestanden.

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