Mittwoch, 12. August 2015

Jenseits der Lügen, diesseits der Oder

"Man kann bei Arendt lernen, dass demokratische Gesellschaften einer doppelten Gefahr ausgesetzt sind: Die eine ist die systematische Verwischung des Unterschieds von Wahrheit und Lüge, die andere liegt in der Versuchung Augen und Ohren vor unbequemen Wahrheiten zu schließen. Beides trifft für den Konflikt um die Ukraine zu."
Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich Böll Stiftung,

Es wird ermüdend, das Ringen um die "Wahrheit", um die richtige Interpretation der Vorgänge in der Ukraine. Organisationen wie Bellingcat oder stopfake.org schütten einen förmlich zu mit Bergen an Informationen darüber, welches Video von welchem angeblichen Granatangriff nun echt oder manipuliert sei, welches Foto von welcher Rauchsäule nun wo aufgenommen wurde und immer so fort. Gibt es noch jemanden, der diesen ganzen Meldungen noch folgen kann? Dabei droht der wesentliche, übergeordnete Aspekt ganz verloren zu gehen: Die systematische Verwischung des Unterschieds von Wahrheit und Lüge und das Verschließen vor unbequemen Wahrheiten.

Heute boten die 6vor9 beim Bildblog einen Verweis auf Interview mit einem Verantwortlichen eines Lokalsenders, der eine Sendung von Russia Today ausgestrahlt. In diesem Interview wird er mit folgender Behauptung konfrontiert:

Stopfake hat Russia Today schon in vielen Fällen Falschberichterstattung nachgewiesen.

Es behaupten ja immer alle, dass es dauernd Falschmeldungen gebe. Aber können Sie mir auch ein Beispiel nennen?

Der Sender hat behauptet, dass ukrainische Flüchtlinge in Scharen nach Russland strömen. Das war definitiv eine Falschmeldung.

Definitiv eine Falschmeldung? Dann gibt es die ukrainischen Flüchtlingsströme nach Russland gar nicht? Oder vielleicht doch? Sucht man bei Stopfake, dann findet man einen Bericht vom März 2014 [1]. Darin heißt es:
"Federal Migration Service of Russian Federation has denied reports of the Russian state media about mass number of refugees from Ukraine who want to obtain Russian citizenship.
[…]
'Since beginning of 2014 82 Ukrainian citizens have asked for refugee status from Federal Migration Service of Russian Federation. Figure of 143,000 people, which was mentioned in the media is the number of Ukrainian citizens who have entered the territory of Russia for the last two weeks, '- the report says."
Es sieht also nach einem Mißverständis aus: 143 000 Ukrainer sind nach Russland eingereist, russische Medien haben sie zu "Flüchtlingen" erklärt, die die russische Staatsbürgerschaft wollten - das ist verwirrend und unzutreffend.

Aber gibt es nun ukrainische Flüchtlingsströme oder nicht? Wenn man schon nicht weiß, wem man was glauben soll, dann könnte man sich ja mal an die Vereinten Nationen halten, d.h., an das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Das gibt seit Juli 2014 in dichter Folge Statusberichte zur Lage von Flüchtlingen in und aus der Ukraine heraus, und diese Berichte sind ziemlich detailliert. Ich habe mal Flüchtlingszahlen herausgesucht und in ein Diagramm eingetragen, dann muß man sich nicht mehr durch alle Berichte wühlen:
Die Kurven geben die Anzahl der registrierten Flüchtlinge an, "interne Flüchtlinge" meint Binnenflüchtlinge innerhalb der Ukraine, "externe Flüchtlinge" solche in anderen Ländern. Der Löwenanteil der externen Flüchtlinge entfällt auf Russland (letzter Stand: 756 600), mit großem Abstand folgt Weißrussland (letzter Stand: 81 600). "Registriert" sind Flüchtlinge, wenn sie sich irgendwo um einen offiziellen Status bemüht haben, d.h. offiziell um Asyl gesucht, eine neue Staatsbürgerschaft beantragt, etc.

Und damit ist die Frage eindeutig beantwortet: Ja, es gibt eine ukrainische Flüchtlingswelle. Und diese Welle ist von gewaltigen Ausmaßen: Bisher sind 2.3 Millionen Ukrainer, das sind gute 5% der gesamten ukrainischen Bevölkerung, aus ihrem Heimatort geflohen.
Und die Berichte des UNHCR bieten auch eine nähere Erklärung für die Verwirrung um die Zahl von Flüchtlingen bzw. nach Russland eingereisten Ukrainern im März 2014: Ukrainische Bürger können visumfrei nach Russland einreisen und sich dort bis zu 270 Tage legal aufhalten [2]. Somit hatten Ukrainer im März 2014 keine Eile, einen Asylantrag oder einen anderen Status in Russland zu beantragen. Und womöglich war auch die Hoffnung groß, schnell wieder nach hause zurückkehren zu können. Insofern ist es nicht überraschend, das zu einer so frühen Zeit die Zahl der "offiziellen" Flüchtlinge in Russland so viel niedriger ist als Zahl der "eingereisten Ukrainer", die ja doch Flüchtlinge sind, nur eben auf eigene Faust.

Und damit sind wir wieder beim grundlegenden Problem - dem Verwischen von Wahrheit und Lüge und dem ignorieren unbequemer Wahrheiten:
In einem aktuellen Interview berufen sich deutsche Journalisten auf veraltete Berichte, wonach russische Medienberichte Lüge wären. Sie erwecken so den Eindruck, es gäbe die ukrainischen Flüchtlinge in Russland gar nicht. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, sich ein von westlichen und russischen Medien unabhängiges und aktuelles Bild der Lage zu bilden [3]. Dabei hätte sich gezeigt, daß die Berichte der russischen Medien ungenau und missverständlich gewesen sein mögen, letztlich aber ein tatsächliches Phänomen geschrieben haben. So aber wird hier die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge verwischt. In einer an sich ziemlich klaren Situation wird Unsicherheit darüber verbreitet, was stimmt und was nicht. Und an dieser Stelle sind es nicht Russland oder die russischen Medien, die Verwirrung säen. Deutsche Medien schaffen das ganz alleine.

Und was sonst noch bleibt ist die Verwunderung, wie eine so gewaltige Flüchtlingskatastrophe wie in der Ukraine, unmittelbar vor der Haustür der EU, öffentlich fast gar nicht wahrgenommen werden kann. Womöglich ist das Ausmaß der Katastrophe in der Ukraine so groß, daß die deutsche Öffentlichkeit, würde sie ihrer gewahr werden, aller offiziellen Schuldzuweisungen an Russland zum Trotz nicht länger dem harten Kurs der EU/NATO folgen würde?
Auf jeden Fall werden hier die Augen vor einer unbequemen Wahrheit verschlossen. Das war es allerdings nicht, was der Herr Fücks von den Grünen in seinem Eingangszitat meinte. Er meinte, wir würden bereits nicht mehr wahrhaben wollen, wie böse Russland und Putin doch sind. Auf die Idee, Hannah Arendt Lektionen einmal gegen sich selbst zu wenden, darauf käme der nie!
"This boy has lived in a bomb shelter for around a year. In total, there are
 around 20 children who live in this bomb shelters in Petrovskiy, near
 the coal mines in Donetsk."  Photo: UNHCR, Petr Shelomovskuy  

[1] Es gibt noch einige einzelne Berichte, die die Meldungen russischer Medien anzweifeln, alle stammen von vor den Berichten des UNHCR und sie beziehen sich auf wenig interessante Einzelfälle, etwa Bildmaterial von einem falsch angegebenen Grenzübergang oder Zweifel an der Integrität von Zeugen.

[2] Offiziell sieht sich die Ukraine im Krieg gegen eine russische Invasion und die EU unterstützt die Ukraine in diesem Kampf. Und doch können Ukrainer visumfrei in das Feindesland Russland einreisen, nicht aber zu ihren Freunden in die EU. Krieg führen war auch schon mal übersichtlicher...

[3] Die Angaben zu externen Flüchtlingen des UNHCR berufen sich auf offizielle Meldungen der jeweiligen Länder, d.h. auch auf die russische Regierung.

Sonntag, 9. August 2015

In eigener Sache: Shock and Awe

Heute wurde dieses Blog zum "Underdog des Jahres 2015" gekürt! Was für ein Tag! Und vor allem, dies ist der erste Preis, den der Autor dieses Blogs mit nach Hause nimmt seit dem 2. Preis im Praxismalwettbewerb seiner Kinderärztin 1981!

Und die erste Reaktion auf diese Neuigkeit war ein Schock. Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, dieses Blog sei ein Underdog?! Gut, seine Reichweite ist schon recht übersichtlich. An den meisten Tagen muss ich nicht mal auf einen Stuhl steigen um bis zu ihrem Ende zu sehen. Aber ich dachte, dieses Blog, das ist nun mal etwas Besonderes, etwas Elitäres! DWüdW, das ist nun mal nicht für jeden! Und jetzt erfahre ich, ich bin gar kein besonderer Teil einer Elite, ich bin einfach nur benachteiligt. Das ist ein schwerer Schlag für das Selbstverständnis eines jungen kreativen Schreibers wie ich einer bin! Im Endeffekt müsste diese Einsicht aber ja nichts Schlimmes sein, im Gegenteil. Man müsste nur die richtigen Schlussfolgerungen aus ihr ziehen. Aber welche sind das, welche sind das nur…?

Naja, ich werde schon noch darauf kommen. Und der erste Eindruck ist ja schnell wieder vorbei und es folgt der zweite - ein Schock! Gerade in einer Zeit, in der das Bloggen immer schwerer fällt und jeder Post eine Mühe bedeutet ist etwas mehr physiologischer Druck, weiter zu Schreiben, das Letzte, was man braucht! Die Gründe für die Probleme mit dem Schreiben sind übrigens vielfältig. Einmal ist da der private und berufliche Stress, der nicht viel Zeit übrig lässt (Ja, ich weiss, das schreibt sich immer leicht dahin. Aber man muss ja nur mal auf die Zeitmarken der Posts hier gucken. Es werden nicht nur weniger, immer mehr Posts kommen so zwischen Mitternacht und Eins raus, das einzige Fenster am Tag, in dem man noch zum Bloggen kommt…). Und dann ist da noch eine grundsätzliche Müdigkeit. Vor einer Weile etwa suchte die Zeit die Auseinandersetzung mit kritischen Lesern. Einer legte ausführlich dar, daß der Beitritt der Krim zu Russland entgegen dem üblichen Sprachgebrauch der Zeit keine "Annexion" war. Die Zeit griff diesen Punkt auf und bestätigte, ja, das war eigentlich keine Annexion. Nur um in den folgenden Beiträgen zum Thema immer weiter von einer "Annexion der Krim" zu sprechen. Und wenn die Reaktion großer Medien in einem "Ja, Du hast recht, aber das geht uns sonstwo vorbei" besteht, wozu dann noch weiter machen? Was immer eine angemessene Reaktion auf die Lage sein mag, mehr Diskutieren kann es ja wohl nicht sein?
Aber gut, erst mal macht man dann doch weiter. Und hier mache ich einfach den Obama. Der hat sich ja durch einen Friedensnobelpreis auch nicht beim Krieg führen unter Druck setzen lassen!

Und der zweite Eindruck währt ja auch nicht für immer, bald kommt der Dritte. Und der ist Dankbarkeit. Zwar bin ich von meiner ganz individuellen charakterlichen Veranlagung her nicht besonders von den Reaktionen meiner Umgebung abhängig, und trotzdem finde ich es als kleiner Blogger hin und wieder frustrierend, daß man seine Posts in einen Wald hinein ruft aus dem nicht viel hinaus hallt. Rückmeldungen sind eher rar, und da ist eine deutliche Rückmeldung (und dann sogar noch eine positive!) eine angenehme und überaus motivierende Erfahrung. Ich bedanke mich herzlich dafür und werde es mir ein Ansporn sein lassen. Also, zumindest ein bisschen…

Sonntag, 2. August 2015

Laberflash

Die Herkunft verrät viel über einen, sehr viel. Sagt etwa jemand, er komme aus Köln, dann weiß man sofort: Schwul, Gabi oder was mit Medien. Oder alles zusammen. Hört man "Ich komme aus Berlin", dann ist sofort klar: Der ist doppelt so weltläufig wie ich und halb so weltläufig wie er meint. So trägt jeder so seine Bürde mit sich herum. Das Schlimmste, das Allerschlimmste, was man aber als Herkunft angeben kann ist - nein, nicht Magdeburg. Da kann man zumindest noch ohne unangemessen zu erscheinen ein "Tut mir leid, das zu hören" erwidern. Nein, das Schlimmste ist, sagen zu müssen: "Ich komme aus der Eifel". Vielleicht muss man das für die jungen Menschen in den Neuen Ländern erläutern, aus der Eifel dringt ja nicht viel nach außen. Die Eifel ist…, wie soll man das erklären? Also, die NATO nutze die Eifel gerne als Truppenübungsplatz und zum Abladen von Atombomben. Das ist so ziemlich die konstruktivste und lebensbejahendste Verwendung, die man sich denken kann für dieses elende Stück Land im Toten Winkel des Weltgeists, über das man ja vieles sagen kann, nur nicht, daß die Bauern da keine dicken Kartoffeln hätten. Nein, ich komme nicht aus der Eifel! Die Gegend, aus der ich komme, gehört nicht zur Eifel! Wirklich!
Aber gut, mit der Herkunft ist es ja letztlich wie mit einem kleinen Penis oder Chlamydien, man sucht sich's nicht aus. Und umgehen kann man damit ganz genauso: Man selbst redet nicht darüber, die Kollegen auf der Arbeit, die es im Rahmen der ein oder anderen Betriebsweihnachtsfeier mitbekommen haben, sprechen es nicht an, man schweigt einfach darüber hinweg. Eine solche Strategie funktioniert natürlich nicht, wenn man einen besonders ekligen Lebenslauf eingeschlagen hat und in die Politik gegangen ist. Dann muss man seiner Heimat verbunden sein. Das erzwingt schon das dämliche deutsche Wahlsystem. Jeder Wahlkreis wird durch einen Abgeordneten persönlich vertreten - das perfide Programm, Provinzialität und Geklüngel in der Bundespolitik festzuschreiben. So macht sich schon mal eine CDU-Größe für Waffengeschäfte stark weil Heckler und Koch in seinem Wahlkreis sitzt. An denen verdienen die Menschen im Wahlkreis und das Stimmvieh da soll einen ja schliesslich wieder wählen. Wenn's besonders eklig kommt, dann landet man bei Andrea Nahles. Die kommt aus der Eifel. Ihre Strategie besteht darin, ständig, in einer Tour zu betonen, daß sie aus der Eifel kommt. Dieser offensive Umgang mit der Herkunft nimmt dummen Kommentaren gleich den Wind aus den Segeln. Gut, dadurch wirkt man wie eine aufgedrehte Landpomeranze, aber die Deutschen schätzen ein ländliches Gemüt als bodenständig, man denke nur an Angela "Kartoffelsuppe" Merkel.

Eine wirklich verblüffende Tatsache für kommende Generationen von Literaturwissenschaftlern wird sein, daß im frühen 21. Jahrhundert ausgerechnet das literarische Genre der servilen Hofdichtung eine ausgesprochene Blühte erlebte. Keine Person von Einfluß, Politiker der Manager, der die Medien kein schleimtriefendes Hohelied gesungen hätten. Heute war Andrea Nahles dran, in der Welt! Ja, die Welt hat einer Vertreterin des linken Flügels der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands eine speichelleckerische Hymne gesungen! Da versteht man plötzlich die ganzen AfDler, die den Linksruck der rot-grün-versifften Gutmenschenrepublik beklagten, wenn auch noch die Welt sowas tut! Allerdings folgt die schmierige Journalismusattrappe auf die Überschrift Mehr als die Eifel liebt Andrea Nahles nur Jesus! Da kommen einem dann doch Zweifel, wer eigentlich wohin gerückt ist.
Andrea Nahles liebt also Jesus, die Eifel und Schuld hat nur das deutsche Wahlsystem! So, und jetzt soll noch einer behaupten, man würde zu träge, um seinen drogeninduzierten Gedankenfluss einmal schriftlich festzuhalten! Ich ziehe mir jetzt noch eine Packung Kartoffelchips, eine Packung Vanilleis und die verbliebenen Sniggers rein und schlafe dann selig ein… Bis morgen!

Samstag, 25. Juli 2015

Der lange Urlaub vom Krieg

Heute Abend hatte ich eine interessante Begegnung auf dem Spielplatz. Dort war ein Mann mit einem kleinen Jungen, die Russisch miteinander sprachen. Und da ich selbst gerade in russischsprachiger Begleitung unterwegs war, kam es zu eine Unterhaltung. Es stellte sich heraus, daß der Mann Ukrainer aus Donezk war, der mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn vor dem Bürgerkrieg nach Spanien geflohen ist. Die Gelegenheit, Fragen zum Krieg in der Ukraine mal einer betroffenen Person zu stellen, musste ich dann doch nutzen, und ich will das Gespräch hier einfach mal zusammenfassen.
Der besseren Struktur wegen gebe es in Form von Frage und Antwort wieder, auch wenn es kein Interview war, sondern ein normales Gespräch, das ich selbst übersetzt bekommen habe und jetzt aus der Erinnerung aufschreibe. Das ist zwar kein Qualitätsjournalismus, aber hey, das hier ist ja auch nur eines von diesen Blogs, da geht das in Ordnung. Ich bemühe mich, die Aussagen des Herrn inhaltlich so genau wiederzugeben, wie mir das unter den Umständen halt möglich ist.


Wie kommt man denn aus Donezk nach Spanien?

Wir sind nach Kiew gefahren und haben da eine Pauschalreise nach Spanien gebucht. Mit dem Touristenvisum kann man nach Spanien einreisen und da kann man, seit das Internationale Rote Kreuz die Situation in der Ostukraine als "Bewaffneten Konflikt" eingestuft hat, einen Flüchtlingsstatus beantragen. Die Entscheidung darüber kann sich Jahre hinziehen, aber solange wird man geduldet.

Woher wussten Sie, daß das so relativ einfach geht?

Vor ein paar Monaten, als wir gekommen sind, ging das noch so einfach. Inzwischen ist auch Spanien strenger mit der Vergabe von Touristenvisa. Bisher gelang es Verwandten von mir nicht, auf die gleiche Weise nachzukommen. Bekannte, die schon lange in Spanien leben, hatten uns zu diesem Vorgehen geraten.

Sind viele Menschen aus der Ostukraine geflohen?

Ja, sehr viele. Es würde mich nicht wundern wenn die Hälfte der Einwohner die Ostukraine verlassen hat. Es bleibt nur, wer gar keine andere Möglichkeit hat.

Wie ist das Leben in Donezk gewesen?

Wie man sich das auch hier vorstellt. Wir haben auch Nächte im Keller verbracht und ich mußte auch manchmal auf der Arbeit unter den Schreibtisch krabbeln, wenn Granaten ein der Nähe einschlugen.

Glauben Sie, daß der Krieg in der Ostukraine von Russland aus gesteuert wird?

Naja, teils teils. Auf jeden Fall unterstützt Russland die Volksrepubliken Donezk und Lugansk. Alleine hätten die Einheimischen nicht so lange durchhalten können. Im russischen Fernsehen erklären sie immer, die Volksrepubliken würden mit Waffen kämpfen, die sie aus Beständen der ukrainischen Armee erbeutet hätten. Aber selbst wenn das stimmt, woher haben sie die Munition, um so lange Krieg zu führen? Ganz sicher unterstützt Russland die Volksrepubliken mit Material und vielleicht auch organisatorisch. Aber was man im ukrainischen Fernsehen hört, daß die Ukraine gegen reguläre russische Einheiten kämpfen würde, das ist Quatsch. Ich selbst jedenfalls habe nie etwas von regulären russischen Truppen mitbekommen und glaube auch nicht, daß es die in der Ukraine gibt.

Wird der Krieg bald vorbei sein?

Nein. Es wird so leicht keine Versöhnung mit Kiew geben, dazu ist schon zu viel passiert und es sind zu viele Menschen in diesem Krieg getötet worden.

Russland könnte eine militärische Entscheidung zugunsten der Volksrepubliken forcieren?

Russland braucht eine Pufferzone zwischen sich und der NATO. Solange der Krieg in der Ukraine andauert, wird sie nicht der NATO beitreten. Und die NATO wird die Ukraine nicht so leicht aufgeben. Der Krieg wird noch sehr lange dauern.

Wie soll es für Sie jetzt weiter gehen?

Nach einem halben Jahr Duldung bekommt man in Spanien eine Arbeitserlaubnis. Bis dahin wollen meine Frau und ich Spanisch gelernt haben und wir hoffen, eine Arbeit zu finden.

Die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt ist zur Zeit nicht gerade rosig?

Ja, ich weiß, aber eine andere Möglichkeit bleibt uns nicht.

Samstag, 18. Juli 2015

Sommer 15

Es ist gar nicht so leicht zu sagen, was am ehesten Deutschland im Sommer 2015 darstellt. Ist es eine Boulevardzeitung, die die Kanzlerin mit Pickelhaube abbildet - und das nicht als Beleidigung, sondern als Ansporn meint? Ist es ein CDU-Politiker, der die vollständige Entmündigung und Demütigung eines anderen EU-Landes mit den Worten "Der Grieche hat jetzt lang genug genervt" kommentiert? Oder ist es die Kanzlerin Merkel selbst, die erst einem Flüchtlingsmädchen mit dem deutschesten aller möglichen Argumente - Wo kämen wir hin, wenn das alle machen würden?! - erklärt, daß es in Deutschland nun mal keinen Platz für sie gibt. Und es, wenn es zu weinen beginnt, damit tröstet, daß es doch für die Kamera alles prima gemacht hätte?
Das finde ich alles zwar recht passend, aber es fehlt dabei das Sommerliche für Deutschland im heißen Sommer 2015. Aber dann habe ich ein Werbebanner mit Reklame für Katzenfutter gesehen. Für Delikates-Katzenfutter. Mit einer fetten weißen Katze auf einer Jacht.
2015 sind schon Tausende von Menschen im Mittelmeer ertrunken beim Versuch, ein winziges Stückchen vom europäischen Wohlstand abzubekommen. Und wir haben auf einer Jacht auf Kissen gebettete Katzen, die mit Fischer's Delikatessen ("Zander mit Zucchini") gefüttert werden sollen. Auch das ist Deutschland im Sommer 2015...

Dienstag, 7. Juli 2015

Von Afrika lernen

Ein Bekannter von mir ging einmal für einige Zeit beruflich und im Dienste eines ausländischen Unternehmens in die Elfenbeinküste. Zu den größten kulturellen Verständigungsproblemen gehörte dabei Verhältnis zu Hauspersonal. Andere Menschen zur Erledigung persönlicher Angelegenheiten einzustellen widerstrebte ihm zutiefst, er und seine mitgereiste Gattin empfanden es als dekadent und überheblich. Als sie keine Putzfrau einstellen und das Haus wie daheim selbst sauber halten wollten, eskalierte die Beziehung zu den Einheimischen. Sie wurden beschimpft, bedroht, es wurde vor ihnen ausgespuckt. Die Beiden fühlten sich sehr unwohl und konnten nicht mehr ruhig schlafen. Denn die Elfenbeinküstler hatten in dieser Hinsicht ein ganz anderes Verständnis. Die Weißen waren für sie Reiche - und gemessen an den Einkommensverhältnissen dort war der Haushalt meines Bekannten tatsächlich schwer reich. Und es war nicht das Privileg der Reichen, Hauspersonal einzustellen, sondern ihre gesellschaftliche Pflicht. Es war ein Weg, die Bevölkerung am Reichtum teilhaben zu lassen, indem man ihnen eine Gelegenheit zur Erwerbsarbeit bot. Dabei gab es ziemlich klare Vorstellungen, wieviel Personal bei einem gewissen Reichtum angemessen war. Eine Putzfrau war das mindeste. Je reicher jemand war, desto mehr Personal kam hinzu, ein Koch, ein Gärtner, irgendwann noch ein Chauffeur. Erst als die Bekannten ihrer gesellschaftliche Verantwortung nachkamen und eine Putzfrau bzw. Putzmann einstellten und einen Jungen bezahlten, für sie die Einkäufe zu erledigen, beruhigte sich die Lage wieder.
Die Beiden arrangierten sich mit den Umständen, die sie für einen Ausdruck einer ökonomisch wenig entwickelten Gesellschaft hielten. Dabei gilt das gleiche Denkmuster in einer weniger persönlichen, abstrakteren Variante auch in Europa: Es ist das beliebte Argument, wenn die Reichen nur immer reicher würden, dann wäre das am Ende für alle gut. Denn der Reichtum würde nach unten durchsickern, es entstünden Arbeitsplätze, am Ende profitierten alle. Nur hat der Weiße Mann respektive die Weiße Frau sich einreden lassen, dies geschehe automatisch. Sie müßten nur geduldig abwarten und immer fleissig sein, dann käme der bescheidene Wohlstand irgendwann auch bei ihnen an. Der Schwarze Mann in der Elfenbeinküste dagegen glaubt ganz offensichtlich nicht an einen Automatismus wenn es um die Erfüllung implizierter sozialer Verpflichtungen der Reichen geht. Anders als in Europa ist es dort der Bevölkerung dort völlig klar, daß es im Zweifel wenig subtilen gesellschaftlichen Drucks bedarf, um den Anspruch auf den eigenen Anteil am Wohlstand durchzusetzen.
Wo wohnen wohl die Doofen?

Sonntag, 28. Juni 2015

Gottes lausige Schöpfung

Es gibt nicht besonders viele Entscheidungen in meinem Leben, von denen ich im Nachhinein sagen würde, sie seien uneingeschränkt richtig gewesen. Eigentlich sogar erstaunlich wenige… Hm, vielleicht sollte ich besser nicht allzu sehr darüber nachdenken. Aber eine der wenigen eindeutigen Ausnahmen ist die schon in jungen Jahren getroffene Entscheidung, mir das Haupthaar abzurasieren. Käme ich aus der ostdeutschen Provinz, ein solcher Schritt wäre wohl voll im abstoßenden Mainstream gewesen. In meinem Umfeld dagegen fiel es auf (und ich war auch bei Menschen, die mich kannten, immer jeglicher Sympathie für rechtes Gedankengut unverdächtig). Und die Vorteile, die diese Entscheidung mit sich brachte, zeigten sich schnell und deutlich.
Zuerst einmal, ein kahler Kopf macht einen Mann einfach ungemein sexy! Jaja, ich weiß, dies ist für gewöhnlich ein umstrittener Punkt. Ich kenne das verächtliche Schnauben der Haarträger an dieser Stelle. Aber glücklicherweise ist dies eine Frage, die sich jetzt und hier schnell und eindeutig klären läßt. Hier: A, B oder C? Finde den Sex!
In diesem Punkt sollten wir uns also einig geworden sein. Die übrigen Punkte sind dagegen unstrittig:
Egal ob Regen oder Wind, egal ob man gerade aus der Dusche oder dem Bett kommt, die Haare liegen einfach immer perfekt! Außerdem spart man durch den richtigen Haarschnitt eine Menge Zeit und Geld. Und zu Zeiten, in denen der Frisör für keine 10 Minuten schnippeln mehr Geld sehen wollte als ich die ganze Woche für's Mittagessen ausgab, war diese Ersparnis durchaus wesentlich.
Ein weiterer Vorteil kommt mit dem Alter hinzu. Da werden die Haare allmählich dünner. Doch praktischer Weise gibt es niemanden mehr, der noch wüßte, wie ich mit Haaren aussah. Nicht einmal ich selbst erinnere mich noch so recht daran. Da ist Haarausfall auch kein Thema!
Der letzte und größte Vorteil aber zeigt sich erst, wenn die Kinder in den Kindergarten gehen: Man muß keine Angst vor Läusen haben!

Ja, ich kann mich auch nicht erinnern, daß zu meiner Kindergarten- und Schulzeit Läuse ein Thema gewesen wären. Und die Mutter meiner Kinder ging zwar in einer ganz anderen Ecke in den Kindergarten, kann sich aber auch nicht an Läuse erinnern. Und der Apotheker, der uns die Läusekur verkaufte, meinte, er könne sich auch nicht daran erinnern, vor 20 Jahren Läusemittel verkauft zu haben. Vielleicht ist die Rückkehr der Läuse, wie die Rückkehr der Suppenküchen oder der Tagelöhner, einfach ein weiteres Symptom der gesellschaftlichen de-Evolution in Europa. Auf jeden Fall aber zupft die Mama nun sich und den Kleinen verzweifelt bis dezent hysterisch in den Haaren herum. Mich selber läßt dieses Problem hingegen irgendwie kalt. Und so kann ich währenddessen einfach dasitzen und mir so meine Gedanken machen. Z.B. darüber, daß die Kopflaus ausschließlich den Menschen befällt, und keine Tiere. Als Mensch mit eher materialistischem Weltbild würde ich ja sagen, daß sich die Kopflaus Pediculus capitis evolutionär halt auf einen einzigen Wirt, eben homo sapiens, spezialisiert hat. Von einem religiös-kreationistsischem Standpunkt aus ist die Laus dagegen sehr viel spannender: Offenbar hat der liebende Herrgott in seiner unergründlichen Weisheit ein Wesen geschaffen, das allein auf dem menschlichen Kopf lebt, nirgends sonst, um dort durch das Einspeicheln von in die Haut geritzten Wunden Juckreiz auszulösen. Na schönen Dank auch! Aber wenn Gott ganz offenbar will, das Läuse des Menschen Haupt bevölkern, ist dann nicht die Läusebekämpfung ein Frevel gegen Gottes Schöpfung?
Als ich der Mama, sie war mit Tränen in den Augen kurz davor, ihrer verblüfften Tochter ein Glas Mayonnaise in die Haare zu schmieren (darin sollen Läuse angeblich ersticken), aus dem Hintergrund des Raumes diese Gedanken zur Diskussion hinwarf, schrie diese aber nur gereizt in meine Richtung:
"Seh' ich vielleicht aus wie irgend so ein verkackter Jesus-Freak!?!"
Die doch eher direkte Wortwahl in diesem Moment sollte man mit Blick auf ihren emotional etwas angefassten Zustand entschuldigen. Aber eine Person, die auch in der Stunde der Not und des Kummers ihre Hoffnung immer noch lieber auf ein Glas Mayonnaise setzt als auf Gott - die hat man doch wirklich gerne um sich!

Freitag, 26. Juni 2015

Zeit für Vertrauen

Eigentlich bin ich ja inzwischen recht abgestumpft was dümmliche Medienbeiträge angeht. Es sind einfach zu viele, da kann man sich ja nicht über jeden einzelnen aufregen, das wäre gar nicht gesund! Manchmal aber finde ich doch noch einen, bei dem alle Bemühungen um Gelassenheit (bzw., seinen wir ehrlich: Gleichgültigkeit) scheitern. So wie heute. So wie bei der Zeit und diesem Machwerk hier:
Klingt als Thema ja spannend:
"Seid ihr eigentlich unabhängig? Recherchiert ihr wirklich? Aus welchen Quellen stammen eure Informationen? Wir sind also selbst angesprochen, und deshalb ist dieser Text eine Art teilnehmende Beobachtung: Woher kommt die Wut? Wohin führt der Vertrauensverlust? Und: Was kann man dagegen tun?"
Da bin ich ja dabei! Aber erst mal lassen wir die Faktenlage klären:
"Viele wichtige Zeitungen und Sender haben in den letzten Jahren in Qualität investiert, trotz der Anzeigen- und Auflagenkrise. Es werden heute mehr investigative Reporter beschäftigt denn je, und viele Reportagen verbinden mittlerweile faktenreichen Journalismus mit einer wunderbaren Sprache."
Ah, ich seh' schon, eigentlich gibt es nix zu meckern!
"Zudem haben sich Redaktionen neue Codes of Ethics gegeben, auch ZEIT und ZEIT Online, um nach innen und außen zu dokumentieren, wie sie ihre Unabhängigkeit wahren. Wer also den Journalismus pauschal schlechtredet oder nur noch Untergang sieht, der liegt falsch."
Ist klar, hab' verstanden, im Grunde alles rosig, es geht halt nur um Detailfragen. Sprechen wir die nach dem Eigenlob mal knallhart an:
"Wahr ist aber auch, dass Journalisten in den vergangenen Jahren in entscheidenden Momenten versagt haben."
Und zwar, wo haben sie versagt?
"Vor und während des US-Einmarschs im Irak etwa. Damals, 2003, gaben viele, vor allem amerikanische Medien im Grunde nur US-Regierungspropaganda wieder – und zogen mental mit in den Krieg."
Vor allem die amerikanischen Medien haben also versagt. Naja, ok, vielleicht doch noch ein Beispiel für das Versagen deutscher Medien?
"Nicht vergessen ist auch, dass einige Journalisten die Exzesse, die der Finanzkrise im Jahr 2008 vorangingen, zwar untersucht und kritisiert haben. Aber den großen Crash sahen auch sie nicht kommen."
Aha. Untersucht und kritisiert haben sie zwar schon, aber versagt dann doch, weil sie nicht hellsichtiger als alle anderen waren? Hm, ja, das ist wahre Strenge gegen sich selbst! Bravo! Das war's dann allerdings auch erst mal mit den Beispielen.
"Nun haben Redaktionen aus ihren Fehlern gelernt,  […]."
Praktisch, sich seinen Lernfortschritt selbst zu bescheinigen! Immer wenn ich das versuche, kauft man's mir nicht ab, war schon auf der Schule so...
"Aber die Fehler von damals wirken nach. Viel von der Kritik, ja dem Hass, den die Ukraine-Berichterstattung hervorgerufen hat, erklärt sich vermutlich auch daraus."
Die Kritik an, ja der Hass durch die Ukraine-Berichterstattung erklärt sich durch das Verhalten amerikanischer Medien während des Irakkrieges 2003 und die Nichtvorhersage der Finanzkrise?
Ja, nach sehr gründlicher Überlegung klingt das absolut einleuchtend! Wobei - nach einem klitzekleinen bisschen mehr Überlegen kommt mir noch eine andere Erklärungsmöglichkeit in den Sinn: Viel von der Kritik an der Ukraine-Berichterstattung könnte sich auch aus Fehlern in der Ukraine-Berichterstattung erklären? Ja? Jaaa?
"Aber es sind nicht nur alte Fehler, die das Vertrauen schwinden lassen, es kommt noch etwas anderes, Gegenwärtiges hinzu:"
Ah, jaaaa! Nämlich...?
"die tägliche Skandalisierung."
Oh. Hm. Jetzt gleich zum Thema German Wings-Absturz?
"Die Klickzahlen der Nachrichtenseiten schossen in die Höhe, und in den Tagen danach verkauften sich die Boulevardzeitungen besonders gut, die Einzelheiten über den Co-Piloten und dessen Krankengeschichte liefern konnten."
Man ahnt schon, wohin das führen soll: Der Leser ist schuld!
"Es gibt also, paradoxerweise, eine maßlose Lust am Skandal – und zugleich eine weit verbreitete Enttäuschung über die Medien, die diese Lust bedienen."
Der Leser will es und beschimpft die Medien, wenn sie es ihm geben! Immerhin, das angerissene Thema Fehler der Journalisten, etwa in der Ukraine-Berichterstattung, haben wir damit elegant und komplett abgehackt. Aber ich wage jetzt mal einen ganz ausgefallenen Gedankengang:
Wenn der Journalismus auf Ethik pfeifen und den Lesern einfach Skandale und persönliches Klein-Klein liefern muß, weil es nun mal das ist, wonach der Leser verlangt - ja, sollten die Journalisten dann nicht einfach auch mal ein paar Loblieder auf Russland und Putin schreiben? Denn wie sie am ganzen Protest in den Kommentaren unter ihren Artikeln merken, ist es doch das, was eine ganze Masse von Lesern offenbar haben will? Einfach mal auf die NATO schimpfen und Putins Politik auch mal loben, das wird Altleser neu begeistern und neue Leser anlocken! Geht nicht? Das wäre ja gegen die journalistische Ethik? Verstehe, wenn es nur um irgend so eine Flugzeugkatastrophe und heulende Angehörige geht, dann kann man auf moralische Erwägungen auch ruhig pfeifen. Wenn's aber um wirklich Wichtiges geht, internationale Politik und so, dann muß man bei seinen Überzeugungen bleiben! Die nennt man dann "Qualität".
Heuchler.
So nennt man so jemanden nun mal, da kann man nichts machen, selbst wenn die Journalistenhaut durch all die heftigen Beschimpfungen schon dünn geworden ist.

Na gut, überspringen wir lieber den Textteil, in dem über die gemeiner Weise vom Publikum so geschätzten Satireformate gejammert wird und auch das Problem mit der "Fünften Gewalt", der sich online äußernden Öffentlichkeit. Nur der Schluß ist interessant:
"Deshalb ist es an der Zeit, dafür zu sorgen, dass alle Akteure der fünften Gewalt im öffentlichen Diskurs ihr Gesicht zeigen. Auf Facebook ist das sowieso schon der Fall, auf Twitter nutzen viele ihren bürgerlichen Namen, aber auf Plattformen wie YouTube und in den Kommentarspalten der Onlinemedien streifen sich fast alle Akteure der fünften Gewalt eine Tarnkappe über. Warum muss das so bleiben?"
Naja, das Thema "Anonymität im Netz" wurde ja schon in der Vergangenheit ausgiebig diskutiert und die Antworten auf diese Frage sind immer noch die selben - einfach mal googlen!

Fazit ist nun: Journalisten der Zeit loben sich erst mal ein bisschen, streuen dann etwas Pseudo-Selbstkritik ein, ärgern sich erst über den dummen Leser, der seinen qualitativ hochwertigen Journalismus wegen Fehlern in der Vergangenheit nicht erkennt und dann über den dummen Leser, der sich über den minderwertigen Journalismus beschwert, den man ihm gibt, weil man's muß, dann über den dummen Leser bzw. Zuschauer, der seine Aufmerksamkeit lieber Satiresendungen als Topjournalismus schenkt. Und zum Schluß fällt ihnen als Antwort auf die Eingangsfrage
"Wohin führt der Vertrauensverlust? Und: Was kann man dagegen tun?"
ganz im Ernst nichts anderes ein, als die Abschaffung der Anonymität im Internet zu fordern?
Da muß ich meine Beschimpfung von vorhin doch noch ein bisschen differenzieren:
Heuchler und Schwachköpfe!

Mittwoch, 17. Juni 2015

Schrottpresse

Mal in die Zeitung zu kommen ist gar nicht so einfach. Wenn's sicher klappen soll, muß man schon Papst sein (ist aber nur was für die Generation 70+), einen Massenmord begehen (tut man's privat, gilt es aber als sozialunverträglich, tut man's im Regierungsauftrag, als geheim) oder einen Nobelpreis bekommen (ist aber nur was für Begabte). Hat man nur zwei linke Hände anzubieten, wird eine Schlagzeile richtig teuer - man müßte schon einen Ferrari zu Schrott fahren. Dann klappt's aber sicher:










(Reihe abgebrochen)

Und was lernt man aus der "Ferrari zu Schrott"-Berichterstattung? In Deutschland wird im Schnitt alle 101 Tage ein Ferrari zu Schrott gefahren - und zwar ausschliesslich von Männern! Aber Letzteres ist ja auch kein Wunder. Wer würde schon eine Frau ans Steuer eines Ferrari lassen? Am Ende fährt sie doch nur Schrammen in den Lack...