Donnerstag, 30. Oktober 2014

Wag the dog - reloaded


Dieser Text ist natürlich hypothetisch und jede Ähnlichkeit mit realen Orten und Ereignissen sicherlich rein zufällig. Aber warum nicht mal ein bisschen hypothetisieren? Nehmen wir mal an, wir wollten die Öffentlichkeit im Bewusstsein einer Gefahr durch den Islamischen Staat halten - damit es auch überzeugend wirkt, wenn der Innenminister und mit ihm die Hauptstadtpresse erklärt, daß die Bedrohungslage auch wirklich so gegeben ist und so. Dazu bräuchte es ein schönes medienwirksames Spektakel, eine richtige Show.
Für eine solche Show braucht's als ersten natürlich eine geeignete Location, am besten ein richtiges Stadion. Es bräuchte eine Stadt an der Grenze zu einem sicheren Land, sagen wir mal, der Türkei. Idealerweise müsste man die Zuschauer auf einer Tribüne unterbringen können, damit sie auch gut sehen. Es bräuchte eine Stadt wie, sagen wir mal, Kobanê! Die perfekte Wahl! Direkt an der türkischen Grenze und mit Anhöhen auf der türkischen Seite, von denen aus man das Stadtgebiet super überblicken kann!
Einen besseren Ort kann man sich für eine IS-Show doch gar nicht wünschen! Klar, man muß erst mal Zehntausende Einwohner umsiedeln. Aber Zehntausende für ein Spektakel von Weltrang umsiedeln, das war ja auch schon bei der Fußball-WM in Brasilien kein Problem. Und bei den Millionen Flüchtlingen in Syrien fällt eine Kleinstadt mehr ohnehin nicht auf. Und auch klar, man muß noch ein bisschen Security am Spielfeldrand platzieren, damit nicht am Ende noch Spieler und Zuschauer aneinander geraten. Aber das ist ja kein Problem, die Security stellt die Türkei.
Die Zuschauer können beruhigt ihr Supertele aufbauen und das Spielgeschehen bestens verfolgen. Z.B., wer gerade wo seine Flagge aufzieht, das hat ihnen eine Weile großen Spaß gemacht.
Insgesamt ein praktisches Arrangement, von dem ja auch beide Mannschaften profitieren. Die Kämpfer des IS können sich vor der Weltöffentlichkeit als wilde Desperados inszenieren.

Kommt schon ziemlich geil rüber, oder? Also, wenn man auf sowas steht. Aber die Sympathien sollen ja erst mal der eigenen Seite gelten. Und da können die Unseren ja locker mithalten: Schöne Frauen mit Wummen! Das zeigt, wieviel moderner wir sind. Und außerdem sehen alle, selbst unsere Frauen haben mehr Eier in der Hose als diese Bartfuzis!
Was fehlt ist natürlich noch die ein oder andere gefühlige Hintergrund- und Homestory aus unserer Mannschaft, für die emotionale Bindung der Fans und so. Vielleicht ein Lkw-Fahrer aus dem Saarland:
"15 Jahre lang arbeitete der Kurde Shaqqour als Lkw-Fahrer in Saarlouis. Jetzt kämpft er in seiner Heimatregion in Syrien als Sicherheitschef gegen den IS." [1]
Schön, das schafft einen Anknüpfungspunkt. Oder eine Selbstmordattentäterin. Also, eine von unseren, eine gute Selbstmordattentäterin:
"Die Frau mit dem langen schwarzen Haar und dem offenen Lächeln ist das Gesicht des Widerstands von Kobane geworden. Es ist das Gesicht von Arin Mirkan. Sie hat sich am Sonntag vor den Toren der Stadt neben einer Stellung des "Islamischen Staats" in die Luft gesprengt. Nach Angaben der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die den Kampf gegen den Ansturm der Dschihadisten koordinieren, soll sie angeblich Dutzende IS-Milizionäre getötet haben. […] Nach kurdischen Angaben soll die Attentäterin zwei Kinder zurückgelassen haben." [2]
Perfekt! Aber das reicht alles noch nicht aus. Um die Zuschauer bei der Stange zu halten, braucht's noch ein bisschen Atmosphäre! Maschinengewehrgeknatter in der Ferne ist da zu öde. Maschinengewehre, das sind doch die Vuvuzelas des Schlachtfeldes. Aber jeder weiß, wer so richtig geile Stimmung im Stadion will, der braucht Bengalos! Sicherheitsbedenken hin oder her, wir sind ja nicht beim Frauenfußball! Was die Wahl des Feuerwerks angeht, so müssen wir uns nicht allzu viel Gedanken machen, die Flugzeuge können einfach ein paar Bomben aus dem Lager ins Spielfeld werfen. Für die ästhetische Wirkung sorgen dann schon die Fotografen am Spielfeldrand. Raus kommen dann so Bilder wie dieses:
Und das ist doch nun wirklich hinreißend schön! Diese Farbkontraste von kaltem Blau und warmen Orange! Dieser Kontrast zwischen den strengen Linien der Häuser und dem Chaos des Rauchpilzes! Schöner kann man doch einen Bombenabwurf gar nicht im Bild einfangen! Die einzige Schwierigkeit beim Feuerwerk ist eigentlich, es nicht zu übertreiben. Den Irak militärisch zu zerstören und zu besetzen hat sechs Wochen gedauert. Für einen Pisselstaat wie Grenada hat's damals nicht mal sechs Tage gebraucht. Da muß man schon achtgeben, daß man nicht zu ernsthaft eingreift und die Schlacht um eine einzige Kleinstadt nach nicht mal sechs Stunden schon wieder vorbei ist! Schließlich wollen wir die Story ja über Monate in den Abendnachrichten halten. Gefragt ist Fingerspitzengefühl, um die richtige Balance im Spiel zu wahren!
Was es nun noch braucht, ist einfach ein gutes, ein spannendes, ein abwechslungsreiches Spiel!
"Isamischer Staat in Syrien: Kobane offenbar kurz vor dem Fall" (7.10.
"Kampf um Kobane: Kurden drängen Terrormiliz zurück" (8.10.
"Kampf um Kobane: USA fliegen neue Luftangriffe - Kurden halten die Stadt" (9.10.
"Heftige Gefechte: IS zieht Ring um Kobane immer enger" (12.10.
"Kampf gegen den IS: Kurden melden Erfolge in Kobane"(14.10.
"Kampf um Kobane: Islamischer Staat startet Großoffensive" (23.10.
"Kurden drängen IS-Kämpfer zurück" (25.10.)
U.s.w. u.s.f……. Kann man ja schon gar nicht mehr auflisten, all die Konter und Gegenkonter!
Fouls machen das Spiel noch dramatischer:
"Chemiewaffeneinsatz: IS-Kämpfer sollen Chlorgas verwendet haben" (25.10.)
Und Eigentore auch!
Ein paar Spieler auswechseln kommt beim Fan ebenfalls gut an.
Von unseren Jungs gibt's aber ganz klar die besseren Bilder:

Klasse, was? Coole Typen mit Victory-Zeichen in offenen Wagen! Bejubelt von der Menge auf dem Weg in den Kampf! Das prickelt, das hat Sexappeal! Gut funktionieren tun auch Konvois, das haben wir uns vom Putin abgeguckt:
Allein die Fahrt, eine tägliche Story!
Das ganze Spektakel jetzt noch flankieren mit Hintergrundinfos über die Vereinsmittel des Gegners, seine Flagge, das volle Programm halt!

Hat bislang ja prima geklappt, eine Supershow! Seit anderthalb Monaten trägt die Story vom Kampf um Kobanê schon. Ich bin schon gespannt, wie lange das noch so weiter geht. Und ob es ein Showdown gibt? Oder wird das einfach irgendwie totlaufen? Gewinnen die Guten? Oder werden die Guten vorher selber die Bösen? Finden wir was noch Böseres als den IS? Ich höre lieber auf, bevor die Fantasie vollends mit mir durchgeht! Das kommt ohnehin nur vom vielen Filme gucken. Die falschen Filme, natürlich. Schließlich ist der Gedanke, die Schlacht um Kobanê sei nichts weiter als am Köcheln gehaltenes Futter für die Medien und deren Konsumenten, im Grunde ganz abwegig...

Dienstag, 28. Oktober 2014

Im Wendekreis des Krebses

Es begann wie ein ganz normaler Tag bei Focus Online… Doch dann…

[1]
AHHH!

STOPPT PUTIN JETZT!! EEEEEEELF! 

Ach ne, Moment, das ist vielleicht gar nicht mehr nötig. Denn Focus Online meldet ja ein paar Stunden später:
[2]
"Eine Bestätigung aus Moskau gibt es nicht, aber die Gerüchte häufen sich: Wladimir Putin soll schwer an Krebs erkrankt sein."
Is' wahr?! Die Gerüchte häufen sich?
Vor vier Tagen berichtete jedenfalls die amerikanische Klatsch- und Tratschseite pagesix.com dasselbe:
[3]
"There is an explanation for Vladimir Putin’s hurry to invade Ukraine — it is rumored he has cancer. News outlets from Belarus to Poland have reported for months that the Russian strongman has cancer of the spinal cord."
Endlich wissen wir, deshalb Putin immer noch nicht so richtig aber schon fast in die Ukraine einmarschiert ist: Er hat Rückenmarkkrebs! Das berichten Plapperseiten von Weißrussland bis Polen seit Monaten! (Wobei, Weißrussland und Polen, die liegen doch direkt nebeneinander? Vielleicht eher Weißrussland UND Polen?) Und jetzt auch Focus Online. Wobei - pagesix hat knallharte Insider-Infos:
"But my sources say it’s pancreatic cancer, one of the most lethal forms of the disease."
Bauchspeicheldrüsenkrebs! До свидания, Putin, du Satan! Wobei… Wer weiß. Die polnischen Medien, die von Putins Krebs berichteten, sind z.B. Klatschseiten wie fakt.pl. Da hatte Putin aber keinen Bauchspeicheldrüsenkrebs und keinen Rückenmarkskrebs, sondern einen Hirntumor. Das aber wirklich schon vor Monaten, im März nämlich:
[4]
Als Quelle für die Hirntumor-Meldung wird bei den polnischen Klatschmedien der britische Journalist Edward Lucas angegeben, der hätte das mit dem Hirntumor gesagt. Und tatsächlich hatte der am 3. März gewittert, ein russischer Oligarch hätte ihm gesagt, Putin hätte einen Hirntumor:
[5]
Also, Focus Online sagt, daß pagesix.com sagt, daß Putin Bauchspeicheldrüsenkrebs habe, und keinen Rückenmarkkrebs, weil polnische Klatschseiten sagen, Putin habe einen Hirntumor, weil ein britischer Journalist vor sieben Monaten gesagt habe, ein russischer Oligarch hätte ihm gesagt, daß Putin einen Hirntumor hätte.

Och bitte.

Kann jetzt nicht mal wirklich jemand Putin stoppen? Das ist ja nicht mehr auszuhalten!


PS:
Bild.de war übrigens schneller als Focus Online, und andere machen auch mit beim "Gerüchte häufen"…

Sonntag, 26. Oktober 2014

Soll ich's der Mama sagen?

Daß ihr zweijähriger Sohn das aktuelle Titanic-Cover gesehen hat…


… und sofort begeistert
"Ah, da! MAMA!!"
ausrief?

Freitag, 24. Oktober 2014

Menschen und ihre seltsamen Hobbies...

Dieses Spiel mit den Satellitenbildern, das ich hier vor einiger Zeit begonnen habe, macht mir ja eine gewisse Freude, und ich habe immer mal wieder versucht, die Methoden zu verfeinern. Neulich habe ich ein unverdächtiges Satellitenbild mit umfangreichen Angaben als Test analysiert. Das ist zwar für nichts weiter gut und reine Spielerei, aber die Ergebnisse sind so beeindruckend schön, daß ich es doch mal zur Unterhaltung hier vorzeigen will.
Es geht um dieses Bild aus einer Serie von Aufnahmen von der syrisch-türkischen Grenze bei Kobanê:

Das Bild gab's bei SpOn, eigentlich stammt es aber aus einem Lagebericht der Vereinten Nationen. Und die machen, anders als ai oder der NATO, sorgfältige Angaben zum Bild. Es soll am 6. September 2014 in der Nähe von Kobanê vom Satelliten Worldview 2 aufgenommen worden sein. Die Auflösung soll 50 cm betragen und das Bild in einer UTM 37N Kartenprojektion im Koordinatensystem WGS 1984 dargestellt sein [1]. Das kleine Spiel hier besteht nun in der Lebenszeit vernichtenden Aufgabe, alle diese Angaben unabhängig zu bestätigen.

Zunächst müssen wir den Aufnahmeort bei Google Earth finden. Das ist nicht besonders schwer, denn diese zwei großen Kreise im Bild stellen eine gute Landmarke dar. Man muß nur Kobanê als Ziel bei Google Earth eingeben, dann sieht man sie schon kurz hinter der Grenze auf türkischer Seite.

Jetzt versuchen wir mit derselben Methode wie hier schon mal benutzt, ob man eine Bildverzerrung durch die Aufnahmeperspektive des Satelliten findet. Dazu können wir "Kontrollpunkte" im Bild suchen, d.h. Punkte, die sich im Satellitenbild und auf Google Earth klar identifizieren lassen. Die Google Earth-Aufnahmen sind von 2012 und seitdem hat sich in der Aufnahmegegend eine Menge getan. Daher findet man nicht ganz so viele Punkte, wie man aufgrund der vielen schönen Strukturen im Satellitenbild hoffen würde. Für 10 Kontrollpunkte hat es aber dennoch gereicht. Wir messen die Abstände zwischen allen Kontrollpunkten im Satellitenbild (in Pixeln) und auf der Erdoberfläche (in Metern, mit Google Earth) aus. Zudem bestimmen wir den Winkel zwischen der Verbindungslinie zweier Kontrollpunkte und der Nordrichtung (diesen Winkel nennen wir "Azimut" und messen ihn von Norden (0 Grad) entlang des Horizonts über Osten (90 Grad), Süden (180 Grad), Westen (270 Grad) zurück nach Norden). Teilen wir die Länge der Verbindungslinien am Boden durch die im Bild, dann bekommen wir den Abbildungsmaßstab (in Metern pro Pixel). Diese für die einzelnen Verbindungslinien bestimmten Maßstäbe tragen wir gegen den Azimut der Verbindungslinie (im Bereich von 0 bis 180 Grad) auf. Das sieht dann so aus:
Die Punkte streuen etwas aufgrund der Messungenauigkeit, es gibt aber keine systematische Variation des Maßstabs mit dem Orientierungswinkel der Linie im Bild. D.h., der Abbildungsmaßstab ist entlang aller Richtungen im Bild derselbe. Die rote Linie zeigt ein einfaches Modell für die perspektivische Verzerrung, angepasst an die Meßpunkte. Sie findet auch keine Variation und der mittlere Maßstab ist 0.495 Meter pro Pixel. Das passt gut mit der für das Bild angegebenen "Auflösung" von 50 cm zusammen.
Den selben Maßstab entlang aller Richtungen im Bild erhält man in der Aufnahme dann, wenn sie senkrecht von oben gemacht wurde. Das wurde sie aber offensichtlich nicht: Wenn man sich das Satellitenbild genau ansieht, dann erkennt man etwa die nach Norden weisende Seite des Gebäudes. Die Aufnahme muß also aus leicht nördlicher Richtung, etwas von der Seite aufgenommen worden sein. Daher muß also tatsächlich eine Korrektur der Perspektive, etwa in Form einer Kartenprojektion, für das Bild durchgeführt worden sein.

Ob jetzt tatsächlich die UTM 37N-Projektion, ist eigentlich nicht so spannend, wir wollen diesen Punkt aber trotzdem noch ein bisschen weiter verfolgen. Dazu versuchen wir, die Satellitenaufnahme mit einer Karte der Region (in der UMT 37N) zu überlagern. Denn gelingt dies, dann ist das ein sehr guter Test für die Genauigkeit, mit der die Koordinaten der Kontrollpunkte aus Google Earth abgelesen werden können. Diese Überlagerung machen wir aber nicht mehr per Hand, sondern benutzen eine Geoinformationssoftware, die es leicht macht. In diesem Fall die freie Software QGIS. Wir lesen die Koordinaten der Kontrollpunkte bei Google Earth ab und benutzen den Georeferenzer von QGIS, um die Kontrollpunkte in der Satellitenaufnahme zu markieren und uns die Transformation zwischen Bild und Google-Earth-Koordinaten bestimmen zu lassen. Dann können wir und die Satellitenaufnahme in der Karte darstellen lassen und als Koordinatensystem der Karte WGS 1984 UTM 37N verwenden. Um zu überprüfen, ob die Überlagerung gelungen ist, können wir uns das Straßennetz der Region in die Karte laden. Die Geoinformationen dazu bekommt man leicht und umsonst vom OpenStreetMap-Projekt, z.B. via GeoFabrik. Hier ist eine erstellte Übersichtskarte mit dem eingebetteten Satellitenbild. Die roten Linien sind die Straßen, die blaue Linie ist eine Bahnlinie, die den Grenzverlauf zwischen Syrien und der Türkei markiert:


Hier noch eine Detailabbildung. Man sieht, daß der Straßenverlauf nach OpenStreetView und der im Satellitenbild perfekt übereinstimmen:


Die Georeferenzierung des Satellitenbildes ist also sehr schön gelungen. Die Google Earth-Koordinaten sind also problemlos zur Bildanalyse verwendbar. Zudem ist das Bild in dieser Kartendarstellung, in der WGS 1984 UTM 37N-Projektion, (fast gar) nicht verzerrt. Es gibt also keinen Hinweis, daß die angegebene Kartenprojektion für das Satellitenbild nicht stimmt.

So, und nun, da wir wissen, daß das Bild tatsächlich verzerrungsfrei und korrekt ausgerichtet ist, können wir uns an die spannendere Frage nach dem Ursprungssatelliten machen.
Dazu können wir den Mast am rechten Bildrand, etwas oberhalb der Bildmitte, verwenden. Da sehen wir einen schönen, deutlichen Schatten, der in Richtung Nordwest weist. Alle anderen Schatten im Bild scheinen ganz gut mit der Richtung dieses Schattens übereinzustimmen, daher können wir erst einmal annehmen, daß Bodenunebenheiten beim Schattenwurf keine große Rolle spielen. Da der Schatten dieses Mastes am besten zu Vermessen ist, beschränken wir uns aber (soviel Faulheit muß dann doch sein) auf diesen einen. Im unverzerrten Bild können wir seine Richtung direkt bestimmen: als Azimut bekommt man etwa 335.3 Grad. Die Sonne muß genau gegenüber dem Schatten stehen, damit bekommen wir einen Azimut für die Sonne zum Zeitpunkt der Aufnahme von (335.3 - 180.0) Grad, also 155.3 Grad. Jetzt können wir etwa Horizons benutzen, um uns auszurechnen, um wieviel Uhr am 6. September die Sonne denn bei einem Azimutwinkel von 155.3 Grad stand. Das war um 11:33 (UTC+3). Damit haben wir nun die Aufnahmezeit des Satellitenbildes abgeschätzt. Horizons sagt uns aber nicht nur, wann die Sonne bei 155.3 Grad stand, sondern auch, wie hoch sie dabei über dem Horizont stand, nämlich 57.3 Grad. Nun können wir nicht nur die Orientierung des Schattens abmessen, sondern auch seine Länge. Kennen wir die Länge des Schattens und die Höhe der Sonne, dann kennen wir die tatsächliche Höhe des Masts.
Nun sehen wir nicht nur den Schatten des Masts, sondern auch eine Seite des Masts selber im Bild. Wenn wir die Richtung dieser Projektion des Masts abmessen, dann wissen wir, genau wie beim Schatten, die Richtung, aus dem der Satellit diese Aufnahme gemacht hat. Die Projektion des Masts weist etwa in Richtung 182.7 Grad. Damit stand der Satellit auf der gegenüberliegenden Seite, bei einem Azimut von etwa 2.7 Grad. Wir können auch hier die Länge der Projektion des Mastes abmessen. Kennen wir die projizierte Länge und seine tatsächliche Höhe, dann kennen wir auch die Höhe des Satelliten über dem Horizont zum Zeitpunkt der Aufnahme: 61.8 Grad. Hier noch mal ein Zoombild, um die Messungen zu veranschaulichen:


Wir haben also als Ergebnis der Abschätzungen eine Aufnahmezeit von 11:33 aus einer Blickrichtung von 2.7 Grad (Azimut) und 61.8 Grad (Höhe über dem Horizont). Nun können wir die Satellitendatenbank von Heavens-Above benutzten und nachsehen, ob wir für diese Zeit und diese Blickrichtung einen Treffer für den behaupteten Aufnahmesatelliten, Worldview 2, bekommen. Und tatsächlich, dieser Satellit überflog um diese Zeit herum den Himmel über dem Aufnahmeort. Hier ist die Heavens-Above-Graphik mit dem Pfad des Satelliten über dem Erdboden im Verhältnis zum Aufnahmeort des Satellitenbildes:


Um noch etwas genauer zu sehen, lassen wir uns von Heavens-Above auch noch eine Himmelskarte darstellen mit der Bahn von Worldview 2 am 6. September über den Himmel am Ort des Bildes. Hier ist konventionell Norden oben und Westen rechts. Das Zenit ist in der Mitte, der Horizont ist der Randkreis. In diese Karte tragen wir unsere abgeschätzte Position des Satelliten zum Aufnahmezeitpunkt als roten Kreis mit ein. Das sieht so aus:


Worldview 2 flog am 6. September fast genau durch die geschätzte Aufnahmeposition am Himmel. Und das um 11:36, mit einer Zeitdifferenz von gerade einmal 3 Minuten zu unserem Ergebnis von 11:33!
Diese gute Übereinstimmung ist doch wirklich schön! Worldview 2 kann als Quelle der Satellitenaufnahme bestätigt werden und Zusammenspiel von Kartenmaterial, Google Earth und Satellitendatenbank funktioniert hervorragend. Somit kann man Angaben zu Satellitenaufnahmen durchaus selbst unabhängig überprüfen. Und das Schönste ist, daß es dazu nicht einmal besonderen Aufwands bedarf. Alle verwendeten Programme und Datenbanken sind frei zugänglich!

(Und diese Ergebnisse geben vorherigen Betrachtung hier im Blog noch ein bisschen mehr Gewicht.)

[1] All die Zahlen-Buchstabenkürzel sind nicht weiter wichtig. Der Punkt ist, daß man eine im Raum gekrümmte Oberfläche wie wie Erdoberfläche nicht einfach auf eine flache Karte legen kann. Zum Übertragen der Erdoberfläche braucht es daher immer eine Abbildungsvorschrift, wie ein Punkt auf der Oberfläche in eine Karte übertragen wird, die "Kartenprojektion". Dazu gibt es viele Möglichkeiten, die standardisiert sind. Eine ist die "Universelle Transversale Mercatorprojektion", UMT. Diese Projektion gibt es für verschiedene Zonen der Erde optimiert, und diese Zonen werden durch eine Zahlen-Buchstaben-Kombination angegeben. Eine dieser Zonen ist eben "37N". Zusätzlich zur Projektion braucht es für die Karte noch ein Referenzkoordinatensystem, daß die Oberfläche der nicht perfekt kugelförmigen Erde annähert. Ein Standardreferenzsystem ist das "World Geodetic System 1984", WGS 1984. Daher kommt die kryptisch wirkende Angabe "WGS 1984 UTM 37N". Ist aber im Detail für den Text nicht wirklich wichtig…

Dienstag, 14. Oktober 2014

Donnerstag, 2. Oktober 2014

DWüdW WISSEN ¡!

Stolz präsentiert DWüdW heute seinen Lesern eine neue DWüdW-Rubrik:

DWüdW WISSEN ¡!

Der DWüdW-Infotainment-Kanal! Bei DWüdW WISSEN ¡! beantwortet DWüdW ab sofort spannende Wissensfragen aus allen Bereichen des Lebens in unterhaltsamen und leicht verdaulichen Wissenshäppchen, die Sie staunen lassen werden! Und das auch noch in einem revolutionären neuen Format: Der Klickstrecke! Und zwar der ersten Klickstrecke, die sich mit nur einem Klick vollständig öffnet und einfach vor sich hin gelesen werden kann! Der Klickfinger klickstreckenaffiner Leser wird sich für diese Onlinemedienrevolution bedanken!
Die erste Frage bei DWüdW WISSEN ¡! lautet heute:

Wie kommt eigentlich das Salz ins Meer?

1) Bis ins 16. Jahrhundert hinein waren die Ozeane der Welt praktisch salzfrei!
Es war der große portugiesische Seefahrer Vasco da Gama, der als erster bemerkte, wie viel besser auf langen Handels- und Eroberungsreisen gefangene Fische schmecken würden und wieviel weniger teures, Laderaum blockierendes Kochsalz man mit auf Reisen nehmen müsste, wenn die Ozeane salzig wären. So begann zunächst Portugal, später alle seefahrenden Nationen, die Ozeane zu salzen!

2) Zum salzen der Ozeane wurde das damals weit verbreitete "Meersalz" verwendet!
Hiervon zeugt die noch heute gebräuchliche Bezeichnung "Meer" für große, salzhaltige Wassermassen!

3) Ein Ende fand die Salzung der Meere erst im Zuge der Französischen Revolution!
Aufgrund der vielen, durch die Enthauptungen ihrer adligen Arbeitgeber vor dem finanziellen Ruin stehenden französischen Köche verfiel der Preis für aus Köchen gewonnenes Kochsalz - insbesondere gegenüber dem teuren, nur in Schickmicki-Feinkostläden erhältlichen Meersalz, welches weiterhin aus den sehr viel weniger ergiebigen Meerschweinchen und Meerkatzen gewonnen werden musste! Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Nachsalzung der Meere völlig zum erliegen und der Salzgehalt blieb bei ca. 1g/kg Meerwasser.

4) Werbeunterbrechung!
Sie müssen gar nicht entnervt weiterklicken - einfach weiterlesen!!

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5) Die Meere werden nicht immer salzig sein!
Jeder Speisefisch lagert im Schnitt 0,6 g Meersalz in seinem Organismus ein! Durch Fang und Verzehr der Fische wird dieses Salz dem Meer unwiederbringlich entzogen. Experten schätzen, daß die Ozeane im Jahre 2173 wieder vollkommen salzfrei sein werden!


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Samstag, 13. September 2014

Reinraumspiele

Nach all den drögen Posts hier wird es mal wieder Zeit für einen kleinen Themenwechsel. Ich mein', es ist ja nicht so, daß ich nicht wüßte, was die DWüdW-Leser wirklich wollen: Sex. Spontanen, hemmungslosen, leidenschaftlichen Sex! (Zwischen Menschen.) Und das ist ja auch kein Problem, schließlich gehört dieses Thema seit jeher zu den Kernkompetenzen und zu den Herzens- und anderweitigen Organangelegenheiten dieses Blogs. Und ein kleiner Blick zurück auf die heißen Tage dieses Sommers genügt, um die Leserinnen und Leser mitzunehmen in eine erotische Traumwelt jenseits aller Tabus, aller Konventionen und AfD-Deutschmutterphantasien.
(Hinweis: Der nachfolgende Text enthält sexuell explizites Andeutungsmaterial und ist für Minderjährige ohne Interneterfahrung nicht geeignet. [Aber die lesen das hier ja sowieso eher nicht. Hinweis: Hinweis vor dem Veröffentlichen entfernen!])

Es war an einem der besonders heißen Tage im Juli, einem Tag, an dem ich auswärts zu tun hatte. Mein Gastgeber wollte mir eine Freude bereiten, vielleicht auch sich selbst, und mir das Reinraumlabor seiner Arbeitsgruppe zeigen. Nach dem Mittagessen und dem Kaffee traten wir zusammen aus der flirrenden Hitze in das Summen der Klimaanlage, und die eben noch schweißverklebten Härchen an den Armen richteten sich im kalten Luftzug vor zartem Schauder auf. Wir traten in den kleinen Vorraum des Labors, der als Umkleideraum und zugleich Luftschleuse zum dahinter liegenden, fensterlosen optoelektronischen Labor diente. Wir zogen uns Plastikhäubchen über die Köpfe und Überzieher über die Schuhe und Schutzmasken vor den Mund. Dann nahmen wir zwei der für die Eintretenden bereitgehaltenen langen Labormäntel aus speziellem, flusenfreien Stoff von den Haken. Wir schlüpften in sie hinein um die uns erwartenden Geräte und Proben vor dem Schmutz und den Absonderungen unser menschlichen Körper und Kleidung zu bewahren. Mein Gastgeber wartete bereits an der Tür zu den Laborräumen, als ich noch einige persönliche Gegenstände in den weiten Taschen meines Mantels verstaute. Da stießen meine Fingerspitzen in der Tasche auf einen fremden, einen weichen Gegenstand. Mit neugieriger Unschuld zog ich ihn aus der Manteltasche hervor. Ich hielt ein kleines, dünnes, blassrosanes Stoffknäul in der Hand. Vorsichtig zupfte ich es auseinander. Ich entfaltete einen verspielten, am Rande dezent mit Spitze verzierten Damenschlüpfer.

Ein Blick in sein Gesicht ließ keinen Zweifel daran, daß mein Gastgeber über meinen Fund mindestens ebenso erstaunt war wie ich. Einige Sekunden starrten wir beide auf das Höschen in meiner Hand und hingen unseren Gedanken zu Ursprung und Implikationen meines unerwarteten Fundes nach. Dann nahm er den Slip an sich, ließ ihn wortlos in der Tasche seines eigenen Mantels verschwinden und wir traten ohne weitere Worte unsere Laborbesichtigung an.
Nur reißt bei einem jungen, unschuldigen Mann wie mir eine einmal von Damenunterwäsche angestoßene Gedankenkette nicht wieder so schnell ab. Von den technischen Ausführungen meines Gastgebers drang nicht viel zu mir durch. Stattdessen musterte ich die in ihren Mänteln und mit ihren Masken fast zur Unkenntlichkeit vermummten, im kalten Halogenlicht zwischen spiegelreinen Edelstahl- und Kunststoffoberflächen wirkenden Laborkräfte und versuchte mir vorzustellen, wie ein Damenhöschen in die Tasche eines Labormantels gelangt. Vielleicht war es am späten Abend, als das letzte im Labor verbliebene Paar die sich unter den unförmigen Mänteln aufstauenden Hormone nicht länger kontrollieren konnten? Ich mußte mir vorstellen, wie sie sich, eben noch über die Stereomikroskope gebeugt, auf einmal, nach einem kurzen, brennenden Blick die Kleider herunterrissen und übereinander herfielen wie die Tiere! Wie Schweiß und kaum unterdrückte Schreie anbrachen gegen die kalte Sterilität der Laborwände, zwischen denen diese Körper gefangen waren. Wie das Stoßen des Fleisches, das schiere, primitive Verlangen nach dem Körper, nach den Geschlechtsorganen des Nächsten die Ratio, das Streben von Wissenschaft und Technologie nach der Macht des menschlichen Verstandes über die Natur, in Sekunden hinwegfegte und ad absurdum führte. Ich mußte mir vorstellen, wie vor Kurzem genau hier für zwei Menschen plötzlich nichts mehr zählte - nicht die erzwungene Sauberkeit, nicht die unabdingbare Disziplin, nicht der hell erleuchtete Ort der Forschung -,  nichts als das Berühren von Haut, das sich Aneinanderpressen, das Ineinanderdringen ihrer Körper...
Ja, es war wirklich an einem heißen Tag im Juli.

Branchentypisch gab es nicht sehr viele weibliche Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe. Wenn man mal die kurz vor der Pensionierung stehende Sekretärin mit nicht unbedingt zu der Höschengröße passenden Figur ausschließt, blieben eigentlich nur zwei Frauen übrig. Bei meinem Abschied sah ich ihnen intensiv in die Augen, in der irrigen Hoffnung, irgendwo einen kurzen Funken erhaschen zu können, durch den sie sich verrät. Ich wünschte mir, sie würde mir aus meinen Augen lesen, was ich weiß. Und mich dadurch in ihren intimen Moment der Liebe mit einschließen. Das waren natürlich blödsinnige Gedanken.

Zwei Tage später schrieb mir mein Gastgeber eine email, in der er mir mitteilte, er wisse nun, wem das Höschen gehöre.
Seiner Tochter.
Er habe die Labormäntel zum Waschen mit zu sich nach hause genommen. Kurz vorher hätte seine Frau eine Ladung Familienwäsche gewaschen und dabei muß sie eine Unterhose seiner Tochter in der Trommel vergessen haben. Mit der nächsten Wäsche muß diese Unterhose dann irgendwie ihren Weg in die Tasche eines der Labormäntel gefunden haben.
Ich finde ja, diese Erklärung klingt irgendwie arg konstruiert. Lieber glaube ich auch weiter an das geheime, ungezähmte, wilde Leben der Optoingenieure...