Montag, 20. Mai 2013

Der Ekel ist irdisch

Seit Wochen geistert die Geschichte um den "Atacama-Humanoiden" durch die Welt - einer kleinen Mumie aus der chilenischen Atacamawüste, von der Ufologen behaupten, es handle sich um die Mumie eines Außerirdischen. Im deutschsprachigen Raum begann die Angelegenheit zunächst auf grenz-wissenschaft-aktuell, sie wanderte aber durch sämtliche Medien von Bild.de über SpOn bis zur Süddeutschen. Und alle zeigen sie Bilder der bizarren kleinen Mumie. Gestern gräbt dann endlich auch der Focus die Sache aus und macht mit einer langen Geschichte auf. Dabei weiß man laut der Medienberichte selbst bereits einiges über den kleinen Körper: Es handelt sich wohl um einen seit mindestens 30 bis 40 Jahren toten männlichen Fötus, der von einer aus Nordchile stammenden Frau in der 24. Schwangerschaftswoche verloren und im inzwischen aufgegebenen Ort La Noria in ein Tuch eingewickelt bestattet wurde.

Und da könnte man sich jetzt überlegen - wenn die Mumie tatsächlich 30 bis 40 Jahre als ist, dann ist es durchaus möglich, daß die Mutter dieses Fötus noch lebt. Und so viele männliche Fehlgeburten in der 24. Schwangerschaftswoche werden zu dieser Zeit nicht in einem kleinen abgelegenen Wüstenkaff bestattet worden sein. Das Kind könnte von der Mutter also durchaus wiedererkannt werden. Und wie wird sich eine Mutter wohl fühlen, wenn sie die von ihr beigesetzten sterblichen Überreste einer Fehlgeburt nach Jahrzehnten überall in der Welt (inklusive Chile) als angeblichen "Außerirdischen" vorgeführt, befummelt und begafft sieht?
Naja, ist wohl auch egal, schließlich ist das ja eine rein hypothetische Überlegung. Welche Zeitung, welcher Sender zeigt als nächstes Bilder der Mumie? Die haben zwar keinen nennenswerten Informationswert, sehen aber echt abgefahren aus!

Nachtrag (1.6.2013): Spiegel Online hat das Bild der Mumie, die kein Außerirdischer ist, noch einmal für die Rubrik "Wissenschaftsbilder des Monats" (!) aufgewärmt.

Kommentare:

  1. Naja, wenn man schon die real existierenden Ehepartner, Eltern, Kinder und nächsten Freunde von Unfallopfern hierzulande nicht in Ruhe lassen kann und es einem scheißegal ist, wie die mit sensationsgeilen Witwenschüttlern und den resultierenden menschenverachtenden Geschichten zurecht kommen, kann man doch auf die mutmaßlichen Interessen einer Frau aus einem Wüstenkaff keine Rücksicht nehmen, zumal wenn man erstens noch nicht einmal weiß, ob die überhaupt noch lebt (und die sich einen Rechtsstreit sowieso nicht leisten könnte), es zweitens um Ufos und Außerirdische und drittens um Auflage bzw. Reichweite geht. Also bitte!

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    1. Ich weiß ja... Selbst wenn sie wissen, was sie tun, ist es ihnen scheißegal... In diesem Fall haben sie aber vermutlich nicht einmal darüber nachgedacht, daß es wahrscheinlicher ist, etwas ausgesprochen Widerliches zu tun, als daß sie einen wirklichen Außerirdischen präsentieren...

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    2. Ja, davon kann man ausgehen. "Widerlich" ist ganz bestimmt keine Kategorie, in der so Leute denken.

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  2. Die Mutter ist doch ein Alien und bestimmt längst auf ihren Heimatplaneten zurückgekehrt. Habitabel scheint die Erde für ihre Spezies ja nicht zu sein.

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