Sonntag, 7. Oktober 2012

Das Wort zum Sonntag


Es spricht
Pater Dr. Thomas von Steinschneider SJ, HJ und JK, Großsülzen

Deus in omnibus rebus - Gott in allen Dingen suchen und finden. Dies ist der frohe Auftrag, den uns der Heilige Ignatius von Loyola hinterlassen hat. Und wahrlich, Gott ist in allen Dingen.
Gott ist in der Morgenröte, wenn das erste Licht des Tages seine rosenfarbenen Finger nach dem Firmament ausstreckt.
Gott ist im herrlichen Knacken und dem wundervollen Duft, wenn die goldene Kruste des frisch gebackenen Brots aufbricht, um den Hunger zu stillen.
Gott ist in der Kacke der verdammten Töle aus dem zweiten Stock, in die sich die reich profilierte Sohle des Schuhs vor der Haustüre immer wieder versenkt.
Und Gott ist auch in den nervigen Schreien der Nachbarin aus dem 4. OG links, die sich gerade jetzt wieder die halbe Nacht lang von ihrem neuen Stecher das Hirn rausvögeln läßt.
Da mag sich der Mensch fragen, warum tut er das? Also, Gott meine ich jetzt. Warum steckt Gott in allen Dingen, und nicht nur in der Nachbarin aus dem 4. OG links? Der Mensch findet keine Antwort, und wieder einmal muß er mit seinem beschränkten Verstande auf die unermeßlich größere Weisheit des Allmächtigen vertrauen. Doch sollten wir uns hier die Worte in Erinnerung rufen, die uns der heidnische Philosoph Platon überliefert hat. Als es der junge Sokrates, so berichtet es Platon, angewidert abgelehnt hat, über die Idee zu philosophieren, die allem Kot als Kot zugrunde liegt, da wies der ältere Parmenides auf dessen Alter. Sokrates sei noch zu jung. Wenn er älter würde, dann werde er nicht mehr so eingeschränkt sein seinem Nachsinnen über das Wesen der Dinge. Womöglich sind wir Menschen im Grunde alle noch zu jung? Doch eines Tages, wenn wir vor das Angesicht Gottes gerufen werden, dann werden wir in der Lage sein, Gottes wahres Wesen zu erkennen. Bis dahin wollen wir hoffnungsvoll Gott so annehmen, wie er sich den Menschen im Alltag immer und immer wieder aufs Neue offenbart: als Haufen von Scheiße.
Ich wünsche Ihnen einen friedvollen Sonntag.


Das war
Das Wort zum Sonntag

Es sprach
Pater Dr. Thomas von Steinschneider SJ, HJ und JK, Großsülzen


Und nun viel Spaß bei unserem Spielfilm!

Kommentare:

  1. Danke für diesen Lacher am Montag.

    Auch wenn Gott nicht in der Nachbarin aus dem 4.OG steckt (wir erinnern uns: eine ähnliche Situation hat ihm dereinst einen unehelichen Sprössling mit Tendenzen zum Wundern und SM-Fetisch eingebracht, dem heute noch Transvestiten in buntbestickten Roben in Rom huldigen), so ist Gott doch, wie wir von den Kreationisten wissen, für alles in dieser Welt verantwortlich: den Eurorettungsschirm, die Mehrwertsteuer, Steinbrücks Vortragsgehälter und die Erderwärmung. Speziell Letzteres wirkt sich ja, und da kommen wir wieder dem Fischerverein nahe, auf die männlichen Hormone aus und lässt wieder viele heilbare Homosexuelle entstehen.

    Deus in omnibus rebus - man verzeihe mir, aber meine Lateinkenntnisse liegen nahe Null: bedeutet das etwa nicht "Gott ist mal wieder nach dem Pfälzer Weinfest besoffen mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs"? Ich lasse mich natürlich durch die Vertreter der Kirche sehr gern aufklären. Nur eben nicht mit praktischen Beispielen.

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  2. Lieber Herr Pathologe. Ihre Ansätze sind schon richtig aber Sie unterliegen hier einem Irrglauben. Dank der wissenschaftlichen Untersuchungen der Kreatonisten ist doch längst klar, dass es überhaupt keine Erderwärmung gibt. Also nächstes mal bitte besser aufpassen :-)

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  3. Oh welche Freude zu erleben, wie die frommen Worte in die Herzen der Leser dringen und sich ihr Verstand dem rätselhaften wie wunderbaren Handeln Gottes zuwendet!

    Nur vor einem Falschen Freund des Übersetzers muß ich noch warnen: "Omnibus" bezeichnet mitnichten einen Bus - die Lateiner kannten ja noch gar keine Busse - sondern eine Straßenbahn. Was diese allerdings im hiesigen Kontext bedeuten soll, ist noch immer Gegenstand der theologischen Forschung.

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