Donnerstag, 23. Februar 2012

Europareise der Inkompetenz: 3 - Spanien


Typisches Installationsknäuel in einem
spanischen Treppenhaus.
Wenn ein europäisches Land geeignet ist, das Vorstellungsvermögen des Deutschen zu sprengen, dann wohl Spanien. Von einer Schlechtwetterperiode spricht man, wenn es zwei Stunden durchgehend regnet, nicht zwei Wochen (ausgenommen: Galizier), von einem schlechten Fußballtag spricht man, wenn Barça mit nur lächerlichen zwei Toren Abstand gegen Man United gewonnen hat (ausgenommen: Madrileños), und "ein bisschen Olivenöl in die Pfanne geben" meint nicht zwei Esslöffel, sondern zwei Wassergläser voll. Außerdem haben sie ein königliches Staatsoberhaupt, das über soviel Würde und Autorität verfügt, daß es durch eine Fernsehansprache einen Militärputsch beenden kann. Illegale Einwanderer werden regelmäßig legalisiert und Orangensaft stellt man nicht durch das Auspressen von Tetrapacks, sondern von Orangen her. Kein Wunder also, daß der Deutsche ein Land wie Spanien einfach nicht richtig mögen kann und dringend einen Beweis für die spanische Inkompetenz braucht. Doch keine Sorge, DWüdW weiß Rat! Denn wenn es etwas gibt, was der Spanier, wie alle Südländer, nicht kann, dann ist das ordentlich und systematisch arbeiten. Und nirgends zeigt sich dies so deutlich wie an den häuslichen Installationen, sei es Gas, Wasser oder Strom.
Kreative Elektroinstallation an der
spanischen Wohnzimmerdecke.
In einem wilden Durcheinander von toten, noch nicht ganz toten und stromführenden Wasserleitungen durchdringen sich die handwerklichen Bemühungen unzähliger Generationen zu einem Gordischen Knoten, dessen Durchschlagen vermutlich irgendwo drei Straßen weiter eine Kühltruhe außer Betrieb setzen würde. Im solideren Fall zusammengehalten von Paketklebeband, ansonsten von mit Spucke befeuchteten Hausstaub, müssten solche Installationen die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung eigentlich um mindestens zehn Jahre senken. Ganz klar, daß es sowas in Deutschland nicht geben würde!
Nur, auch wenn kein menschlicher Geist die Pfade, auf denen die Spannung ihren Weg vom Kraftwerk in die heimische Energiesparlampe findet, rekonstruieren kann - wenn man auf den Lichtschalter drückt, geht auch in Spanien das Licht immer an. Irgendwie scheint die Welt sich also auch ohne deutsche Ordnung weiter zu drehen und sogar der Lichtschalter zu funktionieren. Eine schmerzliche Erkenntnis. Und die Lebenserwartung ist in Spanien auch noch höher als in Deutschland. Verdammt, manchmal macht deutsch sein echt keinen Spaß...

Sonntag, 19. Februar 2012

Europareise der Inkompetenz: 2 - Niederlande

Für den Alpinisten zu flach, für den Badefreund zu kalt, haben die Niederlande ihren Besuchern nicht viel zu bieten. Und da besserer Käse ohnehin aus Frankreich und der Schweiz kommt, könnte Deutschland seinen Nachbarn links oben eigentlich problemlos ignorieren. Wären da nicht das Gras und das Gemüse. Da es auf unserer kleinen Europatour ausschließlich um Schlechtes, Verkommenes und Verderbliches an unseren Nachbarn gehen soll, reden wir hier nur vom Gemüse. Genauer gesagt, von dem, was der Niederländer für Tomaten hält. Abkömmlinge eines stolzen Andengewächses werden auf den Sandanschwemmungen des atlantischen Randmeers allein zum albernen Zweck angebaut, sich Wasser in Scheiben aufs Brot legen zu können. Tatsächlich hat die echten Tomaten verblüffend ähnlich sehende Biomasse holländischer Produktion mehr mit den Nasen ertrunkener Clowns gemein als mit pflanzlicher Nahrung. Weil sie billig sind, kauft der Deutsche sie dennoch in Massen. Doch mit einem echten Gemüse würde er sie darum noch lange nicht verwechseln, ganz im Gegensatz zum Niederländer, der seine komplett geruchs- und geschmacksneutralen Paradiesapfelparodien tatsächlich für eine echte Frucht hält. Den besten Beweis für diese groteske Einschätzung habe ich einmal in einem Supermarkt in Leiden gefunden. In dessen Gemüseabteilung gab es zwei Kisten mit Tomaten. An der einen stand neben dem Preis auf dem Schild "Tomaten". An der anderen Kiste stand "Tomaten mit Geschmack". Ich bedauere es noch heute, keinen Fotobeweis davon zu haben. Auf diese Schilder aufmerksam gemacht hatte mich übrigens eine italienische Kollegin, und wir amüsierten uns noch lange über diese Warnung der Niederländer vor dem Geschmack der Tomate. Nicht, daß sich ein Kunde erschreckt und die Tomate ausspuckt, weil sie irgendwie komisch schmeckt! In Deutschland, soviel ist klar, würde es so etwas auf jeden Fall nicht geben!
Genau genommen alberten wir noch so lange über die holländische Ahnungslosigkeit, bis meine italienische Begleitung meinte, sie sei gespannt wie lange es noch dauere, bis auch die ersten Zucchini mit Geschmack in den Niederlanden eingeführt würden. Da war ich bass erstaunt. Es gibt Zucchini mit Geschmack?

Freitag, 17. Februar 2012

Papstferner als Atheisten

Wenn ich hier schon so lange nichts mehr in der Rubrik "Atheismus" geschrieben habe, dann deshalb, weil ich Diskussionen zu diesem Thema eigentlich schon aufgegeben hatte. Denn Atheisten fallen in genau zwei Gruppen. Mit den einen verstehe ich mich ganz schnell und es besteht gar kein Diskussionsbedarf. Mit den anderen kann ich einfach nicht reden, eine Diskussion mit ihnen ist für mich am Ende nicht weniger frustrierend als eine mit religiösen Eiferern (Um Mißverständnissen vorzubeugen, ich stehe atheistischen Positionen sehr nahe. Eigentlich ist es nur die zweite der genannten Gruppen, die mich vom klaren Bekenntnis, Atheist zu sein, abhält). Einen letzten Diskussionsversuch hatte ich noch mal gestartet, nachdem Muriel von der überschaubaren Relevanz dankenswerterweise trotz persönlicher Ablehnung meiner Positionen einem Gastbeitrag Raum gegeben hat. In diesem Fall war die Diskussion, bevor sie dann wie immer niedergetrollt wurde, eigentlich ganz interessant. Jetzt möchte ich hier noch ein abschließendes Fazit aus meinen Diskussionsbemühungen ziehen. Denn wenn ich mich schon nicht unterhalten kann, dann möchte ich doch wenigstens verstehen, weshalb nicht.

Der Unterschied zwischen den Atheisten der ersten und der zweiten genannten Gruppe scheint mir nicht durch Einteilungen wie die in starken und schwachen Atheismus bedingt zu sein. Sondern er liegt darin, daß die zweite Gruppe sich nicht damit zufriedengeben kann, nur der Meinung zu sein, Religionen seinen Unsinn. Sie will unbedingt wissen, daß sie es tatsächlich, unbestreitbar und objektiv sind. In diesem Drang nach einer Gewissheit kann man schon die erste Parallele in den Denkmustern der Gläubigen und der Atheisten der zweiten Gruppe erkennen. Um nun Gewissheit über die grundsätzliche Unsinnigkeit von Religionen zu haben, benötigen die Atheisten der zweiten Gruppe ein grundsätzliches Kriterium, nach dem Religionen von anderen, von der zweiten Gruppe für sinnvoll gehaltenen Weltanschauungen oder -Interpretationen unterschieden sind. Man braucht ein Abgrenzungskriterium für Religionen. Gewissermaßen hat man das alte Abgrenzungsproblem der Wissenschaften von der anderen Seite her. Daher habe ich die Atheisten der zweiten Gruppe bisher auch ausnahmslos als ausgesprochen eifrige Verfechter der Naturwissenschaften als bessere Alternative zur Religion erlebt. Denn mit dem Abgrenzen der Religionen (weltliche, ideologische Entsprechungen seien hier mit eingeschlossen) bleibt die Naturwissenschaft auf der anderen, "sinnvollen" Seite der weltanschaulichen Denkweisen.
Den Unterschied zwischen Religionen und den Wissenschaften nun meinen die Atheisten der zweiten Gruppe in der Behauptung, Wissenschaften seien im Gegensatz zu Religionen frei von unüberprüfbaren Annahmen, ausgemacht zu haben. Stellt man diese Annahme infrage und behauptet, auch Naturwissenschaften enthielten notwendig nicht überprüfbare Grundannahmen, dann reagieren die Atheisten der ersten Gruppe irgendwo zwischen "Ja, klar" und "Na und?". Für die Atheisten der zweiten Gruppe dagegen stellt diese Behauptung eine echte und ernsthafte Provokation dar (Beispiele findet der Interessierte, wie für alles in diesem Text, im erwähnten Gastbeitrag und der zugehörigen Diskussion).
Versucht man nun, die provokative Behauptung mit einem Beispiel zu untermauern, so stößt man auf erhebliche Schwierigkeiten, sich verständlich zu machen. Das ist prinzipiell wohl auch nicht verwunderlich, denn aus irgendeinem Grund leuchtet einem eine Argumentation, deren Schlußfolgerung einem sympathisch ist, viel leichter ein, als eine, deren Schlußfolgerung man verabscheut. Im letzteren Fall braucht es einen gewissen, nicht leicht aufzubringenden Willen, sich in die Denkweise der unbeliebten Argumentation einzufinden. Was man dann aber bei den Atheisten der zweiten Gruppe beobachtet, ist das schnelle Erschöpfen dieses Willens, und irgendwann (vielleicht ermutigt durch eine Gruppe, die dies akzeptiert) bemerkt man erstaunliche Anstrengungen, um den anderen gar nicht mehr verstehen zu müssen. Am Ende wird nicht mehr darauf reagiert, was der andere gesagt hat, sondern nur noch darauf, was man möchte, daß der andere gesagt hat.
Nun ist es eine Sache, meinen Text so abzubügeln. Leider zeigen sich Anzeichen solcher Ignoranz aber nicht nur am Umgang mit dem von mir in der Diskussion gegebenen Beispiel. Die Frage nach einer Abgrenzung der Naturwissenschaften von Unsinnigem wie Religionen ist eine im zwanzigsten Jahrhundert ausgiebig und fachlich gründlich geführte Diskussion. Manche meiner Argumente hätten altbekannte Gegenargumente provozieren können. Das völlige Ausbleiben dieser Standardgegenargumente scheint zu bestätigen, daß Atheisten der zweiten Gruppe sich ihrer Ansicht von der ausnahmslosen Überprüfbarkeit naturwissenschaftlicher Annahmen so sicher sind - oder so sicher sein wollen -, daß sie es von sich aus nicht für nötig befinden, sie einer lange existierenden und entwickelten Kritik zu stellen. Wer sich nun auch bei dieser Grundeinstellung des Ignorierens und Nicht-verstehen-wollens an die Diskussionsweise von religiösen Eiferern erinnert fühlt, der wird vom folgenden Zitat aus der Diskussion beeindruckt sein. Zu meiner Position, in den Naturwissenschaften gäbe es nicht überprüfbare Annahmen, schrieb ein Diskussionsteilnehmer:
"Ich verwahre mich vehement gegen die These, meine Position sei nahe an der von Thomas. Ich könnte nicht mit Sicherheit sagen, ob die epistemologische Position des Papstes unter Umständen näher an meiner wäre als seine."
Zwar denke ich, dies ist nicht so ganz wörtlich gemeint gewesen. Dennoch zeigt dieser entnervte Ausdruck in einer von mir nicht für möglich gehaltenen und gewiss auch nicht so verstandenen Ehrlichkeit, wo sich Atheisten der zweiten Gruppe eher sehen, als in der geistigen Nähe von Menschen, die die restlose Überprüfbarkeit naturwissenschaftlicher Gedankengebäude infrage stellen.
Was der reichlich unbeholfene Satz, der Atheismus sei auch nur eine Form der Religion, sagen will, ist womöglich nur, die entscheidende Grenze verlaufe gar nicht zwischen Anhängern und Gegnern von Religionen. Sondern sie sei eher da zu suchen, wo es um die Bereitschaft geht, die eigene Weltsicht, was immer sie sei, für sich selbst einer kritischen Überprüfung zu stellen. Und deshalb bezeichne ich mich auch nicht gerne als Atheisten. Ich will einfach nicht mit den falschen Leuten in eine Schublade geworfen werden.

Nachtrag: Zu diesem Thema gibt es noch eine Antwort von Muriel. Gewissermaßen die Antwort auf die Analyse der Diskussion zum Gastbeitrag aufgrund der Diskussion zu einem Beitrag. Nur für den Fall, daß es tatsächlich irgendwo noch jemanden gibt, den das Thema interessiert...

Mittwoch, 15. Februar 2012

Europareise der Inkompetenz: 1 - Großbritannien

Der Deutsche an sich findet die Dinge ja gerne schlecht. Gut, diese Eigenschaft mag er mit den meisten seiner europäischen Nachbarn teilen. Aber seines Nachbarn Kritik richtet sich oft genug gegen diesen selbst, der Deutsche dagegen findet bevorzugt Nicht-deutsches schlecht. Nun finde ich, Die Wahrheit über die Wahrheit sollte diesem sympathischen deutschen Hobby ruhig etwas mehr Platz einräumen. Doch über genetisch verkommene, integrationsunwillige Kopftuchmädchen herziehen, das ist DWüdW doch zu wohlfeil. Sollen sich Typen wie Sarrazin an Migranten abarbeiten, um sich toll zu fühlen - DWüdW braucht da richtige Gegner! Und so gehen wir ab jetzt in loser Folge auf eine Europareise der Inkompetenz, um schonungs-, gnaden- und sinnlos das größte Versagen, die schreiendste Inkompetenz und die idiotischsten Einrichtungen unserer EU-Zwangsfreunde ans Licht zu zerren! Ich bin sicher, mit jeder Station werden wir uns besser fühlen. Unser erstes Ziel heißt:

Großbritannien
Reisen ins Vereinigte Königreich gehören für mich eigentlich zu den eher angenehmen Ereignissen. Zwar kenne ich nicht viel von den Inseln, doch was ich kenne, gefällt mir. Selbst die Einwohner sind tendenziell sympathisch (eine Einschätzung, die bei mir schon einiges heißt!), und nach dem dritten Bier konnten sie mich auch beinahe schon von den Vorzügen einer Monarchie überzeugen (und seitdem ein gewisser Christian W. deutsches Staatsoberhaupt ist, verstehe ich noch besser, was die Briten meinten). Doch bei jedem Besuch steht man unausweichlich auch vor ihnen, den materialisierten Zeugnissen kompletter britischer Unfähigkeit: den Wasserhähnen.


Egal ob im Hotel, Büro oder Privatwohnung, immer steht man vor diesen zwei viel zu kleinen Hähnen, die einen vor die alleinige Wahl stellen, seine Fingerspitzen zum Waschen unter 5 Grad kaltes oder 65 Grad heißes Wasser zu halten. Das im kontinentalen Europa verbreitete Konzept, eiskaltes und kochend heißes Wasser vor dem Kontakt mit der Haut auf angenehme Temperaturen zu mischen, scheint auf den britischen Inseln komplett unbekannt. Man genießt also Zähneputzen und Geschirr abwaschen zwischen Abfrieren und Verbrühen, dabei ist die Mischbatterie wohl nicht einmal französischen Ursprungs, was ihre Ablehnung durch die Briten ja erklären könnte. Wie dem auch sei, in Deutschland würde es sowas auf jeden Fall nicht geben! Doch spricht man Briten auf diese idiotische Einrichtung an, dann stimmen sie keine engagierten Verteidigungen wie bei ihrer Königin an. Auch nach dem dritten Bier entfährt ihnen nicht mehr als ein "Das mag ja nicht so praktisch sein. Aber sie machen die Hähne hier eben nun mal so." Und wer seine sanitärinstallatorische Inkompetenz mit solcher Demut akzeptiert, der wird dadurch fast noch sympathischer.

Samstag, 11. Februar 2012

Planet der Nichtigkeiten

Die Wissen-Redaktion von Zeit-Online ist heute zu einer wirklich bahnbrechenden neuen Erkenntnis gelangt! Sie hat tatsächlich erkannt, daß der Rummel und die immer neuen Superlative bei der Suche nach Planeten um andere Sterne eigentlich nur dazu dienen, Forschungsgelder zu sichern. Und daß dies dem Ansehen des Forschungsgebiets in der Öffentlichkeit auf Dauer nur schadet. Das haben sie bei der Zeit wirklich durchschaut! Welche Enthüllung kommt wohl als Nächstes? "Der Papst ist katholisch"? Bevor die Wissen-Redaktion jetzt darauf wartet, mit Preisen für investigativen Enthüllungsjournalismus totgeworfen zu werden, sollte man sie doch auf noch ein paar weitere schockierende Zusammenhänge hinweisen:
Die in den letzten Jahren immer mehr und immer öffentlichkeitswirksam inszenierten Aktivitäten zur Abwehr von hypothetischen Asteroiden, die auf der Erde einzuschlagen drohen - die kommen gar nicht daher, daß in den letzten 50 Millionen Jahren die Gefahr durch Asteroiden so sehr gewachsen wäre. Echt nicht! Genauso wenig liegen die Berichte über immer wieder knapp an der Erde vorbeifliegende Asteroiden daran, daß immer mehr Asteroiden an der Erde vorbei fliegen würden, oder immer knapper. Das gibt es alles nur, um das Thema in die Medien zu juxen und so Forschungsgelder besser in die Asteroidenforschung lenken zu können. Und auch die Zeit macht mit.
Und was ist mit all den Berichten über doch noch irgendwo auf dem Mars fließendem Wasser? Über Seen unter der Oberfläche von Jupitermonden als mögliche Orte von Leben? All dieses Hochputschen von Orten mit eventuell nicht ganz auszuschließenden Möglichkeiten auf außerirdisches Leben dient dazu, das jeweilige Forschungsfeld attraktiver für finanzielle Förderungen zu machen. Manchmal geht es soweit, daß Wissenschaftler (oder zumindest die Institution, für die sie arbeiten) in ihrer Pressemitteilung etwas von "Nährstoffen" für potentielles Leben fantasieren, was in der eigentlichen Forschungsarbeit (völlig zu Recht) überhaupt nicht, nicht einmal am Rande, auftaucht. Und die Medien übernehmen solchen Schmu nur zu gerne und unkritisch. Auch die Zeit spielt bei diesem Spiel mit.
Und letztlich ist dieses Verhalten von Wissenschaftlern und ihren Institutionen nur zu verständlich. Denn zum einen benötigen sie eine gewisse Medienpräsenz. Ansonsten fragt ein Staatssekretär während der Schnittchen zum Jubiläum eines Forschungsinstituts, warum man von ihnen eigentlich nicht so tolle Sachen in der Zeitung lesen würde, wie von diesem anderen Institut, dings, da (basierend auf einer wahren Begebenheit). Und zum anderen ist es leicht zu sehen, wo die programmatischen Schwerpunkte bei der Erforschung der Planeten liegen. Nachlesen kann man es etwa bei der Cosmic Vision der europäischen Weltraumagentur ESA. Für die ESA lauten die zentralen Fragen:
"What are the conditions for life and planetary formation? This theme looks at the emergence of life not only in our Solar System but also in 'exoplanets' orbiting other stars."
"How does the Solar System work? This will be a global attempt to understand the [...] role of small bodies and asteroids in the process of planetary formation."
Oder im Discovery-Programm der NASA, dort lauten die Fragen erstaunlich ähnlich:
"- What are the characteristics of the solar system that lead to habitable environments?
- How and where could life begin and evolve in the solar system?
- What are characteristics of small bodies and planetary environments that pose hazards and/or provide resources?"
Dies sind die Forschungsbereiche, in denen das offizielle Interesse und damit auch die Forschungsgelder in der Planetenforschung liegen. Also versuchen die Forscher zwar immer noch so gut es halt geht das zu erforschen, was sie selbst für spannend halten (und letztlich sollte es auch den Forschern überlassen sein, zu entscheiden, was sie für erforschenswert halten). Nach außen hin aber bürsten Forscher alles, was sie tun, auf Biegen und Brechen auf diese Ziele hin, auf Leben, Bewohnbarkeit, oder eben Gefahren durch Asteroiden. Was sollen sie auch sonst tun, wenn sie nicht gerade zur Doktor-Best-Forschung wechseln wollen?
Man darf annehmen, daß es in anderen Wissenschaften ganz ähnlich aussieht wie in der Planetenforschung. Und die Medien spielen bei diesem häßlichen Spiel um Aufmerksamkeit und hochgeputschte Scheinforschungsergebnisse gerne und unkritisch mit. Oft genug auch die Zeit. Schön, das diese zu erahnen beginnt, worum es geht. Jetzt muß sie nur noch den Schritt tun, ihre eigene Rolle im Spiel zu verstehen. Und danach muß die Zeit-Wissen-Redaktion noch ein bisschen mehr aufbieten, will sie selbst mit originellen neuen Erkenntnissen zum Forschungsprozess aufwarten.

Der Präzisionsschock

Mit der aktuellen Rechnung ist unser Telefonanbieter dazu übergegangen, fällige Beträge auf ganze vier Nachkommastellen genau aufzulisten. Für diese Genauigkeit und Transparenz bin ich natürlich dankbar. Dankbar wäre ich aber auch gewesen, wäre man auf irgendeine Weise auf diese Umstellung vorbereitet worden. Dann wäre einem beim üblichen flüchtigen Blick auf die Telefonrechnung ein beachtlicher Adrenalinstoß erspart geblieben!


Donnerstag, 9. Februar 2012

Hegel-Preis für die Mißachtung der Logik - Die Preisverleihung!

Endlich, endlich ist es soweit - der Hegel-Preis für die Mißachtung der Logik 2011 wurde verliehen! Wieder einmal haben die DWüdW-Leser unter vier Nominierungen abgestimmt und dabei einen neuen Rekord von 187 abgegebenen Stimmen aufgestellt! Und hier ist es, das offizielle amtliche Endergebnis:

Platz 4: Mit 17% der abgegebenen Stimmen etwas abgeschlagen auf Platz 4 von 4: Eva Ziessler! Nicht nur kann Frau Ziessler mit ihren freiheitlichen Ideen zum Umgang mit Waffen in der Öffentlichkeit nicht überzeugen. Auch im nicht-Überzeugen beim Hegel-Preis ist sie nicht überzeugend. Da kann sie einem fast schon Leid tun. Aber doch eben nur fast. Das Hegel-Preiskomitee gratuliert trotzdem ganz herzlich!

Platz 3: Die ersten drei Plätze folgen nun dicht aufeinander. Auf 25% bringt es Peter Royer! Mit seinem wunderbaren Gottesbeweis durch die Frage konnten die zum ersten Mal bei Hegel-Preis antretenden Evangelikalen ein durchaus beachtliches Ergebnis erzielen. Die kritische Leserschaft konnte Herr Royer am Ende dann zwar doch nicht ganz überzeugen. Doch wenn sich durch seine Nominierung auch nur der ein oder andere Leser gefragt hat, ob es Madagaskar-Großfußmäuse wirklich gibt - dann hat das Preiskomitee, der Logik des Herrn Royer sei dank - allein Kraft seiner Worte eine Spezies erschaffen! Und damit hat DWüdW ab heute am göttlichen Teil. Nicht schlecht, auch wenn der Preiskomiteevorsitzende den Normalsterblichen versichern kann, daß Göttlichkeit sich dann doch weniger spektakulär anfühlt, als man zunächst vielleicht vermuten würde.

Platz 2: Mit 28% auf Platz 2 und knapp am Sieg vorbei bringt es Bischof Gerhard Müller! Und damit beweist das Gewinnerteam aus dem Vorjahr, daß mit der römisch-katholischen Kirche in Sachen Logikschändung immer wieder gerechnet werden muß! Wir dürfen schon jetzt gespannt sein, mit welchen neuen Einsichten die Papisten im Jahre 2012 nach der höchsten Auszeichung im Mißachten der Logik greifen werden!

Platz 1: Und hier ist der Hegel-Preisträger 2011! Applaus! Mit 29% der abgegebenen Stimmen knapp aber verdient gewonnen hat Herr Arnulf Baring! Wieder einmal geht der Hegel-Preis für die Mißachtung der Logik an eine herausragende Persönlichkeit, der keine Argumentation zu absurd, keine Verdrehung der Tatsachen zu peinlich ist, wenn nur die eigene groteske Weltsicht untermauert werden kann! Herzlichen Glückwunsch vom Preiskomitee des Hegel-Preises und der ganzen DWüdW-Redaktion!

Offizielle Feierlichkeiten zur Verleihung des Hegel-
Preises 2011 (Symbolbild. Tatsächliche Ereignisse
können von der Darstellung abweichen).
Die Preisverleihung fand bereits im offiziellen und festlichen Rahmen statt, und es gelang dem Preiskomitee, die offizielle Feierstunde noch ein wenig festlicher und die inoffizielle Feier noch ein wenig exzessiver ausfallen zu lassen als im Vorjahr. Die Laudatio auf den Preisträger hielt der DWüdW-Cheflaudator, der im Loben unübertroffene Thomas S.! Selbstverständlich ist seine Rede für die allgemeine Öffentlichkeit hier dokumentiert.


Inoffizielle Feier zur Verleihung des Hegel-Preises 2011 (Symbolbild.
Tatsächliche Ereignisse können von der Darstellung abweichen)
.
Und damit ist auch der Hegel-Preis für die Mißachtung der Logik 2011 schon wieder Geschichte. Das Preiskomitee tritt in seine verdiente Ruhepause, bis es Ende des Jahres wieder gilt, den nächsten würdigen Preisträger zu finden!

Laudatio auf Herrn Arnulf Baring

Anläßlich der Verleihung des Hegel-Preises für die Mißachtung der Logik 2011

von Thomas Steinschneider

Meine Damen, meine Herren, liebe Freunde,

wenn wir heute hier zusammenkommen, um eine herausragende Persönlichkeit unserer Gesellschaft zu ehren, so tun wir dies in bewegten Zeiten. Gerade eben mußte sich der politisch interessierte Bürger noch empören über die provinzielle Mitnahmementalität eines provinziellen Politikers, den eine Kanzlerin des geringsten Widerstandes in das Höchste Amt des Staates gehoben hatte. Letztes Jahr mußte er sich empören über einen selbstherrlichen Adelssproß, der schamlos eine wissenschaftliche Arbeit zusammengeklaut hatte und noch nicht mal Einsicht zeigte, als auch der letzte Analphabet den Betrug vor Augen haben konnte - sofern er denn wollte. Wie ungelegen kam dazwischen nun die Erkenntnis, daß eine Nazimörderbande mehr als ein Jahrzehnt lang ungestört durch Deutschland ziehen konnte, um nichtarische Mitbürger zu erschießen oder in die Luft zu sprengen! Muß sich der politisch interessierte deutsche Bürger auch hier noch empören, offene Briefe an die Kanzlerin unterzeichnen, nach Rücktritten schreien? Immerhin ging es ja nicht um die Würde eines Amtes oder den Respekt vor den Wissenschaften. Sondern nur um, nun ja - um ein paar türkische Gemüsehändler. Wie gut, daß zu dieser Gelegenheit ein besonderer Geist zur Stelle war, um dem deutschen Bürger zu erklären, warum keinerlei Grund zur Sorge besteht. Hierzu brauchte es einen Charakter von besonderer Stärke, einen Verstand von besonderer Schärfe. Es brauchte jemanden, der seine Überzeugungen nicht billig an die nächstbeste Interessengruppe verhökert. Sondern teuer. Und diese Persönlichkeit von Rang und Integrität, wie sie uns allen zum Vorbild dienen kann, ehren wir hier. Wir ehren Herrn Arnulf Baring.
Lassen sie mich zunächst noch einmal die preisgekrönte Aussage des Herrn Baring zitieren:
"Aber das ist doch keine große Katastrophe. Das ganze Gerede davon, es gäbe sozusagen eine ernsthafte rechtsradikale Bedrohung... Ich frage Sie: waren die Nazis rechts? Das halte ich für einen Grundirrtum, übrigens auch von Ihnen. Die Nazis waren nicht rechts, die Nazis waren eine Linkspartei!"
Man sieht sofort die drei Prämissen, die hier aufgestellt worden sind:
- Die Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds haben rechtsextreme Verbrechen begangen.
- Die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds sind schlecht.
- Alles, was schlecht ist, ist links.
Der gewöhnlich Amateurlogiker würde nun sofort sehen, daß hier ein Widerspruch folgt, nämlich daß rechtsextreme Verbrechen links sind, und daher mindestens eine der drei Prämissen verwerfen. Nicht so aber ein Denker vom Formate des diesjährigen Hegel-Preisträgers für die Mißachtung der Logik. Welche der drei Prämissen sollte er auch verwerfen? Die erste Prämisse ist allzu offensichtlich erfüllt, handelt es sich doch klar um Straftaten, die in Anknüpfung an den Nationalsozialismus Menschen andere ethnischer Herkunft als minderwertig behandeln. Und so moralisch verrottet - oder so mutig - um die zweite Prämisse in Zweifel zu ziehen, ist nicht einmal ein Herr Baring. Und die dritte Prämisse? Sie ist der einzig unzweifelhafte Kern eines Weltbilds von Baring'schem Zuschnitt. Doch ein Hegel-Preisträger findet einen Ausweg aus diesem Konflikt. Alles, was es dazu braucht, ist eine vierte Prämisse: Die Nazis waren eine Linkspartei! Denn dann ist der Nationalsozialistische Untergrund eine linke Organisation, und seine Mitglieder sind folglich Linksextremisten. So haben wir es zwar mit rechtsextremen Verbrechen zu tun, begangen aber von Linksextremisten. Und so stehen wir in der Tat nicht vor einer rechtsradikalen Bedrohung, nein, wir werden bedroht durch Linksextremisten! Und bekämpfen wir den Linksextremismus, dann bekämpfen wir auch rechtsextreme Verbrechen.
Der gewöhnliche Denker wäre hier beinahe einem Fehlschluß aufgesessen. Und wir verdanken es dem Genie eines Arnulf Baring, daß wir einem schweren Irrtum entgangen sind und die wahre Bedrohung erkannt haben. Und diese Großtat ist wahrlich preiswürdig. Danken wir also Herrn Baring für seine scharfe Analyse. Und feiern wir nun uns, ihn und mit ihm heute hier eine der großen Stunden der deutschen Demokratie!

Ach ja, das Buffet ist damit natürlich jetzt eröffnet.

Freitag, 3. Februar 2012

Paradigmenwechsel der Ökotrophologie

Sind einmal Babys eingetroffen, ändert sich viel für die neue Mama und den neuen Papa - nicht zuletzt auch ihre Ernährungsbedürfnisse. Um den jungen Eltern, gerade auch von Zwillingen, die Umstellung auf richtige Ernährung zur Versorgung ihrer Babys so leicht wie möglich zu machen, bietet DWüdW hier den Überblick über die drei wichtigsten Cerealien, die jetzt auf keinen Fall im Haushalt fehlen dürfen. Vertrauen Sie also auf den Rat von Experten in dieser ständig aktualisierten Liste!

Aspirin
Am besten zubereitet als: Weiße Pillen
Essenzieller Nährstoff: Acetylsalicylsäure
Enthält außerdem: Modifizierte Maisstärke
Hinweise: Dämpft Kopfschmerz, Gliederschmerz, in Kombination mit Zigaretten und Kaffee auch Weltschmerz.
Empfohlene Tagesdosis: Zwei Pillen alle vier Stunden.



Kaffee
Am besten zubereitet als: Möglichst stark, möglichst kräftig gezuckert
Essenzieller Nährstoff: Koffein
Enthält außerdem: Wenn gezuckert, Zucker
Hinweise: Ermöglicht es, sich zu bewegen.
Empfohlene Tagesdosis: Zwei Tassen alle zwei Stunden.


Zigaretten
Am besten zubereitet als: Kleine, an einem Ende brennbare Stäbchen
Essenzieller Nährstoff: Nikotin
Enthält außerdem: Wen interessiert's?
Hinweise: Dämpft das Hungergefühl, beruhigt die Nerven.
Empfohlene Tagesdosis: Eine pro Stunde
(Dosis bei Bedarf erhöhen).




In eigener Sache:
Die Verleihung des Hegel-Preises für die Mißachtung der Logik 2011 steht natürlich noch aus. Umständehalber ist die Preisverleihungszeremonie vom Preiskomitee aufgeschoben worden. Das Komitee bittet um Verständnis.