Montag, 12. März 2012

Vater, Sohn und heiliges Higgs

Das Problem, wenn man komplizierte Dinge auf übereinfache aber einprägsame Parolen und Begriffe reduziert, ist: irgendwann kommt der Moment, ab dem der Erste diese simple Parole wirklich ernst nimmt.  Mit dem Higgs-Boson ist so was heute passiert. Da haben die Medien das lächerliche Wort "Gottesteilchen" für das noch immer nicht nachgewiesene Elementarteilchen namens "Higgs-Boson" erfunden, und es klingt ja auch so schön dramatisch. Und heute liest man dann bei Welt der Wunder :
"Ist Gott ein subatomares Teilchen? Zumindest unter Physikern ist diese Theorie gängig"
"Könnte Gott ein subatomares Teilchen sein? Mit Hilfe von gewaltigen Teilchenbeschleunigern wollen Physiker dieses letzte Rätsel des Universums lösen."
Und mal ganz abgesehen davon, daß jeder, der schon mal einen Text von Franz Josef Wagner oder Henryk Broder gelesen hat, weiß, daß es wahrlich noch mehr letzte Rätsel im Universum gibt:
Mehr absurden Unsinn hat man selten in so wenige Worte verpacken können!

Nachtrag (13.3.):
Vielleicht habe ich den Medien auch ein wenig Unrecht getan. Wenn man ein wenig herumsucht, wo der Begriff "Gottesteilchen" eigentlich her kommt, dann stößt man auf das populärwissenschaftliche Buch The God Particle des Physikers Leon Lederman von 1994. Offenbar wurde der Begriff doch von einem Wissenschaftler (mit) erfunden! Naja, jetzt sehen sie, was sie davon haben. Achzehn Jahre später heißt es, Physiker hielten ein subatomares Teilchen für Gott...

Kommentare:

  1. Dazu passt dieser Dilbert-Comic:
    http://www.dilbert.com/2012-02-21/

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  2. Auf den Ausdruck "Gottesspermium" © ® ist aber noch niemand gekommen?

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    1. Schade, dass die Verwertungsrechte an diesem Begriff wohl schon gesichert sind!

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  3. Ich fand die erste Einschätzung schon ganz gut. Zwar kommt der Begriff "God Particle" von einem Wissenschaftler, allerdings wollte dieser damit nur den Umstand ausdrücken das dieses Partikel unter anderem helfen würde die Frage nach dem Ursprung des Uniersums und dem Wesen der Materie zu erklären.
    Die Medien übertreiben es jetzt einfach ein wenig.

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    1. Sie übertreiben es sogar gewaltig, keine Frage! Aber wenn man einmal eine schöne, interessant klingende Behauptung in die Welt gesetzt hat, dann springen irgendwann genug darauf an. Und jetzt wird man die blöde Behauptung, Physiker würden vom "Gottesteilchen" sprechen, genauso wenig wieder loswerden, wie die Behauptung, am CERN würde der Urknall simuliert, die Teflonpfanne käme aus der Raumfahrt, oder Hummeln könnten eigentlich gar nicht fliegen. Klingt halt alles so schön...

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