Mittwoch, 7. März 2012

Tage, an denen die Welt nicht untergeht

Hab' ich mich eigentlich schon mal über diese alberne Berichterstattung über Asteroidenvorbeiflüge an der Erde beschwert? Ich glaube schon, aber heute mache ich es noch mal. Denn nächste Woche ist mal wieder einer dieser Tage, an denen die Welt nicht untergehen wird. Der Asteroid 2012 DA14 wird an einem Freitag im Jahr 2013 gaaanz knapp an der Erde vorbei fliegen, aber nicht einschlagen. Das läßt uns Spiegel Online schon heute, später dann bestimmt auch manch ein anderer, wissen. Und was uns SpOn noch wissen läßt, ist: "Kleinere Asteroiden kommen der Erde alle paar Jahre recht nahe." Oh ja, und was "alle paar Jahre" bedeutet, das kann man in der Spiegel-Berichterstattung selber sehen. In einem typischen Jahr gibt es zwei Artikel über knapp an der Erde nahe vorbei fliegende Asteroiden, z.B. am 4.11.2011 und am 28.6.2011 und am 12.10.2010 und am 13.1.2010 und am 2.3.2009 und am 13.7.2008 und am 29.1.2008 (kann fortgesetzt werden). Die etwa zwei Nahvorbeiflüge pro Jahr scheinen dabei in drei Kategorien zu fallen: "nur wenig außerhalb der Mondbahn", "innerhalb der Mondbahn" und "näher als Satelliten". Und wie oft solche Nahbegegnungen der Erde mit Asteroiden wirklich sind, das erkennt man leicht, wenn man die geringsten Abstände vorbeifliegender Asteroiden mal gegen die Zeit aufträgt (die Daten kommen von hier). Dabei kann man natürlich nur die bekannten Vorbeiflüge eintragen, nicht die Tatsächlichen. Und das sieht dann so aus:

Der Abstand der geostationären Umlaufbahn, auf der gerne Kommunikationssatelliten sitzen, und der mittlere Abstand des Mondes sind zum Vergleich als gestrichelte Linien dazu eingetragen. So vor ungefähr dem Jahr 2000 kannte man nur sehr wenige dichte Vorbeiflüge, und die waren immer noch relativ weit entfernt. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre wurden dann die großen Asteroidensuchprogramme, wie zum Beispiel LINEAR oder NEAT, aufgesetzt und nach und nach in Betrieb genommen. Und siehe da, plötzlich kennt man viel mehr und viel dichtere Asteroidenannäherungen! Seit 2004 weiß man schon von acht Vorbeiflügen innerhalb der geostationären Umlaufbahn, und damit "näher als Satelliten". Immerhin ganze 150 Asteroiden kamen der Erde bei ihren Vorbeiflügen bekanntermaßen noch näher als der Mond. Und wenn man mal annimmt, daß solche Nahbegegnungen nicht erst stattfinden, seitdem man nach ihnen sucht, dann kann man getrost davon ausgehen, daß die Erde seit Anbeginn der Menschheit (und viel länger) ständig, mehrmals im Jahr, gaaanz knapp von Asteroiden verfehlt wird. Offensichtlich heißt ein naher Vorbeiflug also gar nichts.
Bei so vielen traditionell harmlosen dichten Vorbeiflügen ist es aber sicherlich gut, wenn doch jedes Mal aufs Neue berichtet wird, gell? Schließlich wird auch jedes einzelne Jahr an Ostern vom päpstlichen Segen "Urbi et orbi" berichtet. Oder jedes einzelne verdammte Jahr in den Silvesterabendnachrichten darauf hingewiesen, daß in Australien das neue Jahr bereits begrüßt wurde. Da sind Asteroiden mit ihren unregelmäßigen Flugdaten geradezu aufregend! Und wenn keine Neuentdeckung dazwischen kommt, dann kann man sich bei SpOn ja auch schon mal die Termine für die nächsten Erde-knapp-verfehlt-Ereignisse vormerken: Schon am 19. Mai 2012 wird der nächste Asteroid "dichter als der Mond" vorbeifliegen ("Kollisionsgefahr besteht aber nicht!"). Ich freu mich schon drauf, davon zu lesen!

PS: Der rote Punkt im Diagramm zeigt übrigens den einzigen bisher vorhergesagten Einschlag eines Asteroiden auf der Erde, den von 2008 TC3 am 7. Oktober 2008, an. Das war allerdings nur ein kleiner Krümel, von dem einige Brocken in die sudanesische Wüste fielen.


Nachtrag: Es gab hier einige Verwirrung mit dem Datum des von SpOn erwähnten Asteroidenvorbeiflugs - der ist erst 2013. Ich habe das mal unauffällig korrigiert, in der Hoffung, daß es noch niemandem aufgefallen ist! ;)

Kommentare:

  1. Besten Dank für den interessanten Bericht. Aber der Asteroid schlägt wohl nicht erst 8684 im Sudan ein?

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    1. Bin ich also nicht allein. Firefox scheint ein Problem mit dem Cambria Font in Kursiv/Italic zu haben.
      Jedenfalls kam auch mir das angezeigte Jahr 8664 noch sehr zukünftig vor, wohin gehen der Quelltext die Zahl 2008 enthält.Statt 1234567890 zeit er in Italic 7890123456 an

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    2. Allerdings nur bei aktiviertem JS. Ich war eben auch deutlich verwirrt, weil der Quelltext so ganz anders aussah als das, was im FF angezeigt wird und weil Opera, Safari und IE korrekt "2008 TC3 am 7. Oktober 2008" anzeigen und nicht "8664 TC9 am 3. Oktober 8664" wie der FF.

      Oder geht jetzt doch die Welt unter und FF fängt an? Hat der Verfasser eine Idee?

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  2. Nein, er schlägt 8664 ein, zwanzig Jahre früher ;-).

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  3. Immerhin bleibt Spiegel Online bei den Fakten - auch wenn sie nicht sonderlich aufregend sind.
    Weit reisserischer macht unser Schweizer Revolverblatt Blick auf:
    "Rammt ein 60-Meter-Brocken bald die Erde? [...] Experten haben ausgerechnet, dass er uns am 15. Februar 2013 am nächsten kommen wird. Oder wird er den blauen Planeten sogar treffen?"
    Klar, vor irgendwas müssen wir uns ja fürchten...

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    1. Uns wird der Himmel auf den Kopf fallen!!!!

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  4. Wirklich spannend wird doch die Berichterstattung, wenn man den Begriff "Satellit" auch auf "Raumsonde" ausweitet, wie es sicher vom Durchschnitt der Bevölkerung verstanden wird.
    Wie viele Asteroiden befinden sich wohl regelmäßig im Umkreis des Abstandes Erde - Voyager1 (z.Z. ca. 18 Millarden Kilometer). Da ließe sich bestimmt ein Weltungergangsartikel draus schmieden, der uns allen das Fürchten lehrt!

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    1. Also für mich sind Satelliten nur die Dinger, die um etwas kreisen und nicht die anderen Dinger, die von etwas wegfliegen - bin ich wirklich so weit weg vom "Durchschnitt der Bevölkerung"? Gibt es Belege daür, dass der "Durchschnitt der Bevölkerung" so denkt wie hier postuliert?

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  5. Äh, das mit dem 8664 verstehe ich nicht, bei mir sieht alles normal aus, auch mit Firefox...?

    @Anonym 02:47:
    Man kann ja schon mal die Satelliten im L2 dazu nehmen. Das sind noch wirkliche Satelliten, aber mit 1,5 Mio. km sind sie so weit weg, da kommen noch einige nahe Vorbeiflüge "dichter als Satelliten" hinzu! :)

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    1. Siehe oben, bei mir zeigt der FF "8664 TC9 am 3. Oktober 8664" an statt "2008 TC3 am 7. Oktober 2008", aber nur bei aktiviertem JS.

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    2. Das ist ja blöd. Und ich dachte, ich benutze Blogger, damit ich mir um Technisches keine Gedanken machen muß...

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  6. Irgendein JS scheint da bei kursiven Ziffern 6 dazu zu addieren (und dann den Wert modulo 10 anzuzeigen). Test:

    standard: 1234567890
    kursiv: 1234567890
    fett: 1234567890
    kursiv und fett: 1234567890
    fett und kursiv: 1234567890

    Sehr spannendes Phänomen. Ich bitte dringend um Aufklärung ;-).

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    1. Für alle, die da immer 1234567890 sehen: Bei mir im FF wird (wie oben schon von Anonym erwähnt) in allen Zeilen, in denen die Ziffern kursiv dargestellt sind, 7890123456 angezeigt.

      Deaktiviere ich JS, passt es wieder.

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    2. Dann verzichte ich einfach mal auf kursive Ziffern, und das Problem ist nicht gelöst, aber beseitigt?

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    3. Eine gute Idee - oder bei kursiven Ziffern im FF 6 abziehen, also:
      6442 TC7 am 7. Oktober 6442
      6442 TC7 am 7. Oktober 6442
      sieht dann aber in den anderen Browsern komisch aus ;-).

      Schließlich könnte man noch bei google nachfragen, ob die Font-Umsetzung irgendwie defekt ist.

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    4. Das es JS Abhängig ist kann ich nicht nachvollziehen. Man kann das Problem auf den JS freien Code reduzieren(spitze Klammern ersetzt):
      (html)
      (head)
      (style type="text/css")
      @font-face {
      font-family: 'Cambria';
      src: local('Cambria'), url('http://themes.googleusercontent.com/licensed/font?kit=b0fnet2qbZD6nanqFKhjaA') format('woff');
      }
      body {font-family:Cambria;}
      (/style)
      (/head)

      (body )
      (br)2008
      (br)(b)2008(/b)
      (br)(i)2008(/i)
      (br)(i)1234567890 (/i)
      (br)1234567890
      (/body)
      (/html)

      Vielmehr hängt es bei mir an der Kombination installierter Font Dateien in XP. Lösche ich alle Cambria Font Dateien, und er holt sich den Font aus dem Netz ist alles ok. Nur die Kombination von CAMBRIA.TTC !UND! CAMBRIAI.TTF erzeugt die falsche Darstellung. Jede Datei für sich darf auch alleine installiert sein.

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    5. Jepp - mit diesem Code-Stück kriege ich den Fehler auch ohne JS.

      Ich vermute mal, dass hier auf der realen Seite bei meinem FF nur mit aktiviertem JS ähnlicher HTML-Code wie oben erzeugt wird und daher dann der Fehler wie beschrieben auftritt, während ohne JS fehlerfreier(er) HTML-Code generiert wird.

      Bei mir genügt übrigens folgende CSS-Angabe für den Fehler
      <style type="text/css">
      @font-face {
      font-family: 'Cambria';
      src: local('Cambria');
      }
      body {font-family:Cambria;}
      </style>

      Lasse ich die Zeile "src: local('Cambria');" weg, tritt der Fehler hingegen nicht auf.

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  7. Ach ja, und das "f" in "Wüste fielen" ergibt in kursiver Darstellung eine hochgestellte "6", was ich in Test auf "fi" als Ursache reduzieren konnte ("f" wird zur hochgestellten "6", "i" bleibt):

    fi
    fi

    Jetzt hör ich aber auf, bevor mich noch ein Komet trifft ;-).

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