Sonntag, 25. März 2012

Männer im Stoßverkehr

Nicht nur mit dem Autofahren ist es so eine Sache. Auch der Öffi kann so seine Tücken haben, wenn man allzu ahnungslos in fremde Länder reist. Bei einer Reise war ich schon auf dem zweiten Besuch in einer Stadt, in der ich schon beim Ersten im Taxi beeindruckende Erfahrungen im Straßenverkehr gesammelt hatte. Entweder, es ist dort Stau und man steht bloß herum. Oder die Straßen sind auch nur halbwegs frei, und dann ist der wohl einzige Unterschied zwischen einer Taxifahrt und der Rallye Dakar, daß man bei letzterer weniger Todesopfer befürchten muß. Auf jeden Fall mußte ich mich zum ersten Mal im Taxi am Griff über der Tür festhalten, um beim sportlichen Überqueren von Bodenwellen nicht mit dem Kopf gegen das Wagendach geworfen zu werden.
Beim zweiten Besuch jedoch lagen U-Bahnhöfe derselben Linie direkt am Hotel und an meinem Ziel, und so keimte in mir die scheinbar harmlose Idee heran, es doch einfach mal mit der U-Bahn zu versuchen. Beim morgendlichen Betreten des Bahnsteigs fuhr schon gleich ein Zug ein, der nächstgelegene Wagen war auch als Einziger nicht überfüllt, und so sprang ich hinein und machte es mir in der gegenüberliegenden Tür stehend bequem. Daß ein Wachmann auch in den Wagen stieg, etwas in einer mir unverständlichen Sprache nuschelte, und vor dem Schließen der Türen wieder hinaus sprang, all dies bemerkte ich zunächst gar nicht richtig. Im Anfahren des Zuges sah ich nur noch, wie er auf dem Bahnsteig aufgeregt in sein Funkgerät sprach. Doch dann war meine Aufmerksamkeit plötzlich doch gefesselt, denn es geschah für kurze Zeit etwas, daß man nur aus Werbespots oder Musikvideos kennt. Eine junge Dame steht lächelnd von ihrem Sitz auf. Sie kommt geradewegs auf mich zu. Mit ihren großen, dunklen Augen hält sie unentwegt den Blickkontakt mit mir. Ich bemerke noch die kleinen, fröhlichen Lachfältchen in ihren Augenwinkeln, als sie sich direkt vor mir ein ganz kleines bisschen auf die Zehen stellt, um meinem Ohr ein wenig näher zu kommen. Dann informiert sie mich auf Englisch, daß dies ein Wagen nur für Frauen sei.
Da erst blickte ich mich im Wagen um, und tatsächlich, ich wurde von rechts und links von vielleicht vierzig Frauen mit steinerner bis süffisanter Miene angestarrt. In solchen Momenten kann man froh sein, mit dem Pubertieren bereits fertig zu sein, ansonsten endet so ein Erlebnis womöglich noch traumatisch. Und man kann froh sein, wenn der nächste Bahnhof ein großer Umsteigebahnhof mit Bahnsteigen auf beiden Seiten des Zuges ist. So konnte ich gleich rechts wieder aus dem Wagen hinaus verschwinden und im nächsten, deutlich Volleren untertauchen, während von links drei bekanntermaßen enorm vertrauenserweckend wirkende Sicherheitskräfte in den Frauenwagen hineinkamen.

Nach so einem Erlebnis versteht man dann aber auch, warum ein aus dieser Gegend stammender Bekannter, wenn er in Deutschland in einen U-Bahn-Wagen hinein kommt, in dem zufällig nur einige Damen sitzen, erst einmal nachfragt, ob er als Mann denn auch in diesen Wagen einsteigen dürfe...

Kommentare:

  1. Welches Land war es denn? :D

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    1. Brasilien. Also halb so schlimm... ;)

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  2. ... wirklich schwierig wird es erst, wenn dein gegenueber aus Hoeflichkeit wirklich JEDE (!!!) Frage mit "Ja" beantwortet - und schon sitzt du auch in einem solchen U-Bahn-Wagen ... Die im "dezenten rosa" gehaltenen - mancheiner wuerde es auch als grelles pink bezeichnen - Schriftzuege und huebschen Blumenapplikationen im Inneren verwirren dann sogar weniger als die nun folgenden hektischen Erklaerungsversuche ...

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    1. Spricht da womöglich eine gewisse Japanerfahrung? :)

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  3. Wollte der Sicherheitsdienst die Frauen vor dir schützen, oder dich vor den Frauen??

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