Samstag, 20. Februar 2010

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Sehr interessant sind die immer wieder vorkommenden Schulterschlüsse von Moslems und Christen. Ob z.B. beim Streit um öffentliche Kruzifixe oder bei Karnevalskostümen mit christlichen Motiven, Moslems betonen die Bedeutung christlicher Symbole in "unserer" Kultur und den Schutz religiöser Gefühle, auch die anderer Konfessionen. Und wenn es zu einer solchen "interreligiösen Allianz gegen die Säkularisierung" kommt, dann zeigt das schon, von wem die wahre Gefahr für religiösen Zinnober aller Art ausgeht. Denn Christen und Moslems können sich auf demselben Niveau streiten, wenn es darum geht, ob jetzt die Bibel oder der Koran die wahrere Offenbarung Gottes sei. Denn beide Parteien sind sich darüber einig, daß Vernunft in solchen Debatten keinerlei Rolle spielt. Wie sollte sie auch, wenn die einen ein Stückchen Pappteig essen, weil sie so am Fleische ihres Erlösers teilzuhaben glauben, während die anderen der Überzeugung sind, fünfmal am Tag ihren Hintern in der Mekka entgegengesetzen Richtung in die Luft recken zu müssen, um ihrem Gott zu gefallen.
Und so ist es die Vernunft, von der für beide Parteien die gleiche Bedrohung ausgeht. Nämlich die, sie als Argument zu benutzen, um all solche Praktiken und die zugehörigen Symbole ins Private zurückzudrängen. Naiv könnte man fragen, was für Gläubige daran so schlimm sein sollte. Aber keine der beiden Religionen ist offenbar mit dem Privaten zufrieden. Beide wollen gesellschaftliche Bedeutung und Einfluß. Denn zumindest der christliche und der islamische Gott will ja über alle Menschen herrschen (Wieviel angenehmer ist da doch der jüdische Gott, der nur einem einzigen auserwählten Volk die Tage versauern will). Und das ist dann spätestens der Moment, an dem man die übliche Verteidigung der Gläubigen, "Laß' uns doch", "Wir lassen Dich ja auch glauben was Du willst", "Glauben ist eine persönliche Entscheidung", als dummes oder verdummendes Geschwätz verlachen sollte.
Manchmal könnte man fast meinen, der "aggressive Atheismus" sei noch nicht aggressiv genug...

Kommentare:

  1. Oh, wie recht du hast. Freut mich, dass ich nicht der Einzige bin, der das Widererstarken des Religiösen im Kielwasser des Islam bemerkt. Ich dachte schon ich hätte Verfolgungswahn oder Bewusstseinstrübungen.

    Auch nett:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26288/1.html

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  2. Nein, keine Sorge! Damit bist Du nicht allein...!

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