Samstag, 13. September 2014

Reinraumspiele

Nach all den drögen Posts hier wird es mal wieder Zeit für einen kleinen Themenwechsel. Ich mein', es ist ja nicht so, daß ich nicht wüßte, was die DWüdW-Leser wirklich wollen: Sex. Spontanen, hemmungslosen, leidenschaftlichen Sex! (Zwischen Menschen.) Und das ist ja auch kein Problem, schließlich gehört dieses Thema seit jeher zu den Kernkompetenzen und zu den Herzens- und anderweitigen Organangelegenheiten dieses Blogs. Und ein kleiner Blick zurück auf die heißen Tage dieses Sommers genügt, um die Leserinnen und Leser mitzunehmen in eine erotische Traumwelt jenseits aller Tabus, aller Konventionen und AfD-Deutschmutterphantasien.
(Hinweis: Der nachfolgende Text enthält sexuell explizites Andeutungsmaterial und ist für Minderjährige ohne Interneterfahrung nicht geeignet. [Aber die lesen das hier ja sowieso eher nicht. Hinweis: Hinweis vor dem Veröffentlichen entfernen!])

Es war an einem der besonders heißen Tage im Juli, einem Tag, an dem ich auswärts zu tun hatte. Mein Gastgeber wollte mir eine Freude bereiten, vielleicht auch sich selbst, und mir das Reinraumlabor seiner Arbeitsgruppe zeigen. Nach dem Mittagessen und dem Kaffee traten wir zusammen aus der flirrenden Hitze in das Summen der Klimaanlage, und die eben noch schweißverklebten Härchen an den Armen richteten sich im kalten Luftzug vor zartem Schauder auf. Wir traten in den kleinen Vorraum des Labors, der als Umkleideraum und zugleich Luftschleuse zum dahinter liegenden, fensterlosen optoelektronischen Labor diente. Wir zogen uns Plastikhäubchen über die Köpfe und Überzieher über die Schuhe und Schutzmasken vor den Mund. Dann nahmen wir zwei der für die Eintretenden bereitgehaltenen langen Labormäntel aus speziellem, flusenfreien Stoff von den Haken. Wir schlüpften in sie hinein um die uns erwartenden Geräte und Proben vor dem Schmutz und den Absonderungen unser menschlichen Körper und Kleidung zu bewahren. Mein Gastgeber wartete bereits an der Tür zu den Laborräumen, als ich noch einige persönliche Gegenstände in den weiten Taschen meines Mantels verstaute. Da stießen meine Fingerspitzen in der Tasche auf einen fremden, einen weichen Gegenstand. Mit neugieriger Unschuld zog ich ihn aus der Manteltasche hervor. Ich hielt ein kleines, dünnes, blassrosanes Stoffknäul in der Hand. Vorsichtig zupfte ich es auseinander. Ich entfaltete einen verspielten, am Rande dezent mit Spitze verzierten Damenschlüpfer.

Ein Blick in sein Gesicht ließ keinen Zweifel daran, daß mein Gastgeber über meinen Fund mindestens ebenso erstaunt war wie ich. Einige Sekunden starrten wir beide auf das Höschen in meiner Hand und hingen unseren Gedanken zu Ursprung und Implikationen meines unerwarteten Fundes nach. Dann nahm er den Slip an sich, ließ ihn wortlos in der Tasche seines eigenen Mantels verschwinden und wir traten ohne weitere Worte unsere Laborbesichtigung an.
Nur reißt bei einem jungen, unschuldigen Mann wie mir eine einmal von Damenunterwäsche angestoßene Gedankenkette nicht wieder so schnell ab. Von den technischen Ausführungen meines Gastgebers drang nicht viel zu mir durch. Stattdessen musterte ich die in ihren Mänteln und mit ihren Masken fast zur Unkenntlichkeit vermummten, im kalten Halogenlicht zwischen spiegelreinen Edelstahl- und Kunststoffoberflächen wirkenden Laborkräfte und versuchte mir vorzustellen, wie ein Damenhöschen in die Tasche eines Labormantels gelangt. Vielleicht war es am späten Abend, als das letzte im Labor verbliebene Paar die sich unter den unförmigen Mänteln aufstauenden Hormone nicht länger kontrollieren konnten? Ich mußte mir vorstellen, wie sie sich, eben noch über die Stereomikroskope gebeugt, auf einmal, nach einem kurzen, brennenden Blick die Kleider herunterrissen und übereinander herfielen wie die Tiere! Wie Schweiß und kaum unterdrückte Schreie anbrachen gegen die kalte Sterilität der Laborwände, zwischen denen diese Körper gefangen waren. Wie das Stoßen des Fleisches, das schiere, primitive Verlangen nach dem Körper, nach den Geschlechtsorganen des Nächsten die Ratio, das Streben von Wissenschaft und Technologie nach der Macht des menschlichen Verstandes über die Natur, in Sekunden hinwegfegte und ad absurdum führte. Ich mußte mir vorstellen, wie vor Kurzem genau hier für zwei Menschen plötzlich nichts mehr zählte - nicht die erzwungene Sauberkeit, nicht die unabdingbare Disziplin, nicht der hell erleuchtete Ort der Forschung -,  nichts als das Berühren von Haut, das sich Aneinanderpressen, das Ineinanderdringen ihrer Körper...
Ja, es war wirklich an einem heißen Tag im Juli.

Branchentypisch gab es nicht sehr viele weibliche Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe. Wenn man mal die kurz vor der Pensionierung stehende Sekretärin mit nicht unbedingt zu der Höschengröße passenden Figur ausschließt, blieben eigentlich nur zwei Frauen übrig. Bei meinem Abschied sah ich ihnen intensiv in die Augen, in der irrigen Hoffnung, irgendwo einen kurzen Funken erhaschen zu können, durch den sie sich verrät. Ich wünschte mir, sie würde mir aus meinen Augen lesen, was ich weiß. Und mich dadurch in ihren intimen Moment der Liebe mit einschließen. Das waren natürlich blödsinnige Gedanken.

Zwei Tage später schrieb mir mein Gastgeber eine email, in der er mir mitteilte, er wisse nun, wem das Höschen gehöre.
Seiner Tochter.
Er habe die Labormäntel zum Waschen mit zu sich nach hause genommen. Kurz vorher hätte seine Frau eine Ladung Familienwäsche gewaschen und dabei muß sie eine Unterhose seiner Tochter in der Trommel vergessen haben. Mit der nächsten Wäsche muß diese Unterhose dann irgendwie ihren Weg in die Tasche eines der Labormäntel gefunden haben.
Ich finde ja, diese Erklärung klingt irgendwie arg konstruiert. Lieber glaube ich auch weiter an das geheime, ungezähmte, wilde Leben der Optoingenieure...

Kommentare:

  1. Hm, ich kann schon nachvollziehen, wie sich an einem heißen Tag im Juli so ein Gedankengang ergibt. Aber wirklich schlüssig finde ich den imaginierten Hergang nicht. Gibt es dort Überwachungskameras? Sind dort überhaupt je nur ein oder zwei Leute im Labor? Und so eine Orgie hätte doch Spuren hinterlassen. Die beiden hätten Haare und Körperflüssigkeit und Staub/Fusseln von der Kleidung usw. verstreut, und in so einem Reinraum wäre das aufgefallen. Die wären also mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgeflogen.

    Die Erklärung des Gastgebers mit der heimischen Waschmaschine ist zwar einigermaßen plausibel (obwohl: Waschen Mitarbeiter ihre eigenen Laborkittel zuhause, oder lässt die Firma die Kittel von einem Arbeitskleidungsanbieter reinigen und liefern?), aber fad, es wird sich anders abgespielt haben.

    Die Dame mit dem Höschen - mutmaße ich - ist mit einem Laborkollegen liiert. Er weiß, was sie für Unterwäsche trägt, weil sie vielleicht sogar zusammen wohnen. Sie hat ihm nun vor Beginn der Laborschicht ihr Höschen in die Kitteltasche geschmuggelt. Er hat das erst im Labor gemerkt, wusste also, was sie unter ihrem Kittel nicht mehr trägt, das wird seine Fantasie auf Hochtouren gebracht haben. Nähern konnte er sich ihr nicht, man ist ja ständig in Gesellschaft mehrerer Kollegen. Besenkammern, in die man kurz zusammen verschwinden könnte, gibt es dort nicht. Deshalb hatte er wohl den ganzen Tag Schwierigkeiten, gerade zu gehen.

    Das erklärt auch, wieso er es hinterher so eilig hatte, aus dem Labor zu kommen, dass er an das Stückchen Stoff in der Kitteltasche nicht mehr gedacht hat.

    Oder so ähnlich...

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    1. Ich finde es ja sehr schön, daß dieses Ereignis auch am Herbstanfang noch die Gemüter zu wärmen in der Lage ist! :)
      Ja, dieser Hergang ist gar nicht schlecht! Da kommt man aber wohl erst nach einiger Zeit drauf, wenn die erste Aufregung nachgelassen hat und man zu komplexeren Gedankengängen bereit ist. :)

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    2. Gemüter wärmen: Allerdings, gerade im Herbst :)
      Zeit für klare Gedanken: In der Tat. Immerhin ist Dein Bericht ja nun auch schon zehn Tage online...

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    3. Tatsächlich, schon 10 Tage her… Da wird's Zeit, wenigstens auf die Schnelle mal wieder einen flachen Witz rauszuhauen…! ;)

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  2. Das mit den zehn Tagen sollte keine Aufforderung sein, was Neues zu bringen. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass ich ja auch immerhin zehn Tage gebraucht habe, bis ich mein Szenario beisammen hatte.

    Womit ich mich natürlich nicht gegen neue Artikel, gern auch Flachwitze, ausgesprochen haben will.

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