Sonntag, 7. September 2014

Freunde von Freunden

Bei SpOn gab's heute einen Artikel zu russischen "Ultranationalisten", in diesem Fall einer Bande rechter Monarchisten, denen Putin "zu weich" sei und die pro-russische Separatisten in der Ukraine militärisch unterstützen. Und das soll an dieser Stelle mal nicht allein so stehen bleiben. Denn auf den ersten Blick klingt es vielleicht, zumindest in sich, vernünftig und nachvollziehbar, wenn die Opposition rechts von Putin die Rebellen in der Ostukraine unterstützt. Aber so vernünftig nachvollziehbar ist die Welt nicht. Nicht mal in sich. Machen wir eine kleine Reise durch die Kloake der menschlichen Gesellschaft.

Wappen des Bataillon Asow.
Anfangen können wir bei russischen Nazis. Etwa der Nazi-Band "Wotan- Jugend". Trotz des deutschen Namens ist diese Band russisch, und sie ist nicht nur so ein bisschen nazistisch, sie ist so gewaltafin und nationalsozialistisch, wie es nur geht. Auf ihrem Webauftritt oder ihrem Profil beim russischen sozialen Netzwerk und Facebook-Analogon VKontakte.com feiert Wotanjugend gerne mal die Waffen-SS oder erweist dem Massenmörder Anders Breivik ihre Reverenz (Vorsicht, das Stöbern auf deren Seiten erfordert eine wirklich gute Kontrolle über den Brechreflex!).
Diese russischen Nazibande hat auch Freunde in der Ukraine - allerdings nicht, wie man naiv vermuten würde, in den Reihen der pro-russischen Separatisten. Wotanjugend sind Fan und Unterstützer des ukrainischen "Bataillon Asow". Das Bataillon Asow ist eine extrem rechte ukrainische Miliz, die gegen die ostukrainischen Bürgerwehren kämpft. Wotanjugend gedenkt z.B. den Gefallenen des Bataillons Asow auf ihrer Seite, was das Bataillon Asow gerne auf ihrem VK-Profil wiedergibt. So sollen die Kämpfer des Bataillons ihren Kameraden in Erinnerung bleiben:
Screeshot vom VK-Profil des Bataillon Asow.

Das Bataillon Asow revanchiert sich auch gerne mit ein paar Bildern für Wotanjugend, auch wenn deren Hitlergruß noch arg verschämt daher kommt:
Screenshot vom VK-Profil von Wotanjugend.
Die Unterstützung russischer Nazis für das Bataillon Asow beschränkt sich nicht nur auf den Tausch von Bildern und Propaganda auf sozialen Netzwerken. Am 14. August organisierte Wotanjugend ein Benefizkonzert von Nazibands für das Bataillon Asow in Kiew. Wotanjugend hält eine Zusammenfassung des Konzerts bereit, laut eigener Angabe kamen alle Einnahmen aus dem Konzert und dem Souvenirverkauf dem Bataillon zugute. Und das Bataillon Asow bedankte ich auf seinem VK-Profil mit einer umfangreichen Bilderserie vom Konzert. Die Zusammenarbeit von russischen Nazisbands und ukrainischen Nazimilizen scheint gut zu funktionieren.
Auf dem Nazikonzert für das Bataillon Asow (VK-Profil von Wotanjugend).

Nun ist das Bataillon Asow aber nicht irgendeine verbotene terroristische Vereinigung, wie man das vielleicht denken oder zumindest doch hoffen würde. Das Bataillon ist völlig legal, untersteht offiziell dem ukrainischen Innenministerium und wird von ihm in Kampf gegen Rebellen eingesetzt. Und innerhalb der Ukraine wird aus der Zusammenarbeit des Innenministeriums mit dem Bataillon Asow kein Hehl gemacht.
Der Herr, der hier vorne links vor den Flaggen des Bataillons hermarschiert, ist der ukrainische Innenminister Arsen Awakow. Der Herr vorne rechts ist der Präsident des ukrainischen Parlaments, Olexandr Turtschynow.
Diese zwei Bilder stammen von einer Pressemitteilung des ukrainischen Innenministeriums vom 21. August anlässlich einer Feier zur Ehrung der im "Anti-Terror-Einsatz" getöteten oder verletzen Mitarbeiter des Innenministeriums. Das Bataillon Asow ist in der Mitteilung ausdrücklich mit eingeschlossen. Es sind die freundlich vermummten Herren im Hintergrund. Die Repräsentanten der ukrainischen Demokratie wie Herr Turtschynow im oberen Bild  sind die anerkannten Partner der deutschen Außenpolitik und schütteln nicht nur Mitgliedern von Nazimilizen die Hand:
Die deutsche Politik unterstützt politisch und materiell eine Regierung, die sich ihrerseits im Kampf gegen ukrainische Bürger auf eine Nazimiliz stützt. Eine Miliz, die ihre Unterstützung, propagandistisch und in Form von Spenden, auch von russischen Nationalsozialisten erhält. Ja, die Welt ist schon kompliziert. Und eklig. Aber dieses deutsche Spielen in der Jauchegrube ist nicht nur eklig. Man kann sich dabei auch eine Menge ekelhafter Sachen einfangen, die man danach nicht wieder so schnell los wird...

Kommentare:

  1. Das mit den Freunden, den Freunden der Freunde und das mit den "Freinden" pult Jack Shafer hier http://blogs.reuters.com/jackshafer/2014/09/05/keep-your-frenemies-list-short-and-your-enemies-list-shorter/ auseinander.

    Wir Älteren erinnern uns: Als 1979 die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, waren die Mudschahedding als Feinde unserer Feinde automatisch Freunde und wurden mit Geld und militärischem Gerät gehätschelt. Was diese Leute aus ihren religiösen Ansichten an politischen Grundsätzen ableiteten (und die Tatsache, dass sie die Lücken im Budget, die die CIA offenließ, durch den Opiumhandel schlossen), blieb unbeachtet, denn sie waren ja Freunde... Die Folgen sind bekannt.

    Als im vergangenen Herbst und Winter westeuropäische Politiker auf dem Maidan die Klinke in die Hand gegeben hat, hat sich keiner so genau angeschaut, mit wem sie es zu tun haben. Und dass Janukowitsch demokratisch legitimiert war, hat niemanden interessiert. (Solange er noch über das Handelsabkommen verhandelt hat, hat das auch niemand in Frage gestellt.)

    In der Diskussion um den 2. Irakkrieg (wir erinnern uns: es ging um Massenvernichtungswaffen) war aus Old Europe gelegentlich ein "respice finem" zu hören - eine Redewendung in einer Sprache, die im Heimatland des New Order keiner versteht, die aber auch im Alten Europa in Vergessenheit geraten ist...

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  2. ... Reverenz erweisen ...

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    1. So wahr, so wahr… Ich schieb's mal auf die Autokorrektur, die ist manchmal etwas eigenwillig! ;)
      Danke!

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  3. Oha, danke für die Recherche.

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