Dienstag, 31. Mai 2011

(Kachel-)Männer sind Schweine...

So ein Vergewaltigungsprozess bringt jede Menge Ekliges ans Tageslicht. Und damit meine ich gar nicht mal die Details über sexuelle Praktiken und Vorlieben der Beteiligten oder die zu recht beklagte schamlose Sensationsgier diverser Medien. Ich meine vielmehr die beängstigenden Auswüchse, die ein Artikel der taz gut zusammenfasst:
"Können sich Opfer von Gewalt auf die Justiz verlassen?"
fragt die Autorin. Und sie fragt dies anlässlich eines Freispruchs, der aufgrund von "begründeten Zweifeln an der Schuld" des Angeklagten erfolgte. Man könnte diese Frage einfach nur als ungeschickt auffassen, wenn der restliche Artikel nicht noch viel tiefer in diese Kerbe schlagen würde.
Zunächst muß ich aber, wie es das gesellschaftliche Protokoll bei Äußerungen zu Vergewaltigungen oder Kindesmißbrauch verlangt, meine rituelle Distanzierung vollziehen, bevor ich zum eigentlichen Punkt kommen kann: Natürlich ist eine Vergewaltigung, in einer Beziehung wie auch im dunklen Park, ein schwerwiegendes und verdammenswertes Verbrechen. Und ohne Frage ist es ein großes und ernstes Problem, bei einem solch intimen Verbrechen die Schuldfrage zu klären, wenn Scham und eine schwierige Beweislage zusammenkommen. Und doch gibt es zurecht einige wichtige Grundsätze. Der Ankläger hat die Schuld des Angeklagten zu beweisen, nicht der Angeklagte seine Unschuld. Es ist besser, einen Täter davon kommen zu lassen, als einen Unschuldigen zu bestrafen. Diese Grundsätze gelten für Ladendiebstahl genauso wie für Vergewaltigung oder Völkermord. Die Schwere eines Verbrechens kann nicht den Maßstab für die Beweisführung festlegen. Und gerade das will die Autorin der taz nun tun:
"Das Opfer müsse beweisen, dass etwas passiert sei, obwohl es doch eigentlich umgekehrt sein müsste: Der Täter müsse beweisen, dass nichts passiert sei."
Wie in der Praxis nun ein Mann beweisen soll, daß der Geschlechtsakt einvernehmlich vollzogen wurde, das bleibt wohl eine Detailfrage der Praxis. Ich jedenfalls ficke nur noch unter notarieller Aufsicht. Meine Sorgen sind aber vermutlich unbegründet. Denn die Autorin weiß um die grundsätzliche Vertrauenwürdigkeit der Frauen:
"Nur drei Prozent der Anzeigen bei der Polizei sind Falschbeschuldigungen, sagt die Polizeistatistik."
Nun, bei den rund 8000 angezeigten Vergewaltigungen pro Jahr in Deutschland macht das immerhin noch 240 Falschanschuldigungen! Und interessant ist, daß die Autorin weiß, daß nur fünf Prozent der Vergewaltigungen zur Anzeige kommen, bei Falschbeschuldigungen die Dunkelziffer aber offenbar nicht diskussionswürdig ist. Aber auch bei den drei Prozent offizieller Falschbeschuldigungen handelt es sich eigentlich nur um eine Mischung aus zartem Hilferuf gequälter Seelen und jugendlicher Dummheit:
"Darunter viele von Jugendlichen, wie Antje Prinz von Ahgata weiß. "Wenn junge Mädchen eine Vergewaltigung anzeigen, aber gelogen haben, ist das meist ein Hilferuf, der auf ganz andere Probleme aufmerksam machen soll", sagt die Beraterin. "Oftmals wissen die jungen Mädchen gar nicht, welche Auswirkung ihre Anzeige haben kann."
Ja, da steht Mann doch gerne vor einer zerstörten Existenz oder geht gleich in den Bau, wenn dem jungen Ding halt nicht so ganz klar war, was es angerichtet hat!
Es ist zutiefst erschreckend, wie leichtfertig gutmeinende Frauen bereit sind, Grundpfeiler des Rechts niederzureißen, die Beweislast umzukehren, und Existenzen vernichtende Falschaussagen zu verharmlosen, ohne sich auch nur im Mindesten mit den Rechten eines unbescholtenen Mannes zu beschäftigen. Mal ganz abgesehen von der völligen Blindheit gegenüber der Möglichkeit, daß eine erwachsene Frau ganz bewußt eine falsche Anschuldigung erheben könnte. Es ist zutiefst erschreckend, wie sehr das ideologische Schema Mann - böser Täter, Frau - gutes Opfer noch immer vernünftiges Denken außer Kraft setzen kann. Möge ich solchen Mitmenschen niemals in die Hände fallen!

Kommentare:

  1. Zu der Sache mit den Falschbeschuldigungen ist auch das hier ganz interessant:

    http://ef-magazin.de/2011/05/31/3014-freispruch-sind-sie-der-naechste-joerg-kachelmann

    "Es ist besser, einen Täter davon kommen zu lassen, als einen Unschuldigen zu bestrafen."
    Offensichtlich sind einige (oder viele) Leute vom Gegenteil überzeugt. Konsequenterweise müsste man dann jeden Menschen präventiv verknacken. Zumindest alle Männer.

    AntwortenLöschen
  2. Moin Thomas, wieder mal ein vortrefflicher Artikel, wenngleich diesmal mit ernstelm Hintergund. Echt erstaunlich, wie viele Menschen vergessen, was ein Rechtsstaat ist.

    AntwortenLöschen
  3. @ Michael:
    Alle Männer präventiv verknacken ist keine schlechte Idee... Die Paar, die keine Vergewaltiger sind, sind bestimmt Terroristen.....

    @ Jan:
    Danke! Ja, die Abgründe lauern dicht unter der Oberfläche!

    AntwortenLöschen