Mittwoch, 18. August 2010

Nix begriffen? Macht nix!

Spricht man mit einem Gläubigen über Sinn und Unsinn seines Gottesglaubens, dann kommt früher oder später die Bemerkung, die Wissenschaft und der Verstand könnten auch nicht alles erklären. Und was sollte man darauf anderes erwidern als "Stimmt"? Dies ist dann der Moment eines triumphalen "Siehste! Und darum braucht man Gott!" seitens des Gläubigen. Also gut, nehmen wir an, Gott ist notwendig, um die Dinge zu erklären und die Fragen zu beantworten, die mit dem begrenzten menschlichen Verstand nicht begreifbar sind. Wie ist es dann aber mit diesem Gott selber? Kein Gläubiger, dessen Verstand über das Gottesbild eines alten Mannes mit weißem Bart auf einer Wolke hinausreicht, wird behaupten, er könne Gott mit seinem Verstand begreifen. All dieses Ewige, Unendliche, Allmächtige, all diese seltsamen Ratschlüsse, das geht eindeutig über das menschliche Begriffsvermögen hinaus. Das wissen selbst die Berufsgläubischen ganz genau. Z.B. Thomas von Aquin:
"Wir können von Gott nicht erfassen, was er ist, sondern bloß, was er nicht ist und wie sich die anderen Wesen auf ihn beziehen." (Summa Contra Gentiles, 1,30)
Oder auch der verblichene Johannes Paul II:
"Doch die Erkenntnis, die wir von diesem [=Gottes] Antlitz haben, ist stets von der Bruchstückhaftigkeit und Begrenztheit unseres Begreifens gezeichnet." (Fides et Ratio, Kapitel I)
Ja, dieser gesteht im selben Text ganz unumwunden das Vernunftwidrige am christlichen Glauben ein:
"Der gekreuzigte Sohn Gottes ist das geschichtliche Ereignis, an dem jeder Versuch des Verstandes scheitert, auf rein menschlichen Argumenten einen ausreichenden Beleg für den Sinn des Daseins aufzubauen. Der wahre Knotenpunkt, der die Philosophie herausfordert, ist der Tod Jesu Christi am Kreuz. Denn hier ist jeder Versuch, den Heilsplan des Vaters auf reine menschliche Logik zurückzuführen, zum Scheitern verurteilt." (Fides et Ratio, Kapitel II)
Also noch mal zusammengefaßt. Die Tatsache, daß ich gewisse Dinge mit meinem kleinen menschlichen Verstand nicht begreifen kann, vermag ich nicht zu akzeptieren. Daher verwende ich einen Gott als Erklärung für diese Dinge. Gott selber kann ich mit meinem kleinen menschlichen Verstand auch nicht begreifen, aber hier kann ich das jetzt akzeptieren.
Irgendwas an dieser Herangehensweise scheint mir nicht so ganz lupenrein. Mit meinem kleinen menschlichen Verstand gefragt: Was habe ich denn jetzt so rein erkenntnismäßig durch die Einführung Gottes gewonnen?

Kommentare:

  1. Man ersetzt ein Rätsel durch ein anderes und erklärt das "Problem" für gelöst. Und wer es nicht so mit Gott hat, der weicht eben auf Außerirdische aus ...

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  2. Ja, Außerirdische gehen da auch gut! Nur leider wird man als UFO-Jünger vom Mainstream immer noch belächelt. Da ist es noch ein langer Weg bis zum Außerirdischenbezug in der europäischen Verfassung! ;-)

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