Freitag, 14. September 2012

Ich bin klein, mein Herz ist rein...

Es ist ja nicht gerade so, daß auf diesem Planeten keine Frauen existieren würden, die ein wirklich spannendes Leben vorzuweisen hätten. Nach wenigen Minuten des Nachdenkens kommt man vielleicht auf Giuliana Sgrena: Für den Kommunismus engagiert, dann Kriegsberichterstatterin, im Irak entführt und mit dem italienischen Geheimdienst auf dem Weg zum Flughafen von amerikanischen Truppen beschossen. Oder Ayaan Hirsi Ali: Als Kind aus Somalia in die Niederlande geflüchtet. Dort als Abgeordnete ins Parlament eingezogen. Mit einem Streit über die Zu- und Aberkennung ihrer Staatsbürgerschaft eine Regierungskrise ausgelöst, dann zwischen den USA, den Niederlanden und Dänemark hin- und hergereicht. Oder Aung San Suu Kyi: Studiert in England und Japan, 15 Jahre Hausarrest in ihrer Heimat, Friedensnobelpreisträgerin und Parlamentsabgeordnete.
Hat man einmal angefangen, dann fallen einem immer und immer mehr Frauen ein, die man bewundern oder verachten kann, die man, je nach Standpunkt, als absolut richtig oder phänomenal daneben liegend betrachten kann. Von denen aber mit Sicherheit nicht zu behaupten ist, sie führten ein belangloses Durchschnittsleben.
Und dann gibt es da noch Bettina Wulff - eine Frau, deren Wikipedia-Artikel sich, abgesehen von der Hochzeit mit dem erfolglosesten Bundespräsidenten der Geschichte, zu Höhepunkten aufschwingt wie:
"Bettina Wulff wuchs als Tochter eines Bankangestellten in Großburgwedel auf.""Ab 2009 arbeitete Wulff halbtags als eine der Pressereferenten der Drogeriemarktkette Rossmann GmbH in Großburgwedel." Und kaum, daß Gerüchte auftauchen, die ihre Person ein klein wenig interessant erscheinen lassen könnten, quasi aus dem hannoveraner Bordell zur Gastgeberin des Papstes, kann sie gar nicht genug betonen, daß es sich dabei um reinen Unfug handelt. Stattdessen sieht sie lieber Sätze von und über sich verbreitet wie:
"Es hat mir schwer zu schaffen gemacht, auch körperlich. Ich habe ein paar Kilo verloren. Und meine Haut hat verrückt gespielt." Weia.
"Neben den größeren Umbaumaßnahmen musste aber auch erst einmal eine funktionierende Dunstabzugshaube eingebaut werden...". Genau, die Verbesserung der Welt beginnt eben im Kleinen.
Und nun würde der Filmproduzent Nico Hofmann die Lebensgeschichte eben dieser Bettina Wulff gerne verfilmen! Warum um alles in der Welt sollte man das Leben einer Frau mit einem Horizont so weit wie eine großburgwedler Garagenauffahrt und mit der gesellschaftlichen Relevanz eines Lidl-Prospekts verfilmen wollen? Ich glaube, mit einem derart idiotischen Plan könnte mich nur der richtige Filmtitel versöhnen. Immerhin passt die ganze Geschichte vom Niveau, Stil und Anspruch ja ganz wunderbar zum erfolgreichsten deutschen Fernsehfilmprojekt. Wie wäre es als Titel also mit:
"Das Nerven der Wanderhure"?

Kommentare:

  1. I wo! Das wird gaaanz großes Kino!!!

    Gutti's Hochglanzleben soll meines Wissens auch verfilmt werden. Titelvorschlag: "Plagiat und Pomade - Adel verpflichtet"
    Beide Filme werden wohl Cannes rocken.

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    1. Uuu, da braucht's aber ein gutes Händchen für Besetzungen. Aber Sibel Kekilli als Bettina Wulff und Christoph Waltz als Gutti, das könnte ich mir schon vorstellen...

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  2. Hachz, wie herrlich böse.

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  3. Warum kommt gerade bloß Kartoffelkönigin Veronica Ferres in den Sinn? Nicht auszudenken...

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  4. @Guinan:
    Iwo, hier ist doch niemand böse! Wir sind einfach nur Jenseits des Protokolls!

    @Stefan Rose:
    Die Ferres schwarz gefärbt und mit Pomade? Das wird wirklich mal eine ganz neue Rolle!

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  5. Hmm, Gina Wild als Bettina W., das hätte zumindest im verschwiegenen Vorleben was. Wird der Film FSK 18?

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    1. Niemals. Mit der "Wanderhure" haben deutsche Filmemacher doch schon bewiesen, daß sie selbst das Leben einer Nutte so unglaublich dröge verfilmen können, daß sie locker mit einer FSK 12 durchkommen. Da würde ich mir auch von diesem Film nicht zu viel versprechen. Die zu erwartenden Höhepunkte:
      - Da, wo Bettina Wulff vor lauter Stress an der Spitze des Staates ganz trockene Haut bekommt
      - Da, wo Bettina Wulff ihrem Mann rät, besser nichts zum Islam in Deutschland zu sagen, weil das nur wieder Diskussionen geben würde
      - Da, wo Bettina Wulff ausgerechnet am Morgen eines irre wichtigen Staatsbesuchs irgendeines Regierungschefs, dessen Namen sie sich einfach nicht merken kann, ganz üblen Spliss in ihren Haarspitzen entdeckt

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