Dienstag, 15. März 2011

Macht, Ohnmacht und die Axt Gottes

Liebe Christen! Es ist ja immer wieder dasselbe. Diesmal will das ZDF unverschämterweise eine Comedyserie über Gott drehen, und wieder einmal bringt ihr das unerschütterlich scharfsinnige Selbstmitleid: "Was wohl geschehen würde, wenn das ZDF eine Comedy über Allah brächte." Und es stimmt ja, beim Islam würde das ZDF so etwas sicherlich nicht wagen. Aber wisst ihr was? Das seit ihr erbärmlichen, eierlosen Jammerlappen von Christen ja wohl selber schuld! Ja, haben die Moslems den Respekt vieleicht geschenkt bekommen? Nein! Hier mußten sie Züge voller Gottloser in die Luft sprengen, da mußten sie einem Gotteslästerer mit der Axt ins Haus kommen, und erst dann haben ihre feinsinnigen religiösen Gefühle den Schutz bekommen, den sie verdienen! Ihr aber wisst doch gar nicht mehr, wie man einen Ketzer noch richtig verbrennt und eine Hure steinigt!
Also hört doch endlich mit diesem wehleidigen Bei den Moslems traut man sich das nicht auf! Und da sehe ich genau zwei Wege für euch. Wenn ihr die Moslems so sehr beneidet, dann bucht euren nächsten Gemeindeausflug nach Nigeria, damit die euch zeigen, wie man noch einen ordentlichen Lynchmob bildet. Und schickt euren Dorfpfaffen in ein Terrorcamp nach Afghanistan, auf das er lerne, wie man noch richtige, einsatzfreudige Fanatiker heranzieht. Dann wird sich auch der letzte Satiriker wieder zweimal überlegen, was er über euren Glauben sagt!
Oder aber ihr gesteht euch endlich eure Ohnmacht ein und besinnt euch wieder auf diejenigen christlichen Tugenden, die ihr noch gepflegt habt, als euch das letzte Mal die Macht fehlte, die Feinde Gottes zu verbrennen oder zu ertränken: Leidet still vor euch hin, haltet auch mal die andere Wange hin, und lasst euch im Zweifelsfall auch Gott zur Ehre an die Löwen verfüttern. Wohl wissend, daß all die Löwenwärter und ZDF-Redakteure dereinst gerechterweise auf ewig in der Hölle schmoren werden, während ihr verzückt das Antlitz Gottes bestaunen werdet.
Ich persönlich wäre ja für die zweite Option. Und die hätte sogar den Vorteil, grundgesetzkonform zu sein!
Der Herr sei mit euch.

Kommentare:

  1. Alter Schwede.....!

    Ganz nach meinem Geschmack. Thumbs up..

    Danke !

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  2. Nett geschrieben, nur welche Aussage soll ich nun daraus lesen?

    Daß es völlig in Ordnung ist, als Staatsfernsehen nicht die Eier in der Hose zu haben, gegen eine möglicherweise militantere Religion, bzw. deren teilweise uneinsichtigen Fundamentalisten eine Komödie zu drehen?

    Lieber gegen die mittlerweile ziemlich harmlose christliche Kirche zu wettern, obwohl der Kampf längst gewonnen ist?

    Dem starken Feind nachzugeben und beim schwächeren nachzutreten (nach oben buckeln, nach unten treten)? Ja nun – das ist nun nicht unbedingt meine Auffassung von vorbildlich gelebtem Atheismus.

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  3. @ German Psycho:

    Die einzige Aussage, die ich herausgelesen haben möchte, ist meine Abscheu gegenüber dem unverschämten Argument, daß "man" sich "sowas" bei Allah nicht erlauben würde. Denn für mich schwingt dabei ganz deutlich eine Bewunderung für den Erfolg militanter Fanatiker mit.

    Davon abgesehen
    - halte ich das Drehen von Komödien nicht für ein "Nachtreten", sondern für eine vollkommen legitime und legale Form der Kritik, eben auch an einer Religion.
    - glaube ich, daß eine größere Vorsicht im Angesicht gewaltbereiter Fanatiker absolut normal und nachvollziehbar ist.
    - kann man sich auf eine Gleichheit im Recht berufen, nicht auf eine Gleichheit im Unrecht. Die Zurückhaltung in der Kritik am Islam ist im Grunde ein Unrecht, daß nicht jede andere Glaubensgemeinschaft automatisch auch für sich reklamieren kann.

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  4. Die Bewunderung für den Erfolg der Fanatiker befürchte ich auch. Da sind wir einer Meinung. Gerade deswegen ist es meines Erachtens aber notwendig, eben Satiresendungen gegen den Islam zu bringen. Sonst kommt erklärt man doch den Katholen und Evangelen indirekt, daß sie doch bitteschön auch mal ein paar Anschläge verüben sollten.

    Ich halte das Argument, man erlaube sich das nur gegenüber „schwachen” Religionen, durchaus nicht für falsch. Selbstverständlich muß eine Religion Satire aushalten. Und selbstverständlich gibt es genügend Gründe, gegen das Christentum weiterhin zu Felde zu ziehen.

    Aber wir müssen uns schon die Frage stellen, ob wir als Atheisten nicht gerade gegen die Religionen wettern müssen, die sich Kritik besonders vehement verbittet.

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  5. @ German Psycho:

    "Sonst kommt erklärt man doch den Katholen und Evangelen indirekt, daß sie doch bitteschön auch mal ein paar Anschläge verüben sollten."

    Im Prinzip mag dieses Argument ja stimmen. Aber in der Praxis halte ich die Gefahr eines ernsthaften christlichen Terrors in Deutschland für ziemlich gering. Mir scheinen die Deutschen durch den Humanismus hinreichend zivilsiert worden zu sein. Und neben dem Prinzip finde ich es wichtig, die Praxis nicht aus den Augen zu verlieren!

    Das gilt auch für den Islam. Natürlich muß er kritisiert werden können. Aber aus naheliegenden, ganz praktischen Gründen scheint mir ein etwas vorsichtigeres Vorgehen angebrachter. Eine Bombe in Mainz und ein aufgebrachter Mob in arabischen Straßen (wie man ihn ja schon eindrucksvoll sehen konnte) brächten die Islamkritik keinen kleinen Schritt weiter. Ich halte den Standpunkt manch eines "Islamkritikers" - ich habe Recht, also setze ich das auch ohne Rücksicht auf Verluste durch - für zweifelhaft und unverantwortlich. Selbst, wenn man wirklich Recht hat!
    Und grundsätzlich habe ich auch meine Zweifel, ob zuviel Kritik am Islam von außen überhaupt wirklich hilfreich sein kann? In einem solchen Fall besteht die Gefahr, die Kritik relexartig als einen Angriff durch "die anderen" anzusehen, und somit sofort zu mauern. Letztlich müssen sich andere Kulturen selber zur Aufklärung und Säkularisierung durchringen. Mehr als Hilfestellungen dazu scheinen mir von außen kaum möglich zu sein.
    Wie gesagt, ich habe weniger das Prinzip, als die Wirkung im Blick... ;-)

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  6. Der Islam gehört mittlerweile zu Deutschland (unabhängig von den jeweiligen Standpunkten der Politiker), weil er einfach eine mittlerweile große Religion hier ist. Und als solche muß sie sich denselben Spott gefallen lassen, wie das auch „unsere” Religionen das tun müssen.

    Es kann ja nicht angehen, daß wir als Humanisten Halt machen vor einer Religion, nur weil wir Angst vor ihr haben. Oder uns aus welchen Gründen auch immer nicht einmischen wollen – der Islam spielt auch in unserem Land eine immer größere Rolle, daher sehe ich Kritik / Satire bezüglich dieser Religion auch als sinnvoller an als bspw. Kritik am Buddhismus. Die an sich natürlich auch sinnvoll ist (aber das führt zu weit), aber eben bei uns kaum eine Rolle spielt.

    Kritik an Religionen wird übrigens IMMER als „von außen” kommend angesehen. Oder glauben Sie, daß ein Katholik mir als Atheisten zugestünde, ich sei einer der seinen? Natürlich nicht! Die Argumente, man könne Gott als Atheist nicht verstehen, weil man dazu gläubig sein müsse, sind doch bei den meisten Religionen dieselben (unsinnigen).

    (So waaaahnsinnig weit von einem Konsens sind wir gar nicht mehr, wenn das so weiter geht) ;)

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  7. @ German Psycho:

    "Der Islam gehört mittlerweile zu Deutschland (unabhängig von den jeweiligen Standpunkten der Politiker), weil er einfach eine mittlerweile große Religion hier ist. "

    Mal abgesehen, daß ich nicht so genau weiß, was dieses "zu Deutschland gehören" eigentlich heissen könnte ;-) - ich stimme völlig zu!


    "Und als solche muß sie sich denselben Spott gefallen lassen, wie das auch „unsere” Religionen das tun müssen."

    Das stimmt, und die Realisierung sollte das Ziel sein. Verkompliziert wird die Sache aber alleine schon durch die zu erwartenden internationalen Auswirkungen. Einfach mal drauflos spotten ist vieleicht keine so gute Idee...


    "Es kann ja nicht angehen, daß wir als Humanisten Halt machen vor einer Religion, nur weil wir Angst vor ihr haben."

    Das sind zweifellos starke Worte. Aber fragen Sie sich doch, ob Sie selbst den Preis zu zahlen bereit wären, die nächsten Jahre nur noch unter Polizeischutz leben zu können? So heldenhaft eine positive Antwort wäre - ich fände eine negative Antwort nicht unehrenhaft, bei Ihnen nicht und beim ZDF auch nicht.


    "Kritik an Religionen wird übrigens IMMER als „von außen” kommend angesehen. Oder glauben Sie, daß ein Katholik mir als Atheisten zugestünde, ich sei einer der seinen?"

    Ich diesem Sinne stimmt das natürlich. Ich wollte die Grenze zwischen dem "innen" und "außen" nicht so eng um die Religion selber gelegt haben, sondern eher um die gesamte Kultur. Der westliche Atheismus ist (wie z.B. auch der Protestantismus) aus dem christlich geprägten Kulturkreis selbst hervorgegangen, und nicht etwa von einem gänzlich anderen Kulturkreis "nahegelegt" worden. Und das wird die langfristige Akzeptanz deutlich erleichtert haben.
    Und analog befürchte ich erhebliche Probleme beim Versuch, Atheismus oder was auch immer an islamisch geprägte Länder als Ganzes heran zu tragen. Das könnte vieleicht kontraproduktiv sein...


    "(So waaaahnsinnig weit von einem Konsens sind wir gar nicht mehr, wenn das so weiter geht)"

    Scheint so. ;-)

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  8. Wer ihn noch nicht kennt, der muss ihn unbedingt sehen: FOUR LIONS www.imdb.com/title/tt1341167

    da gehts mal eben nicht um die christen...

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