Donnerstag, 10. März 2011

Der tödliche Supermond

Ich hatte ja die feste Absicht, über manche Dinge, die einfach zu offensichtlich vollkommen dämlich sind, hier in diesem Blog niemals zu schreiben. So etwa über Bild. Aber heute mache ich doch mal eine Ausnahme. Der Anlass ist nämlich nichts Geringeres als der drohende Weltuntergang, diesmal in Form des "Moonageddon", wie es die online-Bild beschrieben hat! Und bei einem sooo schönen Begriff, da kann man doch schon mal schwach werden! Am 19. März drohe ein Vollmond, bei dem der Mond zudem noch ungewöhnlich nahe an der Erde stünde. Vollmond - nahe an der Erde: klar, daß da Gefahr drohen muß! So sind nicht namentlich erwähnte (!) Astrologen und ein ebenso wenig namentlich erwähnter (!) Astronom irgendwie schwer in Sorge. Und auch wenn Bild sich hier ausnahmsweise mal diplomatisch einer eigenen Einschätzung der Gefahr enthält, so werden doch zumindest zwei Naturkatastrophen erwähnt, die mit einem ähnlichen "Supermond" zusammen gefallen sein sollen, wie er uns jetzt wieder droht. Also gucken wir mal nach:
Zunächst können wir uns für alle Vollmonde von 1900 bis heute mal den Abstand zur Erde besorgen (z.B. hier). Tragen wir den Abstand des Vollmondes (der übersichtlichen Zahlenwerte wegen mal als Vielfache des mittleren Erdradius angegeben) gegen die Zeit auf, dann bekommen wir folgendes Diagramm:

Man sieht, daß sich der Abstand zwischen Mond und Erde periodisch verändert, mit einem Mittelwert bei so um die 60 Erdradien und einer Abweichung von ca. 4 Erdradien um diesen Mittelwert. Der Grund liegt einfach in der nicht genau kreisförmigen Mondbahn um die Erde. Die Umlaufbahn des Mondes ist leicht elliptisch, und daher ist sein Abstand zur Erde mal etwas geringer, mal etwas größer. Eben auch bei Vollmond. Wenn man jetzt ganz genau hin sieht, dann bemerkt man, daß die minimalen Abstände bei Vollmond mit der Zeit auch ein kleines bisschen schwanken. Und eben machmal besonders gering sind. Verglichen mit der gesamten Schwankung des Mondanstandes sind diese kleinen Unterschiede aber offenbar wirklich winzig und eher von einem theoretischem Interesse. So weit, so harmlos.
Sehen wir noch nach den bei Bild erwähnten Katastrophen, des New England Hurricane vom 21. September 1938 und der Maitland-Flut vom 24. Februar 1955. Zoomen wir dazu etwas in das obere Diagramm hinein und tragen die Zeitpunkte der beiden Ereignisse mit ein:

Und schon sehen wir, daß keines der beiden erwähnten Ereignisse mit einem Vollmond bei besonders geringem Abstand zur Erde stattfand. Tatsächlich behauptet der Artikel, von dem Bild seinen Bericht übernommen hat, auch gar nicht, daß es um einen Vollmond in Erdnähe ginge, sondern einfach nur um einen Mond in Erdnähe. Und auf einer elliptischen Umlaufbahn kommt der Mond so etwa einmal im Monat in Erdnähe. Wie überraschend, daß sich da dann tatsächlich Katastrophen finden lassen, die zur Zeit eines geringen Mondabstandes passen!
Sehen wir zum Schluß auch noch nach anderen Naturkatastrophen. Sicherlich ist die Auflistung und die Wertung, was eine besonders große Katastrophe war, nicht so leicht. Der Einfachheit halber nehmen wir einfach mal alle Naturkatastrophen seit 1900, die in der Wikipedia-Liste als schwere Katastrophen aufgeführt sind (die beiden Katastrophen aus der Bild sind gar nicht dabei), und die zeitlich klar begrenzt waren. Tragen wir die mal zu den Vollmonden ein...

...dann sehen wir nichts. Keinerlei Regelmäßigkeit. Offenbar hängen Naturkatastrophen nicht mit einem besonders geringen Abstand der Erde zum Vollmond zusammen.
Vieleicht kann man also doch noch ruhig schlafen. Und mit dem einzigen "Wissenschaftsartikel" dieser Woche, der noch überflüssiger und inhaltsleerer war als die über versteinerte außerirdische Bakterien in Meteoriten, sind wir wirklich völlig fertig...


Nachtrag 11.3. (Erdbeben in Japan):
Bevor man das heutige Erdbeben in Japan mit dem "Supermond" in Verbindung bringen will, ein paar Anmerkungen.
Zum Zeitpunkt des Bebens (11.3., 6:46 MEZ) war weder Vollmond (sondern ziemlich genau Drittelmond, 33%). Noch war der Mond in Erdnähe (sondern im Gegenteil noch überdurchschnittlich weit weg: 62,23 Erdradien, verglichen mit den 55,97 Erdradien Abstand, die er am Abend des 19.3. erreichen wird.)
Also: wieder nix mit "Moonageddon"...!

Nachtrag 13.3. ("Supermond"):
Etwas mehr zum Weg der "Supermondtheorie" durch das Internet findet sich hier.

Kommentare:

  1. Dazu noch ein Recherche-Fehler bei BILD-online. Zitat: "...der Hurrikan, der 1938 den US-Bundesstaat New England verwüstete...". Ein US-Bundesstaat New England?? Gab und gibt es meines Erachtens nicht...

    AntwortenLöschen
  2. Neuengland bezeichnet ein Gebiet im Nordosten der USA, das neben Virginia der Ursprung der englischen Besiedlung Nordamerikas war. Die Region Neuengland umfasst die heutigen Bundesstaaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont.
    (Wikipedia.de)

    AntwortenLöschen
  3. Vermutung: Wie so oft hat Bild.de bei The Sun abgeschrieben: http://www.thesun.co.uk/sol/homepage/news/3455095/Extreme-supermoon-said-to-set-Earth-up-for-weather-chaos.html
    Vermutung: Oder denken Sie, die Agentur CopyPaste Bild.de Redakteure würden auf so eine Idee selber kommen?

    AntwortenLöschen
  4. Statt Klick "Gefällt mir"-Button:
    :-)

    AntwortenLöschen
  5. Also was New England angeht wuerde ich mal nicht so kleinlich sein... ;-) Am Ende bemaengelt man noch, dass Herr Pete Wheeler vom Interantionalen Zentrum fuer Radioastronomie nicht, wie unterschwellig im Artikel angedeutet, Wissenschaftler ist, sondern nach Personalseite "Outreach and Education Manager". Und selbst der im news.com erwaehnte Astronom David Reneke ist wohl eher Amateurastronom. Zumindest ist dem Astrophysical Data System nicht ein einziger Fachartikel eines Reneke bekannt...
    Bleibt also alles flach...
    :-)

    AntwortenLöschen
  6. An der letzten Grafik sind zwei Dinge interessant. Während der Zeit des zweiten Weltkrieges gab es offensichtlich keine Naturkatastrophen (wobei dieser Krieg von vornherein alle anderen Ereignisse in den Schatten stellt). Und ab 1950 hat die Häufigkeit der schweren Naturkatastrophen markant zugenommen. Ob das jetzt am Klimawandel, am rasanten Bevölkerungswachstum, oder an beidem liegt, bleibt noch offen. Fakt ist, dass sich viele Katastrophen in Gebieten ereignen, die vor 100 Jahren noch un- oder spärlich bewohnt waren und deshalb "keine Sau" interessierten. Ein Beispiel ist das schwere Erdbeben in Kalifornien von 1857, welches jedoch kaum Schaden anrichtete. Ein Erdbeben vergleichbarer Stärke würde in der heutigen Zeit zehntausenden Opfer fordern.

    AntwortenLöschen
  7. Aus dem was Anonym zuletzt (13:32 Uhr) auswertet kann man nur die Schlussfolgerung ziehen, dass es eine Korrelation zwischen Frieden und Naturkatastrophe gibt. Zum Schutz vor weiteren Naturkatastrophen sollte daher kräftig aufgerüstet werden...

    AntwortenLöschen
  8. Ihr habt alle zu wenig zu tun. Und viel zu viel Angst, dass thesun.. lustigerweise recht haben wird. Ich rufe hiermit zur letzten "nevertheless"-Aktion auf. Minimal 100.000 Apfelbäumchen in dieser Nacht des Schrekkens wollen wir pflanzen. Dass wir später die Äpfel ernten werden mag wer will für möglich halten. Klar dass es auch dann noch "Bild" gibt und eifrig weiter abgegekupfert wird. Nevertheless.

    AntwortenLöschen
  9. die bild hatte recht. siehe japan.

    AntwortenLöschen
  10. Und grad vor paar Stunden gab es ein sehr starkes Beben, gefolgt von einem Riesentsunami in Japan.

    Ich will ja nicht sagen, dass die "Supermond"-Hypothese eindeutig beweisbar ist, jedoch ist schon seit sehr langer Zeit bekannt, dass der Mond einen großen Einfluss auf Gravitationsfeld der Erde hat. Wenn sich irgendwo in der Erdkruste eine Spannung aufgebaut hat, kann diese sehr wohl durch minimalste Gravitationsveränderungen beeinflusst werden.

    Das große Seebeben im Jahre 2004 fand ebenfalls unmittelbar am Anfang einer "Supermond-Phase" statt.

    Diesmal hat es Japan getroffen, nächstes mal vielleicht auch Kalifornien? Ich will ja nicht die "Blöd"-Zeitung in Schutz nehmen, aber auch ein blindes Hunh findet manchmal ein Korn. Die "Blöd" gackert nur dann eben am lautesten.

    AntwortenLöschen
  11. Ok, ich habe noch ein kleines update zum Erdbeben beim Text hinzugefuegt...

    AntwortenLöschen
  12. Du hast nicht an den Artikel geglaubt, du hast damit Japan ausgelöst... du Mörder ...


    xDxDxD

    AntwortenLöschen
  13. "Du hast nicht an den Artikel geglaubt, du hast damit Japan ausgelöst... du Mörder ..."

    *Sympathy for the devil!*

    AntwortenLöschen
  14. Ich lese das Blatt mit den großen Buchstaben und den (leider) vielen Lesern gar nicht erst. Jedenfalls nicht, wenn ich kompetent undwahrheitsgemäs über das wichtige (!) Weltgeschehen informiert werden will.

    Ich hoffe, dass am 19.3. der Himmel klar ist und ich einen wunderschönen riesigen Vollmond bewundern und fotographieren kann.

    AntwortenLöschen
  15. @ feenminze:

    Na dann mal viel Glueck mit dem Wetter! :-)

    AntwortenLöschen
  16. Warum werde ich eigentlich immer erst so kurzfristig über den nächsten Weltuntergang informiert?

    Und wen kann ich eigentlich für diese Weltuntergänge verklagen?

    AntwortenLöschen
  17. @ anonym (17:21):

    "Warum werde ich eigentlich immer erst so kurzfristig über den nächsten Weltuntergang informiert?"

    Ich glaube, Du informierst Dich einfach nur aus den falschen Quellen! Es gibt eine Unmenge von (sich gegen diese Bezeichnung heftig wehrende!) Esoterikblogs, die jeden kommenden Weltuntergang ausfuehrlich diskutieren! :-)


    "Und wen kann ich eigentlich für diese Weltuntergänge verklagen?"

    Eine tektonische Platte hat wohl keine "Rechtsfaehigkeit". Aber Du kannst es ja mal mit einer Klage gegen Gott versuchen...? Bei den bisherigen Klagen hat er allerdings nicht mal selbst einen Anwalt bestellt. Fast koennte man meinen, Gott sei tot...! ;-)

    AntwortenLöschen
  18. "(sich gegen diese Bezeichnung heftig wehrende!) Esoterikblogs" -> du hast wohl die kommentare auf waechterblog gelesen! ;)

    AntwortenLöschen
  19. @ anonym (18:10):

    Ja! Die Leute vom waechterforum.de sind witzig, was? :-)
    Unter ihren meistgelesenen Beitraegen sind "Mystisches Waldviertel - Runenstein entdeckt mit unbekannten Runen" und "Weltweites ungewoehliches und unerklaerliches Verhalten der Tiere". Ihre Foren diskutieren Kornkreise, Astralreisen und Illuminaten. Ihre Parterseiten heissen "zeit-portal.alien.de" oder "hohe-magie.hexenzeit.de". Aber zur "esoterisch-verschwoerungstheoretisch veranlagten Szene" gehoeren? Voellig absurd! :-)

    AntwortenLöschen
  20. Nun lieber Thomas, leider sind wir in der heutigen Zeit etwas vorschnell mit Katalogisieren und Schubladendenken. Du hast Deine Meinung und ich habe meine. Du hast Dich ja bei uns registriert, aber leider nicht freigeschaltet. Ich diskutiere eigentlich sehr gerne mit Skeptikern. Um es mal philosophisch zu halten: Niemand kennt die Wahrheit und deshalb sollte man sich auch nicht anmaßen, im Besitz selbiger zu sein. Und dass gerade diese von Dir angesprochenen Themen die meisten Klicks hat - dafür kann ich doch nichts. Offensichtlich ist hier ein Interesse an solchen Themen vorhanden. Unsere Thesen stellen lediglich ein kleines Spektrum der möglichen Antworten auf bestimmte Fragen dar. Ebenso bietest Du hier Deinen Lesern auch eine der möglichen Antworten dar. Du hast hier sehr gut recherchiert und ich stimme Dir da uneingeschränkt zu, aber im Gegensatz zu Dir stecke ich Dich nicht in eine bestimmte Schublade, da ich Dich nicht kenne. Ich kann lediglich eine gewisse Tendenz in Deinen Antworten hier erkennen.

    Wünsche noch einen angenehmen Tag ;)

    Chris

    AntwortenLöschen
  21. Lieber Chris!

    "aber im Gegensatz zu Dir stecke ich Dich nicht in eine bestimmte Schublade, da ich Dich nicht kenne."

    Offenbar hast Du mich sieben Zeilen zuvor bereits in die Schublade "Skeptiker" gesteckt?? ;-)
    Aber ich schätze, damit muß ich genauso leben wie Du mit Deiner Schublade. Allerdings frage ich mich, weshalb Du Dich so sehr gegen die "esoterisch-verschwörungstheoretische" Klassifikation wehrst? Das erscheint mir ein wenig so wie jemand, der kein Fleisch isst, aber nichts mit Vegetarismus zu tun haben will. Denn die in Deinem Forum behandelten Themen sind gerade die, die i.a. mit Esoterik und Verschwörungstheorie in Verbindung gebracht werden - es mag Dir gefallen oder auch nicht. Das es sich dabei um andere "mögliche Antworten" auf Fragen handeln mag, das bleibt davon ja unberührt...

    Ich hoffe, Dein restlicher Tag wird so angenehm wie meiner!

    Thomas

    AntwortenLöschen
  22. Also trotzdem muss man sich daran gewöhnen das irgentwie etwas ned stimmt
    Es mag am Mond, der Sonne, dem Erdkern, dem All oder was auch immer liegen
    aber trotzdem irgentetwas geht hier vor und es scheint schlimmer und nicht besser zu werden. Ich muss zugeben ich weiss ned wie es vor dem Erdbebe/Tsunami in Japan in Japan ausgesehen hat aber jetz ist ein halbes Jahr
    vergangen und die Inseln kommen einfach nicht zu ruhe und ein breiter Steifen rund um die Welt verhält sich ebenso. Is das nicht eigenartig???
    Mfg

    AntwortenLöschen
  23. Der eigentliche Supermond (im "Supermondjahr") wird eigentlich ja erst heute erwartet - alle 70 Jahre (alle 7x 10 Dedaden).

    Wie es den Anschein hat, werden US-Amerikaner vom Supermond stets besonders "beflügelt" und ziehen immer mehr Menschen auf der Welt in ihren "Supermondbann". ;-)

    - Vor 140 Jahren verfolgten sie erst einmal "nur" die Indianer.

    - Vor 70 Jahren verlangte die Welt nach einer "Nachkriegsordnung", "der Westen" begann damit, sich gegen "den Osten" zu formieren, in der Folgezeit erwuchs daraus (zunächst) der kalte Krieg und ein nicht enden wollendes Wettrüsten.

    - Heute - wieder 70 Jahre später in einem Vollmondjahr - gibt die überraschende Wahl von Mr. Trump der Welt neue Rätsel auf. Die einen halten das für eine überraschende Weltkriegsvermeidung in letzter Sekunde, die anderen für das komplette Gegenteil - niemand scheint zu wissen, worauf er sich dieses Mal einstellen kann und soll.

    Ich finde, man kann durchaus schon das Gefühl bekommen, dass "Supermondjahre" auf bevorstehende große Unsicherheiten und wahrscheinlich weitreichende Veränderungen (in der Welt) hinweisen könnten. Zumindest stimmen sie sehr viele Menschen sehr nachdenklich - sie scheinen wie Wölfe ihren Mond anzuheulen.

    Wer weiß, vielleicht ist es ja wider Erwarten möglich, den Frieden noch weitere 70 Jahre lang zu wahren und vielleicht übernimmt China dann mal den Taktstock, damit die Supermonde auch wirklich unberechenbar und spannend für alle bleiben. ;-)

    AntwortenLöschen