Samstag, 13. März 2010

Wahnsinn und nackte Kinder

Unsere Werte verfallen. Alles wird immer schlimmer. Schwule und Lesben dürfen schon fast heiraten, das Internet ist voller Pornographie, und in Fernsehspots und Werbeanzeigen gebärden sich Frauen wie früher nur in Sexfilmen.
Aber abgesehen davon, ob das Zugestehen fundamentaler Rechte für Homosexuelle wirklich etwas mit dem Verfall von Sitten zu tun hat, und die Verbreitung von Pornographie nicht vieleicht nur etwas mit den besseren technischen Möglichkeiten der Kommunikation: es stimmt nicht, daß alles immer nur sittenloser, freizügiger, hemmungsloser wird. Ein sehr deutliches Gegenbeispiel ist der Kampf gegen "Kinderporngraphie" (inklusive der Jugendpornographie) in all seinen Erscheinungsformen. So ist mir aufgefallen, daß ich beim Stöbern in Buchhandlungen in den letzten Jahren keine Bildbände von David Hamilton mehr gesehen habe, obwohl sie früher vorrätig waren. Und ein Aktfoto der zehnjährigen Brooke Shields wurde aus einer Ausstellung in London entfernt, weil es als sexuell provokativ aufgefaßt werden könnte und damit gegen gesetzliche Regelungen verstoßen. 1975 ist das Bild dagegen ganz legal entstanden. Da scheinen die Moralvorstellungen entgegen dem allgemeinen Trend in mancher Hinsicht doch immer strenger zu werden. Und ein letztes Beispiel, das man sich wirklich auf der gedachten Zunge zergehen lassen muß, ist der Fall des Buches "Der Körper des Kindes und seine Pflege" von Carl Heinrich Stratz bei Wikisource. Dieses Buch erschien in der ersten Auflage 1903. Nun sind die Bücher Stratz' nach heutiger Auffassung sicherlich recht bizarr. Es wird ihnen aber nach heutiger Sicht auch vorgeworfen, daß sie "obszöne Fotografien nackter Kinder und Jugendlicher" enthalten und "vulgären Inhalt" für "Leser mit absonderlichen Neigungen" bereitstellen. Und daher sind in der Reproduktion des Buches bei Wikisource auch alle Abbildungen nackter Minderjähriger entfernt worden. Davon, wie die entfernten obszönen Bilder aussehen, kann man sich aber auf der Wikipediaseite zu Carl Heinrich Stratz einen Eindruck verschaffen. Dieser Wandel in der Wahrnehmung, der dazu führt, daß ein Buch heute freiwillig zensiert wird, daß 1903, nicht gerade eine Zeit extremer sexueller Freizügigkeit, frei veröffentlicht werden durfte, ist wohl ein eindrücklicher Beweis dafür, daß die Sitten nicht einfach immer lockerer werden! Und es sei noch mal kurz angemerkt, daß das Buch für "Leser mit absonderlichen Neigungen" 1923 bereits in der 10. Auflage erschien. Offenbar ist es damals auf breiteres Interesse gestoßen...
Nun geht es mir ganz und gar nicht darum, Kinder- und Jugendpornographie zu verteidigen. Und zweifellos ist der sexuelle Mißbrauch von Kindern ein schweres Verbrechen (schwerer noch als der sexuelle Mißbrauch von Erwachsenen). Aber es ist immer wieder ausdrücklich vom Kampf gegen Kinderpornographie die Rede, und nicht vom Kampf gegen den sexuellen Mißbrauch als dem eigentlichen Übel. In diesem kleinen Unterschied deutet sich schon die allgemeine Irrationalität bei diesem Thema an. Wenn man nun noch bedenkt, daß in England Nacktscanneraufnahmen gegen das Kinderpornoverbot verstoßen (Aufnahmen von Erwachsenen wären dann normale Pornographie?) und man Schulkindern Valentinskarten verbieten will, dann wird die ganze Hysterie, mit der man es zu tun hat, deutlich. Es geht anscheinend darum, Kinder von jedem entfernten sexuellen Kontext frei zu halten. Und da fragt man sich schon, ob dies nicht gerade eine Gegenbewegung zur ständigen Verfügbarkeit von Pornos ist. Wenigstens die Kinder sollen rein bleiben, wenn schon alles andere in die Sittenlosigkeit verfällt? Und da die Kinder so per se unschuldig sind, ist die männliche Sexualität der eigentliche Feind (Gibt es eigentlich Kinderpornos von oder für Frauen? Wenn ja, spielen sie in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle.) Und so dürfen kleine Kinder auch weiter nackt am Strand spielen, ohne daß die Sittenwächter daran Anstoß nehmen. Und ein grundsätzliches Mißtrauen gegen die männliche Sexualität erinnert schon an die Angst vor der weiblichen Sexualität in manchen muslimischen Ländern. Nur sind die Frauen hier nicht per se unschuldig. Daher kann man sie auch zum Tragen eines Ganzkörperschleiers verpfichten, damit sie die Männer nicht in Versuchung führen. Wenn wir aber mal den Beteuerungen von Muslimen glauben schenken, daß eine solche Komplettverhüllung der Frau keinesfalls als Strafe anzusehen ist und sie die Frauen letztlich auch nur schützt, dann könnten wir doch auch Kindern zu ihrem eigenen Schutz zumuten, sich komplett zu verhüllen? Und schon schließt sich der Kreis: In westlich orientierten Ländern tragen dann die Mädchen einen Ganzkörperschleier bis zum Erreichen der Geschlechtsreife, und in islamischen Ländern tragen ihn die Frauen dann ab der Geschlechtsreife. Und so ergänzt sich dann der Wahnsinn in der Welt zu einem wunderschön geschlossenen Ganzen!

Kommentare:

  1. So denkst du über unsere Gesellschaft, du solltest dich schämen. Nichts davon ist in irgendeinerweise Anstössig sondern nur natürlich. Diese Verklemmte sichtweise war zuletzt 1845 noch modern.

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