Sonntag, 14. Februar 2016

Play hard

Man ja jetzt nicht unbedingt soo wahnsinnig gerne einen Kindergeburtstag im Haus. Aber zwei Kindergeburtstage gleichzeitig? Also wurde die Party der Zwillinge ausgelagert in eine kleine Elterninitiativen-Kita in der Nähe mit einem sehr schönen Spielzimmer und einem kleinen Hof und mit allem, was die junge Zielgruppe für ein Fun-Event so braucht. Gut, diese kleine private Kita wird von diesen Bioreiswaffelmüttern betrieben. Frauen, die sich sorgen, ob die Fischstäbchen auch stressfrei in Form gestanzt wurden (also stressfrei für den Fisch, nicht für die Billiglöhner in der Fischfabrik). Ja, zugehörigen Väter sind wohl eigentlich auch involviert, scheinen sich aber darauf zu beschränken, den Windeleimer auszuleeren und ansonsten die Bioreiswaffelmütter einfach mal machen zu lassen. Aber im Prinzip sind die ja ganz nett.
Zuerst waren sie ein wenig skeptisch ob sie die Räumlichkeiten für eine Geburtstagsfeier vermieten könnten, und dann auch noch an einem Sonntagvormittag, oder ob das nicht womöglich Ärger gäbe. Aber schließlich haben sie dann doch mit der Einschränkung, nicht mehr als fünfzehn Kinder dazuhaben, zugestimmt, und das für einen wirklich fairen Kostenbeitrag für den Kita-Betrieb. Und fünfzehn Kinder sollten ja auch kein Problem sein: zwei eigene, jeder kann sechs Freunde einladen, alles im grünen Bereich. Allein, die Praxis ist komplizierter als die Theorie. Die einen brachten noch ihre Geschwisterchen mit weil die ja auch irgendwohin müssen, dann kamen noch irgendwelche Leute deren Kinder Freunde von Freunden sind (ich dachte, sowas kommt erst wenn die älter sind?), und schwups waren es schon zwanzig Kinder. Und zwanzig Kinder der Altersgruppe 3 bis 5 können, ist die Party erst einmal richtig in Fahrt gekommen, einen ganz beachtlichen Geräuschpegel hervorbringen. Einen wirklich ganz Beachtlichen! Und da kann ich die Nachbarn irgendwo ja auch ein bisschen verstehen. Wenn man montags bis freitags einen Kindergarten im Block hat und dann Sonntag Mittag der Lärm noch einmal zu neuen Höhepunkten anschwillt, da kann man schon mal etwas gereizt reagieren.
Es klopfte also die Staatsgewalt an der Tür. Zuerst hatte ich sie bei all dem Kindergekreische gar nicht gehört. Irgendwann aber fielen mir die winkenden Polizisten vor dem Fenster doch noch auf, also ging ich raus um sie in der Stille der nur mittelstark befahrenen Straße verstehen zu können. Die Exekutive war sehr nett, da kann man in diesem Fall wirklich nix sagen, und sie ließ auch keinen Zweifel daran, daß sie den Einsatz gegen einen Kindergeburtstag jetzt nicht unbedingt als eine Heldentat im Kampf für unsere freiheitlich-demokatische Grundordnung betrachtete. Trotzdem meinten die Beamten, daß es vielleicht ganz gut wäre, wenn die Party dann langsam auch mal zu ihrem Ende kommen würde. Bei der feiernden Crowd zwischen Indoor-Schaukel und Kissenburg wurde diese Wendung mit einer gewissen Enttäuschung aufgenommen. Aber dennoch glaube ich, daß die Polizei den Zwillingen langfristig gesehen das schönste Geburtstagsgeschenk überhaupt gemacht hat:
"Meine erste Party, die von der Polizei beendet wurde, das war mein vierter Geburtstag!" Sowas kann man doch bis Mitte Zwanzig noch voller Stolz erzählen!

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