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Dienstag, 12. April 2016

Der die Ziege fickt

Ein recht zuverlässiger Indikator dafür, daß gerade etwas wirklich Großes entstanden ist, ist das Unverständnis des Establishments. Wenn die Jury des ehrenwerten Pariser Salons zu dem Urteil kommt, die Werke dieser Herrn Manet, Whistler oder Cézanne entsprächen nicht den Ansprüchen, die an die Kunst zu stellen seien, dann merkt man, hier ist etwas Neues und Wichtiges geboren worden. Wenn die Pariser Universität und der Heilige Stuhl zu der Einschätzung gelangen, Descartes Art der Philosophie sei eine Zumutung und gehöre verboten, dann weiß man, das menschliche Denken hat nun eine neue und aufregende Richtung eingeschlagen.
Und da sollte man zwei Dinge nicht falsch verstehen. Das Neue wird nicht dadurch besonders, daß es auf einer rein technischen Ebene so viel weiter entwickelt wäre als das Bestehende. Und nur weil es neu und anders ist, muß man es noch nicht persönlich mögen. Man sollte sich allerdings damit beschäftigen.

Und nun schalten wir einen Gang zurück und reden über Jan Böhmermann und seine "Schmähkritik".  Allein das aus unzähligen Kritiken und Kommentaren sprechende allgemeine Unverständnis läßt einen erahnen, daß hier ein wirklich großes, ein überragendes Werk gelungen ist.
Was hat er getan? Er hat gesagt, daß eine nicht sachbezogene, grob beleidigende Kritik in Deutschland nicht als Satire geschützt, sondern als "Schmähkritik" im Prinzip strafbar sei. Und er hat ein Beispiel zur Verdeutlichung gegeben. Hätte er gesagt, "Es ist verboten 'Erdoğan ist ein Arschloch' zu sagen.", nichts wäre daran bemerkenswert gewesen. Allein, er hat das "Arschloch" etwas ausführlicher in Form eines kleinen Gedicht ausgearbeitet. Und nur dadurch wird der Fall besonders! Denn hat er das Beispiel dafür, was man nicht darf, nicht doch ein klein wenig zu detailliert ausgeführt, um noch ein Beispiel zu sein? Er hat etwas grundsätzlich unverfängliches gesagt und dabei doch Worte gewählt, die zweifeln lassen, ob das Gesagte nicht doch etwas anderes, etwas dem Mächtigen gegenüber Unerhörtes meint. Und dies ist Satire in ihrer reinsten, direktesten und gelungensten Form. Und all die irrsinnigen Kommentare steigern die Brillanz dieses so simplen und so treffenden Werks noch. Wir müssen nun die Meinungsfreiheit verteidigen? Was hat das denn mit der Meinungsfreiheit zu tun! Böhmermanns Meinung war doch nicht, Erdoğan sei ein Ziegenficker, seine Meinung war es, seine Ziegenfickerausführungen seien nach deutscher Rechtslage strafbar. Und mit dieser Meinung hat doch niemand das geringste Problem! Nein, Böhmermann hat keine Diskussion um Meinungsfreiheit angeregt! Die eigentliche Diskussion geht darum, ob man jemanden für Worte bestrafen kann, weil man glaubt, daß diese etwas anderes meinen als sie sagen. Eine hübsche, spannende und groteske Diskussion, fundamental und genial. Und alle fallend sie darauf herein. Herr Erdoğan natürlich sowieso, aber auch Frau Merkel, die sich mit ihrer "bewußt verletzend"-Einschätzung genau in die Interpretationsfalle des Was meint der dünne blasse Junge wirklich wirft, die ihr ausgelegt wurde. Oder die ach so progressiven Oppositionspolitiker, die jetzt über Paragraphen diskutieren oder eben "Meinungsfreiheit" verteidigen wollen. Oder  all jene, die meinen, Herr Böhmermann hätte sich schlicht im Ton vergriffen, vergaloppiert oder wolle nur schnelle Aufmerksamkeit abgreifen. Oder der Kommentator bei SpOn, der meint, Böhmermanns Ziegenficker-Äußerungen würden den wahrgenommenen Höhepunkt seiner Karriere markieren. Denn jemand, der alleine mit einem einzigen etwas zu plastisch ausgeschmückten Beispiel alle, vom Feuilleton bis zur Regierung, vor sich her und orientierungslos durcheinander treiben kann, dessen Karriere ist noch lange nicht auf dem Höhepunkt. Dessen Karriere geht gerade erst richtig los.

Mittwoch, 16. März 2016

Wenn Brödchen brabbelt

Es ist nicht zum aushalten! Was hat man uns nicht schon alles erzählt, warum so viele Flüchtende, insbesondere aus Syrien, nach Europa gelangen wollen! Josef Joffe hat in der Zeit unter dem Titel "Putins Krieg" festgestellt, daß die russischen Bomben auf Syrien schuld sind (und Putin damit natürlich Deutschland in den Abgrund stürzen will):
"Den jüngsten Flüchtlingsschub verdankt Merkel-Land dem eskalierenden Bombardement syrischer Städte [durch Russland], das doppelten Gewinn abwirft: Es stützt Assads Killerdiktatur und treibt Hunderttausende Richtung Deutschland, wo Merkel unter wachsenden Beschuss gerät."
Und nein, das ist nicht nur ein Joffe-Problem; selbst bei der taz bläst man aktuell in dieses Horn:
"Dabei treibt der russische Potentat mit seinen Bombardements in Syrien immer mehr Menschen in die Flucht und damit in unsere Arme."
Aber es sind noch mehr Theorien im Angebot! Bei der Welt spekulierte man diese Woche herum, es sei eine Kombination aus "chronischen Defiziten an Demokratie, Emanzipation und Bildung" und dem Klimawandel, die Menschen auf die Flucht nach Europa treibe.
Den ersten Preis für eklige Theorien geht aber wieder mal an Henryk Broder bei der Welt (es kann ja nicht immer Fleischhauer gewinnen…).  Unter dem Titel "Was Blümchen [gemeint ist Norbert Blüm] in Idomeni zu sehen bekam" analysiert er die Lage von Geflohenen in Idomeni und bringt eine neue Erklärung dafür ins Spiel, weshalb sich Menschen die Torturen der Flucht nach Europa antun: Die sind einfach geil auf Qualen! Bzw:
"Anders als im hedonistischen Europa, wo Jugendliche, denen der Einlass in eine Disko verweigert wurde, wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung behandelt werden müssen, gilt in der arabisch-islamischen Kultur das Leiden als ein Wert an sich."
Bei so vielen Theorien über die Ursachen der Massenflucht aus Syrien nach Europa will ich jetzt auch mal mit einer These aufwarten: Wir sind schuld daran. Nicht prinzipiell, wegen Unterstützung einer Bürgerkriegspartei oder sowas, sondern ganz unmittelbar und direkt. Aber gehen wir es der Reihe nach an.

Ist Putin Schuld? Ja klar, immer. Aber gucken wir erst mal auf die Zahlen. Zuerst auf die Zahl der Syrer, die nach Europa fliehen. Dazu gibt es jede Menge Daten vom Statistischen Amt der Europäischen Union, Eurostat. Unter Europa wollen wir hier mal die 28 EU-Länder plus der Schweiz, Norwegen und Island verstehen (diese Definition ist aber nur pro forma, tatsächlich bedeutet Europa in diesem Zusammenhang: Deutschland, Schweden, Ungarn und Sonstige). Und für die Zahl der nach Europa Geflohenen nehmen wir die Anzahl von Asylerstanträgen von Menschen mit syrischer Staatsbürgerschaft pro Kalendermonat. Das sieht dann so aus:
Offensichtlich wächst die Zahl der nach Europa fliehenden Menschen Jahr zu Jahr an. Außerdem sieht man eine Schwankung mit der Jahreszeit, im Sommer und Herbst sind es mehr Menschen als im Winter und Frühjahr. Und wann begannen die russischen und amerikanischen Luftangriffe auf Syrien? Der rote Pfeil markiert den Beginn der russischen, der blaue den der amerikanischen Angriffe:
Da werden sich die Freunde stabilisierenden Eingreifens mit robusten Mandaten aller Orten aber ein Loch in den Ast freuen! Mit dem Beginn von Bombardierungen nimmt die Zahl der nach Europa Fliehenden ab! Vielleicht liegt's aber doch nur am Wetter, und die Bombardierungen haben keinen unmittelbaren Einfluß auf die Anzahl der nach Europa Fliehenden. Nicht mal die russischen. Und Joffe hat einmal mehr schlicht Unrecht. Den "jüngsten Flüchtlingsschub" verdankt "Merkel-Land" nicht dem russischen Bombardement; der jüngste Schub erreichte seinen Höhepunkt bereits vor dem Abwurf der ersten russischen Bombe auf Syrien.

Gucken wir nun noch einmal das größere Bild an und betrachten nicht nur syrische Flüchtlinge nach Europa, sondern alle Syrer, die Syrien verlassen haben. Umfangreiche Daten dazu findet man bei der Syria Regional Refugee Response der UNHCR. Und wer schon von den Flüchtlingszahlen im letzten Diagramm beunruhigt war, der sollte an dieser Stelle besser aus dem Text aussteigen. Hier sind die Zahlen aller außerhalb Syriens registrierter Flüchtlinge, in kumulativer Darstellung. Die Die Zahlen für Europa (die selben wie um obigen Diagramm, nur nicht pro Monat, sondern kumulativ) sind zum Vergleich eingetragen:
Nur ein Bruchteil der Menschen, die Syrien in den letzten vier Jahren verlassen haben, hat es bisher bis nach Europa geschafft. Hinter den ca. 600 000 Syrern in Europa stehen noch mehr als 4 Millionen weitere Syrer, in Jordanien, dem Libanon, dem Irak, der Türkei, in Ägypten und Sonstigen. Was machen die da so? Wären es christliche Leistungsträger, dann würden die wohl Start-ups für Handy-Klingeltöne gründen oder innovative neue Finanzprodukte erfinden und gemäß ihrem Beitrag zur menschlichen Zivilisation stinkreich werden. Tun sie aber nicht. Muß an deren Kultur liegen. Tatsächlich sind die mit der Aufgabe, nicht zu verhungern, bereits ziemlich ausgelastet.

Nach dem Strategical Overview 2016-2017 der UNHCR sind aktuell 2,702 Millionen geflohene Syrer auf Nahrungsmittelbeihilfen in Form von Bargeld, Gutscheinen oder Sachleistungen angewiesen. Im Sommer 2015 waren es noch 1,823 Millionen Menschen.
Und den Vereinten Nationen mangelt es an Geld, die Menschen auch nur halbwegs angemessen zu versorgen. Und das nicht plötzlich, eindringliche Warnungen vor einer Unterfinanzierungen und der daraus folgenden gewaltigen humanitären Katastrophe gab es immer wieder, in Berichten und Pressemitteilungen von UNHCR und Welternährungsprogramm (WFP). Eine kleine Auswahl:

Juli 2014:
"UNHCR warns of dramatic consequences if funding gaps for Syrian refugees continue"

Oktober 2014:
"Urgent funding shortfalls force WFP to cut operations in Syria and sub-regions"

März 2015:
"UNHCR chief warns that Syria crisis at dangerous tipping point, as humanitarian needs outpace funding"

Juni 2015:
"Funding shortage leaves Syrian refugees in danger of missing vital support"

Allein, es gab nicht genug Geld für die UNHCR, WFP und deren Partnerorganisationen. Und so nimmt die Katastrophe ihren vorhergesehenen Lauf. In Jordanien ist der Anteil von syrischen Flüchtlingshaushalten mit sicherer Lebensmittelversorgung laut UNHCR (Strategical Overview 2016-2017 und 3RPProgress Report 2015) von 53% im Jahr 2014 auf 14% im Jahr 2015 abgestürzt, in Jordanien von 25% auf 11%. Der Wert der UN-Lebensmittelgutscheine pro Kopf und Monat wurde je nach Gastland um 22% bis 43% gegenüber 2014 gekürzt. 14% (im Libanon) bis 20% (in Jordanien) der von den Kürzungen betroffenen Familien mit Schulkindern haben angegeben, ihre Kinder aus der Schule genommen zu haben um Geld zu sparen oder sie zum betteln oder arbeiten zu schicken. Kinderarbeit, Zwangsheiraten, Krankheiten, das ganze Horrorprogramm einer ums Überleben kämpfenden Menschengruppe spult sich unter den Geflohenen ab.

Die UNHCR hatte auch Zahlen genannt, wieviel Geld benötigt würde um die Katastrophe abzuwenden. Für die Lebensmittelversorgung waren es eine runde Milliarde US-$ (Stand Sommer 2015). Und das ist auch eine unvorstellbar große Summe. Eine Milliarde Dollar, das ist, Moment, ich rechne mal nach… Das ist 1,3% des geschätzten Privatvermögens von Bill Gates! Und 1,3% des Besitzes von Bill Gates, das ist eine so astronomisch große Zahl, da ist es kein Wunder, daß die Weltgemeinschaft das nicht aufbringen konnte. (Denn ich will ja nicht ernsthaft vorschlagen, Schwerreiche zur Finanzierung von Flüchtlingen heranzuziehen. Das wäre ja ein völlig falsches Signal an die Leistungsträger. Wenn man auf Millionengewinne auch nur 50% Steuern zahlen müßte, da dächten die sich doch, daß es dann auch nicht mehr die Anstrengung wert ist. Da könnte man sich ja auch gleich in ein Zelt irgendwo in Jordanien setzten und sich bequem mit UN-Lebensmittelgutscheinen versorgen lassen…)

Nein, nicht russische Bomben oder Klimawandel oder Broders angebliche arabische Geilheit aufs Leiden ist Schuld, wenn Menschen aus Syrien nach Europa kommen wollen. Wir sind Schuld. Denn wir beteiligen uns zwar eifrig am Bomben, die angerichteten Folgen ignorieren wir. Wir lassen Millionen von Menschen irgendwo in der Wüste im Stich. Menschen, die immer weniger zu Essen haben und übrigens auch keine brauchbare medizinische Versorgung oder Zugang zu Bildung oder irgendwelche Zukunftschancen in ihrer Region. Und diese Menschen werden sich in Bewegung setzten, in unsere Richtung. Was sollten sie auch sonst tun? Dasitzen und verhungern, damit der Deutsche sich nicht überfremdet fühlt? Wir lassen die Menschen da, wo sie sind, im Zweifel verrecken und wundern uns dann, wenn sie in immer weiter wachsender Zahl bei uns vor der Tür auftauchen.
Und diese Entwicklung wurde schon seit zwei Jahren angekündigt. Der gegenwärtige Zustand ist also weder überraschend noch ist er unabwendbar gewesen. Er kann also nur eines sein: politisch gewollt.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Relative geistige Armut

Es ist ein Ritual wenn ein Armutsbericht vorgestellt wird. Heute schreibt es Guido Kleinhubbert bei SpOn:
"Abgesehen davon, ist der alljährliche Blues-Song sowieso ein schiefes Lied. Für [den Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands] Schneider und seine Fans sind nämlich alle Menschen 'arm', die von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben müssten. Das ist zumindest heikel, denn selbst wenn in unserem Land nur millionen- und milliardenschwere Ferrari-Fahrer gemeldet wären, gäbe es hier Armut. Irgendwer fällt immer unter die Grenze."

Ja, so ist das. Da hat jemand Blitzgescheites nach einer Flasche Pinot Grigio doch tatsächlich das Konzept der "relativen Armut" verstanden! Gemessen werden in der Tat die Unterschiede im Wohlstand einer Gesellschaft, im Gegensatz zur absoluten Armut, die den Wohlstand gegen einen festen Standard misst.
Aber wo wir gerade dabei sind und ich das mit dieser Wirtschaft nie so recht verstanden habe, da könnte mir ein Wirtschaftsredakteur doch aushelfen. Würde es in Deutschland, würden dort nur noch Millionäre und Milliardäre leben, den Becher Joghurt immer noch für 79 Cent zu kaufen geben? Oder setzt der Genuss der Millionen der Millionäre nicht eher zwingend voraus, daß es genug andere gibt, die darauf angewiesen sind, für Achtfuffzig die Stunde die Regale aufzufüllen und den Boden zu wischen? Sind also Armut und Reichtum nicht ihrem Wesen nach - sofern man den Bereich des nackten Überlebens einmal verlassen hat - grundsätzlich relativ?
Ja, da muß sich jetzt wohl auch das Wirtschaftsjournalistenköpfchen gaaanz doll anstrengen! Aber Obacht, nicht, daß es vor lauter Anstrengung plötzlich "Plopp" macht und die ganze warme Luft aus dem Köpfchen entweicht! Dezent aromatisiert mit Pinot Grigio.

2015 schrieb sowas Sebastian Balzter für die FAZ:
"Denn die 60-Prozent-Grenze, eben die relative Definition von Armut, sorgt dafür, dass es immer Armut geben wird, solange es Unterschiede bei den Einkommen gibt. Verdoppeln sich in einer Gesellschaft alle Einkommen, verdoppelt sich nach dieser Interpretation nämlich automatisch auch die Armutsgrenze – und es gelten genauso viele Menschen als arm wie vorher, auch wenn sie plötzlich viel mehr Geld zur Verfügung haben."

Is ja'n Ding! Aber ich hab's ja begriffen. Wenn sich alle Einkommen verdoppeln, ändert sich an der relativen Armut nix. Aber wenn ich mir statt einmal nun zweimal Fleisch in der Woche leisten kann und wer anders sich statt einmal nun zweimal im Jahr Tauchurlaub auf den Seychellen, dann ist der Wohlstandsabstand zwischen uns beiden gewachsen. Das Prinzip der relativen Armut, ist klar.

2014 erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände:
"Der relative Armutsbegriff, der u. a. im Armutsbericht der Bundesregierung verwendet wird, hat nichts mit Bedürftigkeit zu tun. Er sagt nur etwas über die relative Einkommensposition gegenüber anderen aus. Eine Verdopplung bzw. Halbierung aller Einkommen ändert nichts an der Verbreitung relativer Armut.
Der relative Armutsbegriff hat absurde Konsequenzen: Je mehr Reiche in ein Land einwandern, desto mehr steigt danach die Armut."

Die relative Armut, genau. Und genau, eine Verdopplung Öder Halbierung aller Einkommen ändert nichts an der relativen Armut, hatten wir doch schon mal erwähnt. Das war ja auch die Idee hinter dem Konzept der relativen Armut, nicht? Ham' wa jetzt aber wirklich kapiert!

2013 schreib Wolfram Weimer für das Handesblatt:
"Die krude Systematik des Armutsberichts bedeutet, dass Armut nie überwunden werden kann! Egal wie reich die Armen wirklich werden. Wächst nämlich der Wohlstand in Deutschland an oder wandern Tüchtige und Reiche nach Deutschland ein, so wird damit – nach der verqueren Logik solcher „Berichte” – statistisch mehr Armut geschaffen. Umgekehrt gilt: Wenn alle ärmer werden, dann sinkt die Armutsquote. Schon alleine aus diesem Grund sollte man auf diese Sorte von Armutsberichten ganz verzichten. Denn sie sind reine ideologische Vexierspiele."
Och nö! Bitte…

Und 2012 schreib Damar Schulze Heuling für den Cicero:
"Dieser Armutsbegriff, der auch von der Bundesregierung verwendet wird, misst somit nicht mehr die Deckung eines Bedarfs, sondern ein Verteilungsmuster. Insofern ist es irreführend, von einer Armutsdefinition zu sprechen. Die Verwendung dieses Verteilungsmaßes zur Bestimmung von Armut kann bizarre Konsequenzen haben. Wenn etwa die Mehrheit einer Bevölkerung hungert, dann wäre nach dem relativen Armutsbegriff trotzdem niemand arm. Ganz anders aber würde die Armutsstatistik den Millionär unter Milliardären beschreiben. Der fiele in die Gruppe der armen Schlucker!"
Jo. Wenn alle hungern, dann sind alle absolut arm aber nicht relativ. Und der Millionär unter Milliardären ist relativ arm, aber nicht absolut. Gott, wie erklärt man's ihnen bloß? Vielleicht so:
Angenommen, ich hätte eine gut laufende Zeitung und zahle jedem Ressortleiter eine 10%ige Gehaltserhöhung, Jahr für Jahr. Nur dem Ressortleiter Wirtschaft nicht, der kriegt nur eine 1%ige Erhöhung. Mal sehen, wie lange es dauert, bis der das voll Moppelkotze findet. Und wenn er sich dann beschwert, dann sage ich ihm: "Was beklagst Du Dich hier? Du kriegst doch auch immer mehr, gemessen an der Deckung deines Bedarfs hast du eine Menge Kohle und überhaupt, die Raumpfleger wären glücklich wenn sie soviel Geld hätten wir du!"
Und wenn er dann immer noch nicht Ruhe gibt, dann wäre es vielleicht besser, ihn gar nicht erst über die Einkommensentwicklung im Verlag in Kenntnis zu setzten. Diese Sorte Information ist nur ein "rein ideologisches Vexierspiel" und könnte ihn am Ende noch zu falschen Schlussfolgerungen verleiten!


Ergänzung (25.2.):

Ein paar Diagramme zur Erläuterung der Kommentare:



Montag, 8. Februar 2016

Meine Wahrheit und deine Verschwörung

"Zur Ausrottung des Unkrautes der ketzerischen Verdrehtheit aus der Mitte des christlichen Volkes, des Unkrautes, das üppiger als gewohnt nachgewachsen ist und das der Feind des Menschen in dieser Zeit noch frecher nachsät, haben wir desto eifriger beschlossen, uns entsprechend der uns aufgetragenen Sorge zu bemühen, je verderblicher es wäre, wollten wir übersehen, dass dieses Unkraut sich zur Abtötung des katholischen Samens ausbreitet. Da wir aber wünschen, dass gegen die Handlanger solcher Schlechtigkeit die Söhne der Kirche und die Eiferer des rechten Glaubens sich erheben und uns zur Seite stehen, haben wir einige Anordnungen herausgegeben, die von euch als getreuen Verteidigern eben dieses Glaubens mit großer Sorgfalt zu beachten sind, Anordnungen, die im Folgenden der Reihe nach aufgeführt sind."
Papst Innozenz IV, Bull Ad Extirpanda (1252)
"Verschwörungstheorien - der Glaube, daß Ereignisse von Mächten im Verborgenen geheim manipuliert werden - haben eine lange Geschichte und sie existieren in allen modernen Gesellschaften. Jedoch nimmt ihre Bedeutung gegenwärtig zu, insbesondere in Europa. […] 
Nur ein internationales und interdisziplinäres Gemeinschaftsunternehmen wird zu einem umfassenden Verständnis der Geschichte, Politik, Soziologie, Rhetorik und Psychologie von Verschwörungstheorien führen, wie es gebraucht wird um deren für demokratische Werte oft schädlichen Effekte zu begegnen. Das Ziel dieser COST Action ist daher, eine vergleichende Analyse von Verschwörungstheorien anzubieten und Empfehlungen und Strategien für Akteure zu entwickeln, die mit ihnen konfrontiert werden."
Memorandum of Understanding for the implementation
of the COST Action "Comparative Analysis of Conspiracy Theories" (2015)

Ja, ich weiß, eigentlich kann man die beiden Zitate oben unmöglich in eine Reihe stellen. Schon historisch handelt es sich dabei um zwei völlig verschiedene Zusammenhänge. Im ersten geht es um die Kirche und deren Kampf gegen Irrlehren, die sie für falsch und gefährlich hielt. Im zweiten geht es um Wissenschaft und ihren Kampf gegen Irrlehren, die - nun ja - falsch und gefährlich sind. So weit, so klar. Trotzdem gucken wir uns die COST Action 15101, "Comparative Analysis of Conspiracy Theories", noch etwas genauer an.

COST ist ein von europäischen und benachbarten Staaten unterhaltenes Finanzierungsprogramm für internationale wissenschaftliche Forschung. Und im Oktober letzten Jahres wurde ein neues Programm, eine Action, bewilligt, eben jene "Vergleichende Analyse von Verschwörungstheorien". Und da diese COST Actions sehr transparent organisiert sind, kann man sich z.B. das zugehörige Memorandum of Understanding (MoU) ansehen, in dem das beginnende Forschungsprogramm zu Verschwörungstheorien dargelegt wird. Und da fällt gleich die schon beängstigend flüchtige Definition des Forschungsgegenstands selbst auf. Eine Verschwörungstheorie sei "the belief that events are secretly manipulated behind the scenes by powerful forces".

Eine Verschwörungstheorie wäre also demnach, wenn Mitglieder einer Exilregierung eine PR-Agentur beauftragen, vor den Vereinten Nationen eine erfundene Gräuelgeschichte vorzutragen um die Weltöffentlichkeit zur Unterstützung eines Krieg zu gewinnen [1]. Oder wenn Diplomaten und Mitglieder der US-Regierung behaupten, libysche Soldaten würden, mit Viagra ausgestattet, Massenvergewaltigungen begehen. Und sie damit das Eingreifen der NATO in den libyschen Bürgerkrieg rechtfertigen. Und sich nach dem Krieg herausstellt, daß es diese Massenvergewaltigungen nie gegeben hat [2]. Oder oder oder.
Kurzum, mächtige Kreise manipulieren die Welt tatsächlich im Geheimen, das ist so klar wie etwas nur sein kann.

Nun wird man vielleicht hoffen, die an der Untersuchung von "Verschwörungstheorien" beteiligten Wissenschaftler würden schon sorgsam Unsinn und sensible politische Positionen trennen.
Tun sie nicht.
Die COST Action "Comparative Analysis of Conspiracy Theories" bezieht aktuelle politische Konflikte explizit mit ein. So werden im MoU etwa drei Akteure benannt, die Verschwörungstheorien verbreiteten: Orban, Erdogan und Putin. Und bei aller Antipathie für die drei - bisher war die Auseinandersetzung mit politischen Gegnern Aufgabe der Politik, nicht die der akademischen Forschung. Und die Behauptungen der Gegner waren andere politische Positionen oder, wenn man sie entwerten wollte, Propaganda. Aber sie waren keine "Verschwörungstheorien". Nur würde sich der Auftrag, Wissenschaftler entwickelten Strategien zur Abwehr anderer politische Positionen oder Propaganda nicht so recht überzeugend anhören verglichen mit dem Auftrag, Strategien zur Abwehr von Verschwörungstheorien zu entwickeln.

Zumindest mir bereitet es Unbehagen, wenn Wissenschaftler es als ihre Aufgabe ansehen, in einem Konflikt politische Positionen zu untermauern oder zu unterminieren. Oder, wie es im MoU noch heißt, dem Vertrauensverlust in Institutionen und Medien entgegen zu wirken. Oder wenn sie Unternehmen Strategien und Ressourcen zur Verfügung stellen wollen, um mit ungerechtfertigten Angriffen von Verschwörungstheoretikern fertig zu werden (MoU, Absatz 2.1.1).

Vielleicht ist dieses Unbehagen aber auch nur eine Folge dessen, daß ich selbst schon zu einem Verschwörungstheoretiker geworden bin. Das könnte so gekommen sein:
Im MoU sprechen sie, um die Bedeutung ihrer Arbeit zu belegen, von einem Problem der Europäischen Union, dem "conspiracy-minded Russian nationalism stoking the crisis in Ukraine".
Nun glaube ich persönlich nicht, daß das Massaker auf dem Maidan das Werk von Scharfschützen der von der ukrainischen Regierung kontrollierten Polizei war, sondern daß vielmehr ukrainische Faschisten dahinter steckten. Und daß europäische Regierungen und die USA der Massenmord in Kiew letztlich egal war, da er dem gewünschten Regierungswechsel in der Ukraine dienlich war. Dies hielt ich bislang für eine diskutable Interpretation der Ereignisse [3]. Und wenn ich mich zudem noch daran erinnere, daß Viktor Janukowitsch ein demokratisch gewählter Präsident war, der von den USA, der EU und Deutschland als solcher anerkannt worden war, dann erscheint mir die Einschätzung, der mit Rückhalt vor allem im Osten der Ukraine demokratisch gewählte Präsident sei mithilfe von Faschisten und mit stillschweigendem Einverständnis der EU und der USA gestürzt worden, nicht unplausibel. Daraus folgt ein gewisses Grundverständnis für einen eher nach Russland ausgerichteten Widerstand im Osten der Ukraine. Nur ist das jetzt womöglich schon "conspiracy-minded"? Und so sehe ich mich mit einer politischen Einschätzung, die ich für vielleicht nicht mehrheitsfähig, aber doch zumindest für diskutabel hielt, in die Nähe von Leuten gestellt, die glauben, Echsenwesen würden uns alle mit Chemtrails gedankenkontrollieren.

Ich sehe in diesem Forschungsprogramm also durchaus eine potentielle Gefahr und teile damit wohl die Einschätzung, die Volker schon vor einiger Zeit gemacht hat.
Natürlich bleibt abzuwarten, was die "Comparative Analysis of Conspiracy Theories" an Ergebnissen hervor bringen wird. Erst daran wird sich zeigen, ob die Wissenschaft sich tatsächlich weniger um die Suche nach der Wahrheit kümmert als vielmehr um die Verteidigung dessen, was sie für die Wahrheit hält. Oder was die Geldgeber aus Politik und Wirtschaft wollen, daß es für die Wahrheit gehalten werde. Es gibt aber auf jeden Fall Grund, die Aktivitäten der COST Action 15101 im Blick zu behalten. Im Interesse dieser gern herangezogenen demokratischen Werte.

Mittwoch, 3. Februar 2016

The science of things that aren't so

Betrachten wir mal ein interessantes menschliches Phänomen. Ein Phänomen, das in allen Bereichen des Lebens existiert und das Irving Langmuir mit Blick auf die Naturwissenschaften trefflich mit The science of things that aren't so umschrieb. Er meinte damit wissenschaftliche Forschungen, die sich mit nicht-existenten Effekten oder Entitäten befassen - und dies nicht auf der Meta-Ebene, sondern ganz unmittelbar. Dabei geht es nicht um einzelne irrgeleitete Arbeiten oder Forscher sondern um ganze Forschungszweige, die sich über Jahre oder Jahrzehnte entwickeln, anerkannt in der wissenschaftlichen Gemeinde, durchgeführt von anerkannten, teils bedeutenden Wissenschaftlern mit anerkannten Methoden und mitunter hundertfach publiziert in anerkannten Fachjournalen - und die sich doch nur mit Beobachtungen und Phänomenen beschäftigen, die allein in den Köpfen der Wissenschaftler existieren. Solche Entwicklungen sind gar nicht so selten wie man vielleicht vermuten sollte. Allein ein kurze Wikipedia-Suche liefert ein Dutzend Beispiele alleine in den Naturwissenschaften in nicht einmal 150 Jahren. Nur wird nur halt nach dem Zusammenbruch einer solchen Phantomforschung nicht mehr so gerne über sie gesprochen...

Das allgemein bekannteste Beispiel sind wohl die "Marskanäle", lineare Strukturen auf der Oberfläche des Mars, die der sehr respektable Astronom Giovanni Schiaparelli 1877 entdeckt zu haben glaubte. Zunächst gab es zwar Zweifel über die Realität dieser "Kanäle", doch nach und nach bestätigten immer mehr Astronomen in der Welt nach eigenen Beobachtungen ihre Existenz und eine ganze Forschungsgeschichte begann. Es wurden Arbeiten über ihre Natur, ihren Ursprung und ihre Veränderlichkeit veröffentlicht. Der bedeutende Astronom Percival Lowell beanspruchte 1905 gar, diese Kanäle fotografiert zu haben [1] und seine Kollegen bestätigten Lowells Analyse der Bilder [2]. Zwar erlosch der Zweifel an der Existenz dieser Kanäle nie komplett, 1907 etwa veröffentliche der Astronom Simon Newcomb im Astrophysical Journal eine umfangreiche Untersuchung der Mars-Beobachtungen und schloß, daß er "cannot but feel that the proof of its objective reality is incomplete until the observers of the system [of canals] investigate the processes of visual inference in their own eyes" [3]. Doch Lowell antwortete sofort mit einem anderen Artikel [4], der mit "Selber doof!" ganz gut zusammengefasst ist. So blieb die Existenz der Marskanäle bis in die 1930er Jahre Teil des wissenschaftlichen Mainstreams. Erst sechzig Jahre nach ihrer vermeintlichen Entdeckung setzte sich nach und nach die Erkenntnis durch, daß es sich dabei nur um Illusion, optische Täuschung, unbewusste Mustererkennung des Gehirns handelte. Die letzte Marskarte, die diese nicht existierenden Kanäle noch zeigte, wurde im Jahr 1962 angefertigt [5], zur Vorbereitung des ersten Vorbeiflugs einer Raumsonde am roten Planeten.
Karte des Mars (Veröffentlicht 1927 von der British Astronomical Association)
Ein zweites schönes Beispiel ist die vermeintliche Entdeckung der "N-Strahlen" durch den französischen Physiker Blondlot im Jahre 1901. Dieser glaube, wie Jahre zuvor Wilhelm Conrad Röntgen mit seinen X-Strahlen (im Deutschen heißen sie heute "Röntgenstrahlen", in anderen Sprachen noch immer "X-rays"), ebenfalls eine neue Strahlungsart entdeckt zu haben, eben die "N-Strahlen". Französische Physiker studierten und analysierten diese neue Strahlung und publizierten ihre Ergebnisse in Fachjournalen. Bis sich die französische Physikergemeinde 1904, nicht ohne Mühe und Raffinesse, davon überzeugen ließ, daß diese N-Strahlen gar nicht existierten und alle Effekte, die sie auf diese Strahlen zurückführten, nichts als Einbildung und Autosuggestion waren (Der kurze Wikipedia-Artikel zum Thema gibt eine lesenswerte Übersicht).

Diese science of things that aren't so nun könnte Anstoß zu zwei Gedankengängen sein:
Wenn es offenbar möglich ist, über viele Jahre wissenschaftliche Forschung an nicht existenten Phänomenen durchzuführen, dann könnte man zu der These gelangen, daß "die Welt so zu beschreiben, wie sie ist" keine notwendige Voraussetzung für Wissenschaftlichkeit ist. Aber diese These wäre der Gottseibeiuns aller Freunde der Wissenschaft. Deshalb wollen wir diesen Gedanken lieber nicht weiter verfolgen.
Weiter könnte man sich aber auch fragen, in welchen relevanten Bereichen - wenn selbst die Objektivität so hoch wertende Naturwissenschaft mitunter nur die Realität in den Köpfen untersucht - solche Verirrungen noch auftreten. Reden wir z.B. mal vom Journalismus…

Man muß nun wahrlich kein "Lügenpresse" grölender Pegidist sein um ein beunruhigendes Maß an Versagen der Medien zu sehen. Beginnend mit der Berichterstattung zur Krise und folgendem Bürgerkrieg in der Ukraine über Griechenland, GWL-Streiks und Syrienkrieg wurde eine ungeheure Einseitigkeit und Voreingenommenheit deutlich. Gerne wird dies mit gezielter politischer Propaganda erklärt und ich finde diese Erklärung für einzelne Akteure durchaus plausibel. Ich glaube aber nicht, daß dies dem Phänomen insgesamt gerecht wird. Denn damit erklärt sich weder der offenkundige Realitätsverlust in weiten Teilen der Medien noch den Rückhalt, den dieser innerhalb der Medien erfährt.
Mit Realitätsverlust meine ich Fälle wie die Heute-Nachrichten, die ukrainische Milizen mit Hakenkreuzen und SS-Runen an den Helmen zeigen und im Kommentar dazu dazu von "Freiwilligenbataillonen aus nahezu jedem politischem Spektrum" zu sprechen [6]. Oder von Berichten zu einer russischen Pressekonferenz, in denen Satellitenbilder aus der Konferenz präsentiert werden mit der Behauptung in der Bildunterschrift, Russland hätte die Aufnahmedaten der Bilder verschwiegen. Und das, obwohl die Aufnahmedaten groß und deutlich im Bild selbst drinstehen [7]. Und man könnte den Bogen noch viel weiter spannen. Jeder konnte in Youtube-Videos sehen, daß das Gewerkschaftshaus von Odessa von einem Mob mit Molotowcocktails gezielt in Brand gesetzt wurde, während Menschen sich darin befanden. In der Tagesschau hieß es nur, das Gebäude sei "in Brand geraten" [8].
Kurzum, zwischen dem, was man sieht und dem, was dazu erzählt wird, klafft ein unübersehbarer Abgrund. Es scheint einfach keinen Abgleich des Erzählten mit dem Sichtbaren mehr zu geben. Und dies ist nicht allein Propaganda. Propaganda als bewusste, gezielte Manipulation wäre besser, weniger offensichtlich.
Dazu passt, daß die in einem solchen Fall aufbrandende Kritik an den Medien innerhalb der Medien gar nicht ernst genommen wird. Von Josef Jaffes Zeit-Texten bis zu Extra-3-Satiren wird eine grundsätzliche Kritik an den Medien abgewertet oder lächerlich gemacht. Selbst Journalisten, die, wie Übermedien, "Medien besser kritisieren" wollen, scheinen damit zu meinen, nur ja keinen zu weiten Blickwinkel zu entwickeln. All diese Journalisten sind keine gezielten Propagandisten. Man könnte eher annehmen, sie glaubten wirklich, was sie sagen? Man könnte einmal annehmen, der Journalismus ist in der selben Situation wie die Naturwissenschaft mitunter auch. So wie die science of things that aren't so nach allen Regeln der Kunst Forschung zu einer Welt produziert, die nur im Kopf existiert, so produziert ein journalism of things that aren't so nach allen Regen der Kunst Journalismus aus einer Welt, die nur im Kopf existiert? Nicht in betrügerischer Absicht, sondern weil sich das Denken von der  Realität gelöst hat?

Wie sollte so etwas möglich sein? Sowohl in der Wissenschaft als auch im Journalismus wäre die Vorraussetzung, von einer Position oder scheinbaren Tatsache absolut überzeugt zu sein. Seien es Astronomen, die die Existenz der von ihnen untersuchten Marskanäle für jenseits aller Zweifel halten oder Journalisten, die die russische Aggressivität und Boshaftigkeit für eine völlig unbestreitbare Offensichtlichkeit halten. Solche Überzeugungen können sich womöglich in Gruppen ausbilden, der Mensch neigt schließlich grundsätzlich dazu, sich einer Meinung anzuschließen, die eine Gruppe um ihn herum teilt, selbst dann, wenn diese seiner eigenen Wahrnehmung widerspricht [9]. Wird eine Meinung von einer anerkannten Autorität innerhalb einer Gruppe entschieden vertreten, dann wird es ebenfalls attraktiv, sich dieser Meinung anzuschließen, erst recht, wenn diese Autorität Einfluß auf die eigene Karriere hat. Ein Einzelner wird die Position, der Leiter seiner Forschungsgruppe und alle übrigen Mitglieder würden statt N-Strahlen nur Hirngespinste sehen, nicht lange durchhalten...

Diese feste Überzeugung von der eigenen Position erlaubt es dann auch, eigene Fehler besser zu verkraften. Beispielsweise haben deutsche Medien wieder und wieder Bilder von vermeintlichen russischen Panzern im Osten der Ukraine präsentiert [10,11,12]. Man sollte meinen, daß das Verschieben von Panzern in ein anderes Land, etwa weil man den Begleittext des Bildes aus der Agentur nicht aufmerksam gelesen hat, einen Fehler darstellt, der einem Journalisten die Schamröte in Gesicht treibt und zu einer aufrichtige Entschuldigung und mehr Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht führt. Hält man hingegen die Anwesenheit russischer Panzer in der Ostukraine für eine Wahrheit jenseits aller Diskussionswürdigkeit, so spielen falsche Bilder keine besonders große Rolle. Sind eher eine Bagatelle, so als würde man die Sonne versehentlich mit einem Bild des Mondes illustrieren. Jeder weiß doch im Grunde, daß dies eine offensichtlich harmlose Verwechslung war und kein hinterhältiger Manipulationsversuch der "Lügenpresse"? Auf diese Weise erklärt sich, was Außenstehende als Skrupellosigkeit und Kaltschnäuzigkeit in den Medien wahrnehmen.

Die Zeit nun verfestigt einen einmal erzielten Konsens eher als daß sie ihn gefährdet. Menschen, die schon Jahre oder Jahrzehnte lang eine Meinung vertreten und Arbeit in sie investiert haben, werden sich eher schwerer als leichter tun, diese Meinung wieder aufzugeben. Manch einer tut es, und ich halte dies für ein Zeichen außergewöhnlicher charakterlicher Stärke. Viele beharren lieber auf ihrem einmal eingenommenen Standpunkt, und wenn sie sich dafür unempfänglich machen müssen gegenüber Fakten und Argumenten.

Ebenfalls eher stabilisierend ist in einem solchen Fall das Auftreten einer oppositionellen Gruppe. Wird die Überzeugung von außen angegriffen, dann nimmt die Tendenz zur Selbstkritik innerhalb einer Gruppe eher ab. Stattdessen wird der eigene Standpunkt gegenüber einer anderen Gruppe verteidigt, indem diese abgewertet wird oder ihr üble Absichten unterstellt werden. So mag es in der nationalistischen Stimmung des frühen 20. Jahrhunderts in Frankreich nicht vorstellbar gewesen sein, daß die Nichtreproduzierbarkeit der französischen Forschung zu den N-Strahlen durch deutsche Wissenschaftler bedeutet, daß man selbst falsch läge. Die Deutschen mussten einfach nur schlechte Experimentatoren sein oder den französischen Kollegen eine große Entdeckung neiden. Es brauchte einen amerikanischen Physiker als neutralen Gutachter, um den Fehler zu finden. Und wenn Menschen heute den Journalismus grundsätzlich kritisieren, dann kann dies nicht daran liegen, daß der Journalismus tatsächlich am Abgleich mit der Welt versagt. Viel eher haben diese Menschen, Amateure die sie nun mal sind, keine Ahnung. Oder sind selber ideologisch verblendet. "Journalismus besser kritisieren" bedeutet dann nurmehr, einzelne Beobachtungen der Marskanäle für nicht so besonders gelungen zu halten. Die Existenz der Marskanäle an sich in Frage zu stellen bleibt tabu. Ein Ausscheren aus der Gruppe ist Verrat.

Wo wir schon ins große Plaudern von den Marskanälen bis zum Krieg in der Ukraine gekommen sind, sollten wir zum Schluß noch einen Blick auf das werfen, was gerne unter das Thema "Verschwörungstheorien" eingeordnet wird. Diesen Begriff verbannen wir hier aber gleich wieder, und zwar aus zwei Gründen:
Zum einen ist er längst zu einem politischen Kampfbegriff zur Diffamierung anderer Meinungen verkommen. Zum "Verschwörungstheoretiker" kann man werden, wenn man die Mondlandung bezweifelt. Oder wenn man das in Westeuropa gepflegte Narrativ von den politischen Vorgängen in der Ukraine seit Ende 2013 in Zweifel zieht. So sieht es zumindest eine Forschungsgruppe an der Universität Tübingen. Damit ist dieser Begriff schlicht unbrauchbar für eine sachliche Diskussion.
Zum Zweiten funktioniert das, was man gemeinhin mit "Verschwörungstheorie" assoziiert, das Fakten- und vernunftresistente Festhalten an einer Position, in alle Richtungen. Flatter hatte einmal den schönen Begriff "Hoftheoretiker" vorgeschlagen um Menschen zu bezeichnen, die gegen alle Vernunft und Evidenz an der offiziellen (und das heißt automatisch den Mächtigen genehmen) Version einer Geschichte festhalten, so wie der "Verschwörungstheoretiker" gegen alle Vernunft und Evidenz an einer alternativen Version festhält. Es ist also mitunter gar nicht so klar, welche Version einer Geschichte denn die nun Verschwörungstheorie ist. Sprechen wir also behelfsmäßig lieber von der "etablierten Position" und der "nicht etablierten Position".

Treffen Vertreter beider Positionen in einer Diskussion, etwa in einem Forum, aufeinander, dann zeigen sich oft genau die Phänomene, die wie schon bei der science of things that aren't so und dem journalism of things that aren't so gesehen haben:

Beide Seiten sehen sich als Gruppen, die ihre eigene Grundannahme für unbedingt wahr halten. Dies sieht man daran, daß Vertreter derjenigen Gruppe, die argumentativ in die Enge getrieben wird, mit nacktem Unverständnis reagieren. Hier greift etwa der folgende Gedankengang:
"Ich kann keinen offensichtlichen Fehler in deiner Argumentation finden. Aber ich weiß, daß da ein Fehler sein muß, denn die Schlussfolgerung deiner Argumentation widerspricht ja meinem Standpunkt, und ich weiß ja, daß mein Standpunkt richtig ist. Also verstehe ich dich nicht. Und da ich nicht dumm bin, verstehe ich dich nicht, weil du dich nicht klar ausdrücken kannst."
In diesem Stadium versackt eine Diskussion dann für gewöhnlich indem sich die Teilnehmer im Kreis drehen und die schwächere Seite immer wieder erklärt, der andere rede dummes Zeug und solle mal klarstellen, wie sie was meint.
Doch auch bei der argumentativ stärkeren Seite in einer solchen Auseinandersetzung kann sich zeigen, daß der eigene Standpunkt als unumstößlich wahr betrachtet wird, nämlich an der Leichtfertigkeit, mit der über Fehler und Unschlüssigkeit in Argumentationen hinweg gegangen wird, sofern diese den eigenen Standpunkt untermauert. Als Beispiel soll hier der Fall genügen, daß jemand ein mathematisches Modell präsentiert, mit dem gezeigt werden soll, daß eine nicht etablierte Position falsch sein muß. In einem solchen Fall zeigen die Verfechter der etablierten Position erstaunlich wenig Interesse daran, ob dieses Modell schlicht falsch ist oder nicht - und dies selbst dann, wenn sie sich gegenüber der nicht etablierten Position auch ohne dieses Modell in einer argumentativ vorteilhaften Position befinden [13]. Der Gedankengang hier ist:
"Es spielt im Grunde keine Rolle, ob das Modell jetzt stimmt oder nicht. Denn letztlich weiß ich ja, daß die Schlussfolgerungen des Modells richtig sind, selbst wenn das Modell selbst falsch sein sollte. Denn die Schlussfolgerungen decken sich mit meiner Position, von der ich weiß, daß sie richtig ist."
Dies ist der gleiche gedankliche Mechanismus, der es Journalisten erlaubt, immer und immer wieder falsche Bilder von russischen Panzern in der Ukraine zu präsentieren.

Letztlich ist alles egal, denn ich weiß sowieso, daß ich recht habe. Und letztlich glauben wir das alle für uns selbst (der Autor dieses Textes und dessen Leser natürlich ausgenommen!).
Gefährlich wird es nur, wenn die gesellschaftlichen Kontrollmechanismen versagen, die dafür sorgen sollen, daß niemand sich mit seinem Rechthaben dauerhaft von der Realität abkoppeln kann...

Montag, 25. Januar 2016

Christentum für Neuabendländer

In diesen politisch bewegten Zeiten finden sich in Deutschland immer mehr Menschen zusammen, die erstmals mit dem christlichen Abendland, seinen Werten, seiner Religion und Kultur in Berührung kommen. Oftmals kommt es dabei aus Ahnungslosigkeit und Unkenntnis zu bedauerlichen Mißverständnissen und Schwierigkeiten, ein gesellschaftlich angemessenes Verhalten an den Tag zu legen. Ein Weg, unangenehmen Situationen vorzubeugen und das Zusammenleben in Deutschland zu erleichtern, besteht im Erstellen von Flyern und kleinen Informationsbroschüren, die über die hiesige Kultur und ihre Gepflogenheiten aufklären. Da möchte DWüdW, stets im Dienste für den Frieden und die Freundschaft zwischen allen Völkern und Nationen (außer Frankreich), einen bescheidenen Beitrag leisten und eine kleine und handliche Übersicht über den christlichen Glauben bereitstellen. Für manch einen Neuabendländer mag diese kompakte Einführung nützlich sein, und vielleicht kann auch der ein oder andere Flüchtling davon profitieren…

Christliche Kultur kompakt


1. Geschichte
Die Geschichte des Christentums ist nicht weiter kompliziert und schnell erzählt. Es begann vor langer Zeit mit einer kleinen Weltuntergangssekte für Ziegenhirten in einem nahöstlichen toten Winkel des römischen Reichs. Kein gebildeter und zivilisierter Mensch dieser Zeit, als solcher ohnehin eher in Alexandria, Athen oder Rom zu hause, hätte diesen Unsinn auch nur für eine Sekunde ernst genommen. Es mag heute schwer vorstellbar sein, aber in der antiken Welt hatte das junge Christentum in etwa ein Standing wie es heute eine UFO-Sekte aus Erfurt hätte. Allerdings hatte die neue Religion einen entscheidenden Pluspunkt: Pflegten andere Religionen Stärke und Macht zu bevorzugen und sich um Herrscher und Helden zu sorgen, lehrte das Christentum dagegen all die Verlierer, Habenichtse und Vergessenen der Welt, dass dem Schöpfer des Universums gerade an ihnen besonders viel läge. Und da aus irgendeinem komischen, noch von keinem eminenten Denker bisher analysierten Grund die Verlierer, Habenichtse und Vergessenen überall und immerfort den größten Teil einer Gesellschaft ausmachen, fand die christliche Lehre den idealen Nährboden für ihre Ausbreitung.
Als dann im frühen 4. Jahrhundert ein junger, aufstrebender Usurpator namens Konstantin unter Einbeziehung der militärischen Option nach der Macht im ganzen römischen Reich griff, da fragte er sich, wie er seine Soldaten zu robusten Maßnahmen zur Stabilisierung der Sicherheitslage gegen einen zahlenmäßig überlegenes Heer ordentlich motivieren könnte. Er entschied sich für ein christliches Symbol als brandneues Feldzeichen, faselte irgendwas von einer Vision, und tatsächlich kam er mit der Nummer durch. Er gewann, eher wegen eines strategischen Patzers seines Gegners als mit göttlicher Hilfe, die Schlacht an der Milvischen Brücke, die Welt wurde die seine, und der Aufstieg des Christentums von einer drolligen Weltuntergangssekte hin zu einer die Menschheitsgeschichte prägenden Macht war nicht mehr aufzuhalten.

2. Lehre
Die Einzelheiten der christlichen Lehre sind, wie bei Weltuntergangs- und UFO-Sekten ja nicht unüblich, etwas verworren und mitunter bizarr. Das macht aber weiter nichts, die meisten Christen kennen die Details auch nicht, von Verstehen gar nicht erst zu reden. Im Wesentlichen zeichnet sich das Christentum durch eine tief verwurzelte Friedfertigkeit und Menschenliebe aus, so lehrt die Heilige Schrift z.B.
"Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen"
Mt 5, 44
"Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin."
Mt 5, 39

Man muss sich den Christen also in etwa so friedfertig und harmlos vorstellen wie einen Buddhisten im Coffee-Shop. Nun mag man sich schon fragen, wie eine Religion mit einer so rückgratlosen Weicheier-Agenda jemals zur erfolgreichsten Religion der Welt hat aufsteigen können? Dies liegt an einer bemerkenswert hohen Adaptionsfähigkeit des christlichen Denkens. Dienten die Christen zur Zeit, als sie über keinerlei politische Macht verfügten, unter Lobpreisungen des Herrn noch bereitwillig als Löwenfutter, erklärte Papst Gregor I, im 6. Jahrhundert in einer soliden Machtposition, dass man Ungläubige ruhig solange foltern könne, bis sie die Wahrheit der christlichen Friedensbotschaft endlich erkennen. Bei der Eroberung der Amerikas tauften die Pfaffen die Einheimischen erst bevor die Konquistadoren sie dann erschlugen. So erretteten sie deren unsterblichen Seelen und es kam zu dem positiven Nebeneffekt, dass die so Erretteten ihrer irdischen Reichtümer nicht länger bedurften, so dass man diese getrost an sich nehmen konnte.
Dem modernen Betrachter mag es schwer vorstellbar sein, dass die Christen diese menschenverachtende Heuchelei wirklich geglaubt haben. Man sollte aber bedenken, dass heutige Christen auch ernsthaft glauben, ihre Armeen bombardierten andere Länder der Welt nur, um die Menschen dort von Tyrannei und Elend zu erretten. Und dass der Zugriff auf die dortigen Öl- und Gasvorräte höchstens ein Nebeneffekt sei zur bescheidenen Gegenfinanzierung der geleisteten Wohltaten.

3. Haltung zu Flüchtlingen
Die Bibel ist voll von zentralen Figuren mit Migrationserfahrungen. Abraham ist als Armutsflüchtling nach Ägypten gegangen, der menschgewordene Gott ist in seiner Daseinsform als Baby-Jesus vor einer politisch motivierten Säuberungswelle mit seiner Mutter und deren Ehemann ins Ausland geflohen und die Urchristen sind andauert vor religiöser Verfolgung abgehauen. Da ist es nur konsequent, daß die Bibel von Anfang bis Ende eine durchgehend positive Haltung gegenüber Flüchtlingen einnimmt, z.B.:
"Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott."
3. Mose, 19, 34

Ja, da lässt das Wort Gottes des Allmächtigen zur Abwechslung mal wenig Spielraum für Interpretationen. Er verzichtet auf jede Art von Einschränkungen wie "sofern sich die Fremden integrieren", "bis eine Obergrenze erreicht ist" oder "sofern die Fremden den örtlichen Fussballverein in die Champions League schiessen". Es ist daher kaum denkbar, dass ein christliche Politiker auf die Idee käme, durch irgendwelche einschränkenden Forderungen den Willen Gottes infrage zu stellen.

Ebenfalls eher unchristlich ist die Idee der Kollektivschuld und Kollektivstrafe. Die christliche Kultur betont sehr die individuelle Verantwortung und ggf. Schuld, was sich zum Beispiel in Abrahams Konversation mit Gott anlässlich der angedachten Zerstörung von Sodom und Gomorrah zeigt:
"Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort? Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten? Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben. Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin. Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde. Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun. Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde. Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten. Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten. Nachdem der Herr das Gespräch mit Abraham beendet hatte, ging er weg und Abraham kehrte heim."
1. Mose 18, 24-33

Zugegeben, das mag jetzt etwas umständlich und langatmig formuliert worden sein, aber unter literarischen Gesichtspunkten ist das Wort Gottes nun mal noch ausbaufähig. Auf jeden Fall fand Gott dann nur einen Gerechten, den aber ließ er zumindest aus der Stadt führen bevor er ihr mit gezielten Luftschlägen ein verdientes Ende bereitete. Man sieht also, es wäre im christlichen Wertesystem schwer vorstellbar, eine ganze Gruppe von Menschen, sagen wir man "Nordafrikaner", pauschal zu verurteilen und eine Einzelfallprüfung zu verweigern, selbst wenn es nur zehn Gerechte unter ihnen geben sollte.

4. Praxis des Zusammenlebens
In der Praxis mag es unter Umständen zu einigen Widersprüchen im Verhalten der Christen und der christlichen Kultur als solche kommen. So kann es durchaus passieren, dass Menschen die christlichen Werte preisen und verteidigen und mit "christlichen Werten" den Weihnachtsbaum und den Osterhasen meinen und sonst nichts. Hier aber sollte man einfach den christlichen Hang zu Heuchelei und Lüge für sich arbeiten lassen. Auch wenn man sich dabei ein bisschen blöd vorkommen mag, stellen Sie einfach am Jahresende einen abgehackten Tannenbaum in ihre Wohnung, stopfen sie die Hammelkeule vor dem Braten kleingehackt in des Hammels eigenen Darm zurück und betonen Sie, daß Sie Frauen respektieren, sofern diese in der Gemeinde schweigen und alte Männer in komischen Klamotten vor einer Abtreibung oder Scheidung um Erlaubnis fragen. Schon werden sie keine Probleme mehr mit den Verteidigern des christlichen Abendlandes haben!

Und nun viel Spaß im christlichen Abendland!

Mittwoch, 13. Januar 2016

Das Böse unter uns

Im Jahr 2015 sind laut Bundesinnenministerium 1 091 894 neu eingetroffene Menschen in Deutschland als Asylsuchende registriert worden.

Die Stadt Köln hat 1 039 488 Einwohner (Stand 30.6.2014).

2015 ist also ziemlich genau die Bevölkerung einer Stadt wie Köln als Schutzsuchende in Deutschland eingetroffen. Passen diese Menschen zu uns? Sind das nicht womöglich überwiegend Kriminelle, die unser Wertesystem nicht begreifen oder teilen wollen?

Mal gucken.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2014 für das Stadtgebiet von Köln listet 4 Morde, 21 Fälle von Totschlag, 199 Fälle von Vergewaltigung oder schwerer sexueller Nötigung und 147 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern auf. Außerdem 1 774 Raubdelikte, 3 406 Fälle schwerer oder gefährlicher Körperverletzung und 22 210 Betrugsfälle.

Im Jahr 2013 waren es 10 mal Mord, 25 mal Totschlag, 198 mal Vergewaltigung oder schwere sexuelle Nötigung, 163 mal Kindesmissbrauch, sowie 1 851 mal Raub, 3 488 mal schwere Körperverletzung und 23 413 mal Betrug.

Für 2012 sind es 10 Morde, 32 Totschläge, 286 Vergewaltigungen, 170 mal Kindesmissbrauch, 1 853 Fälle von Raub, 3 518 schwere Körperverletzungen und 25 344 Betrugsfälle.

Man könnte noch etwas weiter zurück gehen in der Zeit, tut sich aber nicht viel. Die Geschlechtsverteilung unter den Tatverdächtigen ist übrigens auch sehr stabil, es sind immer 74% Männer.

Und damit haben wir doch so eine Vorstellung, wann diese Asylantenflut kriminell ist: Bringen alle 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge zusammen im Jahr nicht wesentlich mehr als so 30 bis 40 Menschen um, Vergewaltigen sie nicht mehr als 200 mal und mißbrauchen sie nicht wesentlich mehr als 150 Kinder, rauben sie nur 1 800 und betrügen sie nur 25 000 mal - und sind dann noch Dreiviertel der Täter Männer - dann passen sie zu uns! Denn dann sind sie im Ganzen weder Heilige noch Monster, sondern ganz normale Menschen wie die, die schon hier sind. Und das Neu-Köln ist nicht krimineller als das alte Köln, das wir haben seit die Südländer kamen es uns an den Rhein bauten.

Das nur mal so als Erinnerung, wenn einmal mehr irgendwo zu sehen oder zu lesen ist, welches Verbrechen aktuell wieder von "als Flüchtling in Deutschland registrierten" Personen begangen worden sei…


PS:
1) Nein, ich will damit die kein Verbrechen verharmlosen, ich halte auch jede der genannten schweren Straftaten für eine zuviel.
2) Ja, ich weiß, daß in Großstädten die Verbrechensraten höher sind als im Mittel der Bevölkerung und daher ein Vergleich mit den bundesweiten Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik angemessener wäre. Dabei geht aber die Anschaulichkeit etwas verloren. Wer will, dann einen Abschlag nehmen, die wesentliche Botschaft ändert sich dadurch nicht.

Montag, 14. Dezember 2015

Kinder machen in Zahlen

Es kotzt einen an, man kann es nicht mehr hören! Diese Angst vor der Gebärfreude der Nicht-Arier! Je nach persönlichem Geschmack des Nazis fürchtet der sich wahlweise vor der Vermehrung des Moslems oder der des Afrikaners. Und er ruft nach abgedichteten Grenzen, auf das die Flut der Nicht-Arier den arischen Kulturbegründer nicht hinfort reiße! Schon wieder geht so ein Schwachsinn um, diesmal hat Björn Höcke von der AfD seine evolutionsbiologischen Einsichten zur Vermehrung des Afrikaners unter die Menschen gebracht und ich will den Mist nicht einmal im Original verlinken. Aber man könnte sich ja einmal etwas gründlicher mit der Frage beschäftigen: Gibt es sie überhaupt, die gefürchtete ungehemmte Vermehrung der Muslime und Afrikaner? Also mal los.

Wir brauchen erst einmal ein Maß für die Fortpflanzungsfreudigkeit der Menschen in verschiedenen Ländern der Welt. Dazu können wir etwa die "Zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer" verwenden. Diese Zahl gibt an, wie viele Kinder eine Frau (hypothetisch) in ihrem  Leben zur Welt brächte, würde sie ihr Leben im Zeitraffer innerhalb eines Jahres durchleben, mit den für dieses Jahr gültigen altersspezifischen Fruchtbarkeitsziffern. Diese Zahl variiert erheblich zwischen verschiedenen Ländern der Erde. Um einen einheitlichen und auch bequem herunter zu ladenden Datensatz für die ganze Welt zu bekommen, machen wir es uns einfach und greifen zum CIA World Factbook, da gibt's alles was es braucht.
Außerdem wollen wir noch ein Maß für den materiellen Wohlstand in der Welt verwenden. Hier machen wir es auch ganz einfach und nehmen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Ja, das ist ein ziemlich grobes und diskussionswürdiges Maß, aber für eine Übersicht wird es schon tun. Diese Werte nehmen wir auch von der CIA, kaufkraftbereinigt und angegeben im internationalen Dollar. Wenn wir die die Fortpflanzungsfreudigkeit (angegeben in der Anzahl der Kinder pro Frau) gegen den Wohlstand (angegeben im BIP pro Kopf) auftragen, dann sieht das für die Länder der Erde so aus:
Offenkundig gibt es einen ganz ausgesprochen starken Zusammenhand zwischen dem Wohlstand und der Anzahl der Kinder, die eine Frau im Leben erwarten kann. Sehr arme Länder, mit einem pro-Kopf BIP unter etwa 10 000$, haben eine sehr hohe Fruchtbarkeit. Bei reicheren Ländern gibt ist sie sehr viel geringer, und es gibt eine leicht abnehmende Tendenz mit ansteigendem Wohlstand.

Hier sind einige Warnungen zum Diagramm angebracht: Die CIA-Datenbank listet nicht nur einzelne Länder auf, sondern spaltet auch manche Länder in Regionen (z.B. sind die Falklandinseln separat von Großbritannien gelistet). Auch politisch umstrittene Regionen wie der Gazastreifen sind aufgeführt. Dadurch gibt es mehr Datenpunkte als Länder auf der Erde. Außerdem gibt es (mindestens) zwei Probleme. Zum einen sind manche Bevölkerungen so klein, daß die Zahlen kaum statistischen Wert haben. Boris Becker allein könnte in manchen kleinen Ländern die Einkommensstatistik durcheinander wirbeln. Oder die Geburtenstatistik… Zum anderen ist für einige Länder die Datenlage ausgesprochen unsicher und die Werte bestenfalls grobe Schätzungen. Um keine willkürlichen Auswahlkriterien einzuführen, nehme ich einfach alle verfügbaren Datenpunkte mit. Man sollte in diesem Fall aber keinen zu großen Wert auf einen einzelnen Punkt legen und sich auf das grobe Bild beschränken.

Man erkennt also schon jetzt den großen Einfluß des Wohlstands auf die menschliche Fortpflanzung. Nun können wir genauer in die Diagramme gucken und nach Religionen oder geographischen 
Regionen sehen.


Religion


Zuerst wollen wir nach dem Einfluß der Religion auf die Fruchtbarkeit suchen. Dazu können wir ebenfalls aus der CIA-Datenbank die in den einzelnen Ländern vertretenen Religionen und ihre Anteile heraussuchen. Wir teilen die Länder der Erde in drei Gruppen auf: Diejenigen, in denen Christen die absolute Mehrheit der Bevölkerung stellen (alle Geschmacksrichtungen der Christentums werden zusammengezählt), diejenigen Länder, in denen die Muslime die absolute Mehrheit der Bevölkerung stellen (auch hier werden alle muslimischen Geschmacksrichtungen zusammen genommen). Und die Länder, in denen eine andere oder keine Religion die absolute Mehrheit der Bevölkerung hinter sich vereint.
Färben wir die Datenpunkte entsprechen ein, dann sieht das so aus:
Offenbar fallen muslimische Länder nicht besonders gegenüber den christlichen Ländern aus dem allgemeinen Trend heraus. In reichen bis sehr reichen muslimischen Ländern ist die Fruchtbarkeit der Frauen ähnlich niedrig wie in reichen christlichen Ländern, in armen muslimischen Ländern ist sie in etwa so hoch wie in armen christlichen Ländern. Man könnte beim längeren Ansehen des Diagramms allenfalls den Eindruck gewinnen, in reichen, muslimisch geprägten Ländern sei die Fruchtbarkeit ein kleines bisschen höher als in christlichen Ländern, und dort wiederum ein wenig höher als in sonstigen Ländern. Was die reichen muslimischen Länder angeht, so lohnt sich ein kurzer, genauerer Blick.

Wir können die zeitliche Entwicklung der Fruchtbarkeit in reichen muslimischen Ländern ansehen, die Daten dazu gibt es bei der Population Division der Vereinten Nationen. Im folgenden Diagramm vergleichen wir die modellierte Fruchtbarkeit in drei sehr muslimischen Ländern, Saudi-Arabien, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten, ab 1950. Auch eingetragen ist eine Prognose bis 2050.  Die grau unterlegte Fläche in den Diagrammen geben dabei die Grenzen für eine hohe und niedrige Prognose, sie geben ein zumindest ungefähres Gefühl für die Unsicherheit der Modelle. Zum Vergleich ist auch Deutschland eingetragen.
Die drei wohlhabenden muslimischen Staaten haben einen drastischen Einbruch in der Fruchtbarkeit durchgemacht, in 50 Jahren ist die Fruchtbarkeit von etwa 7 auf 2 Kindern pro Frau abgestürzt! Und die Entwicklung ist noch nicht am Ende. Glaubt man den Prognosen, dann sind diese muslimischen Länder im Jahre 2050 in Sachen Fruchtbarkeit mehr oder weniger da, wo Deutschland auch ist.
Nun ist es schon bemerkenswert, daß selbst in den konservativsten muslimischen Ländern die Tendenz dieselbe ist wie in reichen christlichen Ländern. Religion oder Feminismus spielen womöglich nur eine untergeordnete Rolle, und mit dem Wohlstand nimmt die Zahl der Kinder so oder so ab. Und wenn wohlhabende muslimische Länder noch leicht höhere Fruchtbarkeitsraten haben als vergleichbar reiche christliche Länder, dann ist das möglicherweise nur Folge des späten aber umso heftigeren Einbruchs in der Fruchtbarkeit, die sich noch nicht wie in Deutschland auf niedrigerem Niveau stabilisiert hat.


Afrika


Als Zweites wollen wir noch nach Höckes vermehrungsfreudigen Afrikanern sehen. Genau genommen meint er wohl das Afrika südlich der Sahara. Heben wir also diese Länder im Diagramm farbig hervor:
Also stimmt es schon, die Länder südlich der Sahara haben im Schnitt eine sehr hohe Fruchtbarkeit. Allerdings sind diese Länder auch sehr arm. Und im Großen und Ganzen fallen diese Länder nicht aus dem weltweiten Trend zwischen Wohlstand und Fruchtbarkeit heraus.

Einzig zwei Datenpunkte passen gar nicht in dieses Diagramm, die beiden wohlhabendsten Länder südlich der Sahara laut diesem Diagramm. Diese beiden Länder sind Äquatorialguinea und Gabun. Und diese Länder sind sehr problematisch was die Qualität der statistischen Daten angeht. Unterschiedliche Quellen (CIA, Weltbank, die Staaten selbst) geben sehr unterschiedliche Werte an, die sich in kurzer Zeit stark ändern. Von Äquatorialguinea ist nicht einmal die Einwohnerzahl bekannt, die Werte reichen von 0.7 bis 1.7 Millionen Einwohner. Diese beiden Punkte taugen daher gar nichts und man sollte sie vor einer Betrachtung ausklammern.

Die Bevölkerungen der reicheren afrikanischen Länder, Südafrika, Botswana, Namibia, haben eine Fruchtbarkeit, die nicht anders ist als die in vergleichbar reichen Ländern in anderen Teilen der Welt.
Zum Schluß können wir noch mal die zeitliche Entwicklung der Fruchtbarkeit in zwei sub-Sahara-Staaten vergleichen, dem selbst für afrikanische Maßstäbe sehr armen Burundi und dem für afrikanische Verhältnisse durchaus wohlhabenden Botswana. Die Daten kommen wieder von der UN, außerdem ist noch die Entwicklung des BIP pro Kopf in das Diagramm eingetragen. Die Zahlen dazu stammen vom Datensatz der Weltbank.
Beide Länder wiesen 1950 eine vergleichbar hohe Fruchtbarkeit auf. Im sehr viel wohlhabenderen Botswana ist diese aber früher und viel stärker eingebrochen als im armen Burundi. Für Botswana sagt die Prognose für 2050 eine Fruchtbarkeit um die 2 Kinder pro Frau voraus, womit auch dieses südafrikanische Land an Bereiche heran kommen würde, in denen auch reiche muslimische und europäische Länder zu erwarten sind.


Fazit


Das Fazit ist ganz einfach. Es gibt in der Welt keine besonders hohe muslimische Fruchtbarkeit und keine besonders hohe afrikanische Fruchtbarkeit. Alles, was es gibt, ist eine hohe Armutsfruchtbarkeit. Ob ein armes Land in Afrika liegt oder nicht oder ob es muslimisch ist oder nicht, spielt gegen kaum eine Rolle.

Natürlich haben wir bisher nicht über einen ursachlichen Zusammenhang zwischen BIP und Fruchtbarkeit gesprochen, nur über eine Korrelation. Man kann lange und ausgiebig Vermutungen anstellen, wie und wieso diese beiden Größen so eng zusammen hängen. Wissen über und Zugang zu Instrumenten der Familienplanung könnten eine Rolle spielen, die Kosten für das Ausziehen eines Kindes, die Vielfalt in Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens in reichen Gesellschaften. Und auch die soziale Versorgung und Absicherung. In sehr armen Ländern ist eine Absicherung gegen Krankheit und des Alters nur über die eigenen Kinder möglich, daher sind sehr viele Kinder anzuraten. Erst wenn die Produktivität hoch genug ist, kann die soziale Absicherung selbst erwirtschaftet werden.
Und am Ende gibt es dann doch noch einen Anschlußpunkt an Björn Höcke.
Wenn sich die Nazis in ihrer schlichen Einfalt tatsächlich so sehr vor der Vermehrung der Nicht-Arier gruseln, dann liegt doch eine Verteidigungsstrategie auf der Hand! Man muß den Negern und Muselmanen nur zu mehr Wohlstand verhelfen! Dann sollten die ganz von alleine weniger Nachwuchs produzieren. Und wer daheim einen bescheidenen Wohlstand erlangt, der hat auch weniger wirtschaftlichen Anreiz, in die europäischen Kulturnationen zu fliehen. Am Ende hätten die Menschen und ihre wenigen Kinder bessere Lebensaussichten, was dann auch den Gutmenschen freut.
Nazi und Gutmensch Hand in Hand gegen die Armut in der Welt, das wird eine Querfront! Aber dem Höcke gebe ich bei einer Lichterkette nur die Hand, wenn ich Gummihandschuhe tragen darf. Ganz, ganz dicke Gummihandschuhe. Bis über die Ellenbogen!

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Fascho-Ich

Eigentlich bin ich eine sehr tolerante Person. Und ich komme auch super mit den Menschen klar. Wie hat schon der Olle Fritz gesagt? Jeder soll nach seiner Fassong selig werden! Genau das ist auch mein Motto! Trotzdem finde ich, es gibt schon so gewisse Grenzen, da muß man's auch nicht übertreiben.

Rauchen zum Beispiel. Kann ich nicht leiden. Und das muß ja auch nicht sein, das Rauchen. Schließlich schadet man sich damit ja nur selbst. Die Raucher wissen das natürlich auch, aber sie sind so süchtig, so abhängig, da können die sich nicht mehr helfen. Aber dann ist da noch die Schädigung ihrer Mitmenschen! Giftiger Rauch, Gestank, Zigarettenstummel auf der Straße. Und die Kosten für ihre gesundheitlichen Schäden, die bürden sie auch der Allgemeinheit auf. Ich finde, hier kann man wirklich ruhig mal ein bisschen nachhelfen, so mit Tabaksteuer und Rauchverboten und so. Ist ja auch zu deren besten, wenn diese Leute mal ein bisschen auf ihre Gesundheit und auf das Wohlbefinden ihrer Mitmenschen achten.

Und diese Fettleibigen, die kann ich auch nicht leiden. Die sehen ekelhaft aus, die Fetten. Und die nehmen in der U-Bahn gleich zwei Sitzplätze weg für ihre eine Fahrkarte. Und die Kosten für all die medizinischen Behandlungen für ihre Diabetes und die Gelenkprobleme und was nicht alles, die darf ich auch mit meinen Krankenversicherungsbeiträgen mitfinanzieren. Ich finde, hier könnte man ruhig mal ein bisschen eingreifen, so mit Fettsteuer und Lebensmittelampeln und so, daß diese Leute sich nicht so gehen lassen und mal ein bisschen auf sich achten. Tu' ich ja auch! Und dieses ganze Fressen, das muß ja auch nicht sein.

Überhaupt, dieses ganze Essen... Exzessive Fleischkonsum, den finde ich auch nicht gut. Und der muß ja auch nicht sein. Aber die Leute essen lauter Fleisch, jeden Tag, und die Hormone aus der Massentierhaltung, die haben wir alle dann im Grundwasser, und das bei der Tierzucht freigesetzte Methan ist noch schlimmer für den Klimawandel als Kohlendioxid und die Rechnung zahlen wir alle. Auch die, die gar nicht so viel Fleisch essen und lieber ein bisschen auf sich achten, so wie ich. Ich finde nämlich schon, daß man sich da schon mal ein bisschen zurücknehmen kann und nicht jeden Tag Fleisch essen muß. Dafür kann man sich dann ja ab und zu ein schönes Stück Fleisch aus dem Bioladen holen. Mach ich selbst ja auch.

Ach ja, und Schwulen, die übertreiben es auch, finde ich. Ich mein', ich hab ja nichts gegen die Schwulen, wirklich nicht. Aber müssen die ständig in der Öffentlichkeit auf ihre sexuelle Orientierung hinweisen, so mit Christopher Street Day und Gay Pride und in irgendwelchen Talkshows und so? Ich mein', das mach ich ja auch nicht, und das muß ja wohl auch nicht sein.

Und, da fällt mir jetzt noch ein, wenn jemand den Glauben anderer lächerlich macht, das finde ich auch gar nicht gut. Ich mein', jeder hat das Recht, nach seiner Façon glücklich zu werden, und da muß man sich dann auch nicht drüber lustig machen. Ich mache mich ja auch nicht über andere lustig. Und ich finde, da sind die dann auch ein Stück weit selbst mit Schuld, wenn die sich über den Glauben anderer lustig machen und dann mal einer durchdreht und die dann wegknallt oder sowas.

Gut, zum Schluß sollte ich vielleicht noch die Ausländer erwähnen. Nein - ich habe überhaupt nichts gegen Ausländer, überhaupt nicht! Aber daß die sich anpassen, das kann man ja irgendwie schon erwarten, oder? Ich mein', ich hab mich ja auch angepasst. Mein Leben lang. Da kann man das von den Ausländern ja irgendwo auch erwarten. Und das tun sie leider nicht. Sonst würde man ja nicht auf den ersten Blick erkennen, daß die Ausländer sind. Ich mein', so einem Juden hier bei uns, dem sieht man ja auch nicht schon von Weitem auf der Straße an, daß der ein Jude ist, nicht? Ist klar, was ich meine, oder? Da muß man ja vorsichtig sein, wenn man was mit Juden sagt, da wird man ja sonst schnell mißverstanden. Aber die Ausländer, die kommen hierher und wollen alles geschenkt haben. Und natürlich geht das nicht, und so leid es mir tut, da muß man dann auch konsequent sein und das stoppen. Mir hat ja schließlich auch niemand was geschenkt. Alles, was ich habe, habe ich mir ganz allein selbst verdient. Und da darf ich doch schon ein bisschen stolz drauf sein, finde ich.

Sie sehen, eigentlich erwarte ich von niemanden irgend etwas, das ich nicht selbst zu tun bereit bin. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich so gut mit meinen Mitmenschen auskomme. Das einzige, was ich aufs Verrecken nicht ausstehen kann, das sind Menschen, die anders sind als ich. Aber das muß ja auch keiner sein, nicht wahr?

Donnerstag, 12. November 2015

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Ein anonymer Kommentator hatte zum letzten Post, dem über Fleischhauer und Pirinçci, einen Kommentar hinterlassen, den ich so interessant fand, daß ich ihm unbedingt antworten wollte. Und dann wurde die Antwort länger und länger und am Ende ist es vielleicht besser, ich antworte gleich in einem neuen Post. Also, diesem hier. Und nun mal ausführlich durch die Zeilen von Anonym!
"Nun habe ich mich schon gefreut endlich mal Argumente gegen Aussagen und Meinungen von Leuten wie diesen Katzenkrimischreiber zu lesen, wieder nichts."
Und das glaube ich sofort - daß sich viele über eine argumentative Auseinandersetzung mit den Aussagen und Meinungen des Katzenkrimiautors und seiner Freunde im Geiste freuen würden. Denn dadurch würden diese als ernsthaft diskutabel aufgewertet. Das Problem ist nur, man kann diesen Meinungsäußerungen gar nicht argumentativ begegnen, nicht einmal, wenn man wollte. Dazu sind diese Aussagen viel zu wirr, viel zu unsinnig. Ich geben mal ein kleines Beispiel. Hier ein Zitat aus einem Text von Akif Pirinçci aus seinem angekündigten Buch "Umvolkung", seinem Blog entnommen:
"Außerdem kommt bei den Flüchtilanten ein negatives Element hinzu, welches jede westliche Gesellschaft, im Grunde jedwelche Gesellschaft irgendwann sprengt. Nämlich das Element der arabisch muslimischen Überflüssigkeit des Seins und die zwar für den gestreßten Westler sympathischen, allerdings allein im Südafrika-Urlaub tolerierbaren Afro-Lethargie, vom zigeunerischen oder albanischen Element ganz zu schweigen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Man kann es auch ganz einfach ausdrücken, mit solchen Leuten ist kein Staat zu machen, schon gar kein deutscher. Die einen beschäftigen sich vor allem anderen und zuvörderst mit dem allahischen Götterwesen, für das sie bereit sind, ihre Kinder zu debilen Ochsen zu erziehen und sogar die eigene Existenz zu zerstören, und die anderen glauben, daß Porsches und geile Chicks auf westlichen Bäumen wachsen, ohne daß man dafür einen Finger krumm zu machen braucht. 
Bereits im nächsten Frühling wird diese homogene Masse ihre charismatischen Führer gebieren, die schlauer und wortgewandter sind, als die einzelnen Doofs in der Essenschlange in der Turnhalle."
Als erstes könnte ich mich jetzt natürlich darüber auslassen, daß es sich hier gar nicht um Meinungen handelt, sondern schlicht um eine besonders plumpe Wiedergabe tiefrassistischer Klischees, und das so etwas völlig inakzeptabel ist. Dann wir mir im Gegenzug vorgeworfen werden, ich sei ein verschwulter Gutmensch, der naiv den Ernst der Lage und die Dummheit der "Flüchtilanten" ignoriert, und wir alle sind glücklich. Die andere Seite, weil es wieder nicht gelungen ist, die Meinung Pirinçcis argumentativ zu widerlegen, sondern nur einmal mehr moralisierendes Gutmenschengetue ausgeschüttet wurde. Und ich, weil die Schmähungen mancher Menschen ein Lob sind. Also lasse ich es.

Dann könnte ich mich mit den schrecklichen Misshandlungen von Sprache und Logik beschäftigen. Was etwa sollen "Flüchtilanten" sein? Flüchtlinge und Asylanten? Alle? Manche? Sind das die "Invasoren" aus anderer Stelle? Oder ist das nur eine Phantasiegruppe in Pirinçcis Kopf? Am Ende meint Pirinçci mit diesem Begriff nur die, die er eben meint...
Oder was ist mit der Stelle "Außerdem kommt bei den Flüchtilanten ein negatives Element hinzu…", nämlich dieses und dieses und auch noch dieses und dieses? Moment, das waren vier…?
Oder was ist mit der Aussage, die "arabisch muslimische Überflüssigkeit des Seins" würde "irgendwann jedwelche Gesellschaft sprengen"? Was soll das heißen? Ist in der arabischen Welt das Sein überflüssig? Ist das Sein der arabischen Welt überflüssig? Und wie sprengt die Überflüssigkeit des Seins Gesellschaften? Man weiß es nicht, und man möchte auch nicht Priniçcis Katzenbuchlektor gewesen sein. Aber man kann zumindest vermuten, daß die "Überflüssigkeit des Seins" als vermeintliches Element der arabisch-muslimischen Gesellschaft in ihr selbst besonders konzentriert vorliegt. Und trotzdem hat sich diese als historisch sehr stabil erwiesen - schließlich bereitet es den besorgten Bürgern Europas doch gerade solchen Kummer, daß muslimisch-arabische Gesellschaften eben nicht so leicht auseinander fliegen würden, oder nicht?

Dochdoch, Prinçcis Werk hat wirklich was von Mein Kampf - Da stehen auch zuhauf solche sprachlichen Missgriffe drin ("Es wird aber nie ein Fuchs zu finden sein, der seiner inneren Gesinnung nach etwa humane Anwandlungen Gänsen gegenüber haben könnte"). Vielleicht hatte Hitler aber auch einfach nur den selben unfähigen Lektor...
Aber all das will ich auch nicht im Detail ausbreiten. Schließlich stammt der Text nur aus einem Blogbeitrag und ist nicht das Werk eines professionellen Autors…!

Nein, worauf ich im Grund hinaus will, ist die homogene Masse. Wir werden laut Pirinçci bedroht von einer arabisch-muslimisch-zigeunerisch-albanisch-christlich-afrikanischen homogenen Masse, die sich nur für Allah oder Porsches und Weiber interessiert. Und jetzt mal jenseits aller Ethik und Sprachmäkelei: Das ist einfach nur… nur… Scheiße. Brägenbei. Gaga. Einem Menschen, dem arabisch-muslimisch-zigeunerisch-albanisch-christlich-afrikanische "Elemente" ernsthaft als homogene Masse vorkommen, dem kann man nicht argumentativ begegnen. Da könnte man auch einen Chiropraktiker auf eine Qualle loslassen. Zur Argumentation bedarf es eines Mindestmaßes an Differenzierungsvermögen, und nicht einmal das bringen Pamphlete wie die eines Pirinçci auf. Insofern kann der sich freuen, er wird nie von seinen Gegnern argumentativ in die Ecke getrieben werden. Und das kann ja auch Strategie sein…
Ansonsten nein, das Zitat ist von mir nicht besonders böswillig ausgesucht. Dieser Stil ist typisch für Pirinçcis "Aussagen". Aber nu weiter.
"Nur die ewig gleiche Leier über die Form."
Eigentlich hatte ich Pirinçcis Pipi-Kacka-Fotze-Form ja überhaupt nicht angesprochen...
"Dazu dann noch ein Exotenbeispiel von irgendeiner Type Anno 2008 hoch im Norden [gemeint ist Anders Breivik], das war's. In diesem Kontext ist es übrigens nichts weiter als Denunziation da sich die Typen [Akif Pirinçci und Anders Breivik] nicht aufeinander beziehen und vermutlich nicht mal kennen."
Stimmt schon, die beiden beziehen sich nicht aufeinander. Inwieweit sie sich, also d.h. ihre Ideen, kennen, darüber kann man natürlich nur mutmaßen. Ich glaube aber nicht, daß es Denunziation (oder eher Verleumdung) ist, auf ein gemeinsames Weltbild hinzuweisen, selbst wenn es unabhängig voneinander entstanden sein sollte. Oder um wieder einmal diesen Hitler zu bemühen: Wenn jemand sagt, er hasse die weltregierenden Juden, dann muß er schon aushalten, sollte sein Weltbild in der Tradition Hitlers betrachtet werden. Ein Hinweis, man heiße einen Völkermord ja nicht gut, ist da als Distinktionsmerkmal etwas dürftig.
"Sarrazin kann man so natürlich nicht angreifen. Zu langweilig sachlich. Also bauscht man Nebensächlichkeiten und Irrtümer auf als wäre es die Kernaussagen."
Ja, der Klassiker… Verlagslektoren sollten ihren Autoren bei der Vorbereitung bahnbrechender Publikationen immer als Rat mitgeben, daß es gaaaanz schlecht ist, seine wichtigen Kernaussagen zwischen einer Unmenge unwesentlicher, schlecht recherchierter und falscher Nebenaussagen zu verstecken. Zumindest, wenn man am Durchdringen der Kernaussagen interessiert ist. Den Fehler machen so viele! Thilo Sarrazin hätte diesen Rat aber eigentlich nicht nötig haben sollen. Als jemand, der studiert und promoviert hat, sollte er schon mit den Grundlagen wissenschaftlichen Schreibens vertraut gewesen sein. Fast könnte man meinen, manch einer nutze diese Strategie bewusst: Man haut eine Unmenge detailversessenen Zeugs raus, an dem sich die Kritiker dann abarbeiten können, und sagt bei jedem nachgewiesenen Fehler, daß gerade dies eigentlich nur ein unwesentlicher Nebenaspekt gewesen sei. Und niemals wird jemand das ganze Werk widerlegen können! Diese Technik benutzen so viele, denen amorphes Dummschwätzen wie bei Pirinçci als Verteidigungsstrategie nicht intellektuell genug daher kommt...
"Was ist mit euch los? Seid ihr alle so "verschwult" das ihr Form und Inhalt nicht trennen könnt?"
Also verschwult bin ich schon, ja. Und mit dem Trennen von Form und Inhalt bin ich etwas kleinlich geworden seitdem GNTM, Bild, Dschungelcamp, jeder noch so sehr stinkende Haufen Müll "ironisch gebrochen" wird.
"Müsst ihr wirklich Begriffe wie Angst und Extremformulierungen weniger von Typen die nur ihre Bücher an den Mann bringen wollen nutzen um die Aussagen zu ignorieren? Wer lebt da in einer Filterbubble?"
Welche Typen gibt es denn, die keine Extremformulierungen benutzten und nicht nur ihre Bücher an den Mann bringen wollen? Dann nehme ich in Zukunft die als seriöse Referenz...
"Mir fällt zu deren Aussagen übrigens wenig ein da ich in einer Großstadt lebe in der das was Sarrazin beschreibt selbst beobachten kann."
Ich lebe auch in einer Großstadt und kann das, was Sarrazin beschreibt, nicht bestätigen. Stand Anekdotenwissen: 1:1.
"Wer im übrigen welchen Unsinn glaubt wird sich noch herausstellen. Vor den von dsog. rechten beschriebenen Szenarien hab ich übrigens keine Angst. Hat doch für mich als von den derzeitigen Zuständen nur Nachteile habenden Mann jede Menge Vorteile, oder?"
Und das finde ich wirklich großartig! Denn: ja! Genau das ist es doch! Die Verteidiger des Christlichen Abendlandes haben Angst vor einer Invasion aus einer patriarchalischen Machogesellschaft, in der viele Kinder zur Welt kommen, Frauen nicht emanzipiert sind, die in Autoritätshörigkeit und überkommenen Traditionen gefangen ist und sich abkapselt und Fremdem gegenüber feindlich eingestellt ist. Und was empfehlen sie gemeinhin als Gegenwehr? Wir selber müssen wieder mehr Kinder kriegen, die Frauen sollen sich wieder auf ihre traditionelle Rolle als Mutter besinnen, wir müssen uns wieder auf unsere religiösen Wurzeln besinnen und und uns abkapseln und wir brauchen eine starke Hand, die durchgreift und uns gegen das Fremde verteidigen kann! Hier schlägt doch voll die alte küchenanalytische Daumenregel zu: Das, was ich am meisten fürchte, ist das, was ich mir insgeheim am meisten wünsche! All die Ideen der "Islamkritiker" laufen am Ende nur darauf hinaus, diejenigen gesellschaftlichen Verhältnisse herzustellen, die sie in die islamischen Kulturen hineinprojizieren - nur eben in christlich. Die respektieren die Frauen nicht? Unsere Frauen zurück an den Herd! Die kriegen viele Kinder? Machen wir mehr Kinder! Die tolerieren keine Kirchen? Keine Moscheen bei uns! Die sind religiös und rückständig? Besinnen wir und auf unsere christlichen Wurzeln, Schluß mit diesem ganzen dekadentem Schwulenkram!
Wenn man keine Probleme damit hat, seinen Gott Allah zu nennen, dann müßte ein Rechter vor den Schreckgespenstern der Rechten wirklich keine Angst haben, im Gegenteil. Viel näher als in seinen orientalischen Phantasien könnte er seinem feuchten Traum von einer konservativen, homogenen und autoritären Gesellschaft kaum kommen!

Sonntag, 27. September 2015

Michels Gespür für Arroganz

Die katalanische Unabhängigkeit, heute kommentiert bei SpOn:
"Gegen wen will Barcelona denn dann Fußball spielen? Gegen Lloret de Mar? Gegen Salou? zum lachen."
Nutzer e.romanczyk

Und schon Schachmatt, liebe Separatisten! Tja, diesen Olivenölbauern in Südeuropa fehlt nun mal einfach dieser Weitblick und der Sinn fürs Wesentliche, der uns Deutschen zu eigen ist. Solche Leute kann man nun wirklich nicht selbst entscheiden lassen, das wäre ja unverantwortlich dem Fußball gegenüber!

"Ein peinliches Volk, die Abspalt-Katalanen... Wer sogar die Waldbrand-Warnhinweise an den Autobahnen nur auf seiner Geheimsprache ausschildert (und so seinen Regionalkomplex über die eigene Sicherheit stellt), dem ist in seiner "Wir haben hier die dicksten Eier"-Macho-Dummheit nicht zu helfen...:) Raus mit so was aus der EU!"
Nutzer mymana1

Auf was für Ideen diese Katalanen so kommen - Straßenschilder in einer Landessprache, die der deutsche Tourist nicht versteht! Wenn die damit durchkommen, was kommt als nächstes? Will Dänemark Beschilderungen auf Dänisch? Hier muß Deutschland den verdammten Nationalisten mal ganz klar machen, was geht in Europa und was nicht. Raus aus unserer EU!

"Leider sind die Spalter-Katalanen genauso arrogant wie der FC Barça und die Ikone Pep Guardiola, dem auch sein Posten in München nicht davon abhält, kräftig für die Unabhängigkeitsbewegung Stimmung zu machen."
Nutzer cheeterno

Stimmt, arrogant sind sie auch noch, diese peinlichen Abspalt-Spalter ohne Verstand und Durchblick! Nicht mal beim FC Bayern (!) konnte der Guardiola ein bisschen was von der typisch deutschen Bescheidenheit und Demut lernen! Was muß der arme Hoeneß Uli enttäuscht sein! Ein widerliches, ein undankbares Volk.

"Ich habe Verstand im Kopf und kann mir nicht vorstellen, wie das sowieso schon nicht gerade wohlhabende Katalonien ausserhalb der EU überleben will. Aber das scheinen die Katalen nicht zu verstehen."
Nutzer Florian29

Gut, wir haben es schon mal gesagt, aber man kann es ja nicht oft genug wiederholen: Diese Katalanen haben - wie ja eigentlich alle diese Südländer - nicht so viel Verstand im Kopf wie wir, sind dafür aber arrogant, überheblich und selbstsicher! Kommt wahrscheinlich daher, daß sie es geschafft haben, so eine Geheimsprache zu erfinden, die wir nicht verstehen können...

"Diese Abspaltungstendenzen sind einfach lachhaft. In Zeiten, in denen Europa eigentlich noch mehr zusammenwachsen sollte, zerfällt es in Kleinstaaterei. Man sollte solchen Leuten die Konsequenzen aufzeigen und sie nach der Abspaltung isolieren."
Nutzer scooby11568

Recht so! Das ist immer noch unsere EU! Und wer da nicht spurt, den machen wir fertig! Das ist ja wohl nur Recht. Manche lernen es eben nur auf die harte Tour, daß unter deutscher Führung kein Platz mehr ist für Nationalismus in Europa! Deutschland muß nun mal seine Verantwortung und seine natürliche Führungsrolle übernehmen, auch wenn uns das nicht angenehm ist. Da müssen wir dafür kämpfen, daß sich die Ukraine, Moldawien und Georgien von Russland emanzipieren können, daß sich Katalonien nicht von Spanien emanzipieren kann und Griechenland nicht mehr länger emanzipiert ist. Das sind schwere Aufgaben für eine bescheidene Nation wie die unsere. Aber wir haben Verstand, aus unserer Geschichte gelernt und zu Hilfe kommt uns Deutschen unser untrügliches Bauchgefühl dafür, was richtig ist und was nicht! Also nur Mut, Landsleute, wir schaffen das!