Samstag, 3. Dezember 2011

Zur Wahrheit in 24 Schritten (3)

Heute widmen wir uns einer heiklen, ebenso privaten wie zugleich auch sozial bedeutungsvollen Google-Suche:

ich kenne nicht den vater meines kindes*

Nach intensiver Prüfung ihres Sexualverhaltens im Jahre 2011 kann die DWüdW-Redaktion mit absoluter Bestimmtheit sagen, daß sie fast nicht als Vater infrage kommt (es gab da nur zwei, drei kleinere Filmrisse, über die keine als zuverlässig bzw. als realistisch einzustufenden Informationen eingeholt werden konnten). Aber natürlich wollen wir die betrübte Suchende nicht mit solch einer dürftigen Antwort alleine lassen. Zumindest wollen wir ihr eine Möglichkeit bereitstellen, die Wahrscheinlichkeit zu ermitteln, mit der eine Person der Vater ihres Kindes ist. Also wurde dieses Problem an die DWüdW-Forschungsgruppe "Statistik, Stochastik und Stupide Studien" (StaStoStuStu) weiter gereicht. Der Leiter von StaStoStuStu, Thomas Ste., faßt die Ergebnisse der intensiven Forschungen auch für den Laien verständlich zusammen:

"Hier handelt es sich um ein typisches Problem für die Bayesische Statistik. Nehmen wir uns also das Bayestheorem her: Die Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis A unter der Annahme, daß das Ereignis B eingetroffen ist, p(A|B), ist gleich der Wahrscheinlichkeit für das Ereignis B unter der Annahme, das das Ereignis A eingetroffen ist, p(B|A), multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit für das Ereignis A, p(A), und dividiert durch die Wahrscheinlichkeit für das Ereignis B, p(B):
p(A|B) = p(B|A) * p(A) / p(B)
Das klingt vielleicht kompliziert, ist es aber nicht. Denn in unserem Problem ist Ereignis A gleichbedeutend mit "Die Person ist Vater meines Kindes" und B mit "Ich hatte Geschlechtsverkehr mit der Person". Dann wollen wir wissen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Person Vater meines Kindes ist, unter der Annahme, daß ich mit dieser Person Geschlechtsverkehr hatte. Also suchen wir gerade p(A|B). Und um dies zu berechnen, müssen wir nur die drei Wahrscheinlichkeiten auf der rechten Seite der Gleichung finden.
p(B|A) ist dabei ganz einfach. Es ist ja die Wahrscheinlichkeit, daß ich mit der Person Geschlechtsverkehr hatte, wenn diese Person der Vater meines Kindes ist. Und diese Wahrscheinlichkeit ist natürlich (in sehr guter Näherung) gleich eins. Also wird die Gleichung noch einfacher:
p(A|B) = p(A) / p(B)
Die Wahrscheinlichkeit dafür, mit einer Person Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, p(B), ist nun allgemein nicht so leicht zu bestimmen. Die beiden Grenzfälle dieser Wahrscheinlichkeit sind nach berühmten französischen Statistikerinnen benannt, die sie zuerst experimentell untersucht haben: Das Johanna-von-Orléans-Limit (p(B) → 0) und das Carla-Bruni-Limit (p(B) → 1). Wo genau die Googlesuchende zwischen diesen Extremen einzuordnen ist, das ist ohne Kenntnis ihrer Biografie natürlich nicht zu sagen.
Um an dieser Stelle weiter zu kommen, müssen wir also nun einige vereinfachende Annahmen machen. Gehen wir also vom schlimmsten Fall aus und legen das mathematisch einfach zu handhabende Carla-Bruni-Limit zugrunde. Dann müssen wir nur noch p(A), die Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft, bestimmen. Nehmen wir auch hier die größtmöglichen Werte an, die je für eine lebende Person ermittelt wurden, so erhalten wir die folgenden maximalen Wahrscheinlichkeiten für eine Vaterschaft:
Boris Becker: 13%
Justin Bieber: 3%
Martin Walser: 0,7%

Für alle anderen Menschen liegen die Wahrscheinlichkeiten deutlich unter diesen drei Werten. Womit der Suchenden schon ein gutes Stück weitergeholfen sein sollte."


*An dieser Stelle beantwortet Die Wahrheit über die Wahrheit täglich eine der 24 überraschendsten Google-Suchanfragen, die 2011 Leser auf dieses Blog gebracht haben.

Freitag, 2. Dezember 2011

Zur Wahrheit in 24 Schritten (2)

Heute beschäftigen wir uns mal mit der schlichten Google-Suche

narzissten zombies*

Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination, sind Zombies doch im Allgemeinen alles andere als narzisstisch veranlagt. Während sie selbst geradezu verwahrlosen, richten sich ihre ganze Aufmerksamkeit und ihr ganzer Appetit allein auf ihre Mitmenschen. Nach langer Recherche konnte DWüdW dann aber doch noch einen Narzissten ausfindig machen, der zwar schon seit geraumer Zeit tot ist, der diesen Zustand aber bis heute konsequent ignoriert und über alle nicht hirntoten Zeitgenossen sabbernd herfällt. DWüdW rekonstruiert die Ereignisse:

Day 1 - Freisetzung
"Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus."

Day 2 - Quarantäne
"Ich bin am Mittwochmorgen erstmalig mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Es ist bekannt, daß ich am Donnerstag nach Afghanistan geflogen bin."

Day 15 - Ausbreitung
"Ich habe gravierende Fehler gemacht."

Day 28 - Auslöschung
"Ich war immer bereit, zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."



Die Aufräumarbeiten sind angelaufen. Der DWüdW-Chefredakteur trifft sich mit zu Guttenberg in einem Londoner Hotel im District 1. Hier die vollständige Mitschrift des Interviews, soweit es rekonstruiert werden konnte:

DWüdW: Herr zu Guttenberg, Sie sehen anders aus als früher.

Guttenberg: Ausgeschlafener.

DWüdW: Erstaunlich für einen Untoten. Wie fühlt man sich denn so, wenn man als Zombie, eigentlich längst tot, durch die Medienlandschaft torkelt?

Guttenberg: Die momentane Distanz zu den Dingen ist wohltuend. Ich hatte natürlich auch mit einer sehr schweren inneren Erschütterung umzugehen.

DWüdW: Ja, der eigene Tod ist sicherlich eine schwere Erschütterung. Woran merken Sie denn selbst, daß Sie eigentlich tot sind?

Guttenberg: Ich wusste offensichtlich später nicht mehr, welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war.

DWüdW: Dann hat Ihr Hirntod also schon vor Ihrem politischen Tod eingesetzt? Gibt es denn noch andere äußere Anzeichen Ihres inneren Ablebens?

Guttenberg: Faktisch war es so, dass es einer reizenden indischen Ärztin in den USA bedurfte, die festgestellt hat, dass ich ohne Brille vollkommen ausreichend sehen kann.

DWüdW: Oha, das klingt in der Tat besorgniserregend. Aber die Frage, die uns nun alle beschäftigt, ist, beabsichtigen Sie trotz Ihres untoten Zustands in die Politik zurückzukehren?

Guttenberg: Ich schließe nichts aus, aber es gibt bislang keine konkrete Intention.

DWüdW: Verstehe. Aber weshalb zeigen Sie mir jetzt Ihr Gebiß? Haben Sie das auch in den USA richten lassen? Herr zu Guttenberg? Was wird denn das jetzt? Herr zu Guttenberg? Herr zu Guttenbeeeee...


An dieser Stelle bricht das Interview mit einem markerschütternden Schrei ab.


28
months
later

Der Deutsche Bundestag hat Freiherr zu Guttenberg zum Kanzler gewählt. Horst Seehofer hat sich gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Überlebender der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth in ein Einkaufszentrum in Oberbayern geflüchtet und verschanzt. Auf dem Dach halten sie nach Rettung Ausschau. Noch haben sie genug Munition und Proviant. Doch plötzlich hören sie verdächtige Geräusche aus dem Zeitungsladen. Mit gezückten Jagdgewehren und Feueräxten bewaffnet geht die kleine Gruppe Überlebender Schritt für Schritt in den engen, schummrigen Laden. Eine Neonröhre flackert. Oliver Lepsius, ganz vorne, greift zum Stapel mit der aktuellen Ausgabe von Die Zeit. Er schlägt eine auf. Ein Schrei! Dunkelheit...


*An dieser Stelle beantwortet Die Wahrheit über die Wahrheit täglich eine der 24 überraschendsten Google-Suchanfragen, die 2011 Leser auf dieses Blog gebracht haben.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Zur Wahrheit in 24 Schritten (1)

Drucksen wir nicht lange herum, sondern gehen wir lieber gleich beim ersten Türchen unseres kleinen Adventskalenders dahin, wo es wehtut! Ein offenbar ratloser Leser wurde durch die folgende Google-Suche auf dieses Blog gebracht:

anal selbstbefriedigung mit der Zahnbürste anleitung*

Eine kurze Online-Recherche der DWüdW-Redaktion hat gleich ergeben: ja, sowohl Qualität als auch Quantität der Anleitungen zur analen Selbstbefriedigung mittels Zahnbürsten sind im deutschsprachigen Internet in der Tat verbesserungswürdig. Also bildete DWüdW sofort ein TigerTeam, um in Feldstudien und schonungslosen Selbstversuchen die perfekte Anleitung zum optimalen analen Einsatz einer Zahnbürste zu erarbeiten. Leser vor Vollendung ihres achtzehnten Lebensjahres sind aufgefordert, diesen Post an dieser Stelle zu verlassen. Allen anderen seien hier die Ergebnisse der umfangreichen Forschungen stolz in Form von sieben prägnanten und im Stehen niedergeschriebenen Regeln präsentiert:

Regel 1:
Führen Sie die Zahnbürste mit der Stielseite ein, nicht mit der Borstenseite. Zumindest, wenn sie Zahnbürsten der Kategorie "hart" verwenden.

Regel 2:
Mit ein bisschen Gleitmittel geht's gleich viel besser. Zahnpasta ist aber ungeeignet.

Regel 3:
Die gleichzeitige Verwendung von Mundwasser sorgt auch danach noch für ein angenehm minzfrisches Gefühl. Bei Fissuren kann's aber ziemlich brennen.

Regel 4:
Eine elektrische Zahnbürste bringt nicht viel. Zwar vibriert sie schön, aber hauptsächlich am Borstenende (siehe Regel 1), und am Griffende stört das Kabel wirklich ziemlich.

Regel 5:
Männer finden ihre Prostata gleich vorne mittig. Beginnen Sie mit sanft kreisenden Bewegungen. Für den Fall plötzlichen starken Harndrangs halten Sie den Zahnputzbecher bereit.

Regel 6:
Frauen sei für ein optimales Ergebnis ihrer Bemühungen die gleichzeitige Stimulation ihres Genitalbereichs empfohlen. Die gleichzeitige Einführung einer zweiten Zahnbürste Ihres Partners ist aber im Allgemeinen nur ratsam, wenn Sie dies vor ihrem Partner verheimlichen.

Regel 7:
Auch wenn Sie nur die Zahnbürste Ihres Partners verwendet haben und nur den Stiel eingeführt: Bitte spülen Sie die Bürste vor dem nächsten Zähneputzen kurz unter fließendem Wasser ab.

Und nun - viel Spaß im Badezimmer und einen guten Start in eine besinnliche Vorweihnachtszeit!


*An dieser Stelle beantwortet Die Wahrheit über die Wahrheit täglich eine der 24 überraschendsten Google-Suchanfragen, die 2011 Leser auf dieses Blog gebracht haben.

Mittwoch, 30. November 2011

Der lange Weg zur Wahrheit

Jahresende, Zeit der Rückblicke. Und so wie die Christbäume wieder viel zu früh dran sind, so habe ich auch schon auf die Jahresleistungen dieses Blogs zurückgeblickt. Und zunächst war ich auch sehr zufrieden. Dank freundlicher Verlinkungen, etwa durch Bildblog und den Postillon, hat sich die Leserzahl 2011 ganz wunderbar entwickelt. Gut, ich hatte vielleicht zwischendurch ein paar kleine Durststrecken im Bloggen, aber alles in allem war ich schon kurz davor, mich selbstzufrieden für den Rest des Jahres zurückzulehnen. Bis - ja, bis mein Blick auf die Zugriffsquellen für dieses Blog bei den Google-Suchanfragen hängen blieb. Nachdem ich den ersten Schock (Nach SOWAS suchen die Leute?) und den zweiten Schock (Und mit SOWAS werden sie auf mein Blog verwiesen?) überwunden hatte, blieb noch der dritte Schock: Auf SOWAS haben sie bei mir ja gar keine Antwort gefunden! Und das kann ein Qualitätsblog wie dieses, quasi der Cicero für Spätpubertierende, natürlich nicht auf sich sitzen lassen! Leser mit SOLCHEN Problemen allein zurückzulassen, das widerspricht der Ethik und dem Dienstleistungscharakter dieser Seiten! Und auch wenn es für die Betroffenen im Einzelfall zu spät kommen mag, so muß sich die Wahrheit über die Wahrheit-Redaktion zumindest als symbolische Geste unbedingt zum Jahresende noch all der kritischen offenen Fragen annehmen, die im Rauschen des Netzes wahrscheinlich ungehört geblieben sind.
Starten wir also noch den ersten Die Wahrheit über die Wahrheit-Adventskalender: Zur Wahrheit in 24 Schritten! Öffnen wir ab morgen jeden Tag ein Türchen mit einer neuen, sagen wir mal "unerwarteten" Google-Anfrage, die im Jahr 2011 einen Leser auf diese Seiten geführt hat. 24 erschütternde Fragen, 24 schockierende Antworten - für Sie aufs Gründlichste recherchiert und seriösest aufbereitet von Ihrer DWüdW-Redaktion!

Diese Vorweihnachtszeit wird wirklich mal besinnlich!

Mittwoch, 23. November 2011

Another way to die

Die Menschheit steht vor einer neuen Bedrohung.
Der Himmel fällt ihr auf den Kopf. Und zwar im 21. Jahrhundert in Form von abstürzenden Satelliten.
Im September war es der US-amerikanische Satellit UARS, der Furcht und Schrecken verbreitete. Die liebste Schlagzeile: "Italienische Behörden warnen vor Aufenthalt im Freien" (Spiegel Online). Aber auch andere berichteten brandaktuell (z.B. [1][2][3][4]), und das Katastrophenfachblatt Bild lief schon mal zur leichten Wir-müssen-alle-sterben-Form auf ("Er könnte auch Menschen treffen" "Große Sorge bei der Nasa: Ende des Monats könnte Weltraum-Schrott so groß wie ein Schulbus ungebremst auf die Erde stürzen und mit zerstörerischer Gewalt eine Stadt treffen.").
Im Oktober dann der nächste Todeskandidat, der deutsche Satellit ROSAT. Meine liebste Schlagzeile hier: "Riesentrümmer fallen auf die Erde" (Focus Online). Auch hier waren alle mit dabei beim Berichten (z.B. [1][2][3][4]), und Bild kam schon mal auf mittlere Katastrophenform und spendierte auch Ausrufezeichen ("Wieder werden Trümmer unkontrolliert zur Erde rasen!", "1,6-Tonnen-Geschoss kann morgen Deutschland treffen").
Ja, und jetzt, jetzt haben wir die russische Sonde Phobos-Grunt, die auf die Erde zu stürzen droht. Was ist nur los? Wieso schweben wir plötzlich in Gefahr, von scharfen, mit Hunderten von Stundenkilometern aus dem All auf uns herniedersausenden Metallteilen erschlagen und in Stücke geschnitten zu werden? Fallen plötzlich lauter Satelliten herunter? Beginnt gar die Apokalypse, wenn die Sterne vom Himmel herab fallen wie die Feigen vom Baum (Offb 6, 13)?
Bestimmt.
Wenn man sich auf dem Laufenden halten will, was so alles an Menschengemachtem aus dem All herniederkommt, dann kann man das z.B. auf den Seiten des Center for Orbital and Reentry Debris Studies der Aerospace Corporation tun. Und man sieht, daß ständig Schrott aus dem All abstürzt. Den größten Teil machen zurückfallende Raketenstufen aus, aber in diesem Jahr sind bereits auch sieben mehr oder weniger große Satelliten mehr oder weniger geplant heruntergekommen (Kosmos 2388, UARS, ROSAT, Rasad 1, WIRE, TacSat 2 und Molniya 3). Das ist die gleiche Anzahl wie 2010 (LDREX 2, CHAMP, ICESat, Genesat, LDREX, Dragonsat und Solar Cell), 2009 waren es fünf. Und so fort. Neu ist das Phänomen natürlich auch nicht gerade. Offenbar hat die Presse endlich ein neues schönes Katastrophenthema gefunden.
Dumm ist an diesem Thema nur, daß zwar in Deutschland jedes Jahr Tausende Menschen im Straßenverkehr ihr Leben lassen, seit Beginn der Raumfahrt aber noch nicht ein Mensch von einem herabstürzenden Satelliten getötet wurde. Da muß man, will man die Spannung nach den ebenfalls harmlosen Abstürzen von UARS und ROSAT halten, noch ein bisschen mehr am Rad drehen. Erwartungsgemäß war Bild da bei Phobos-Grunt ganz vorne:
"Stürzt die russische Gift-Sonde zur Erde?" Aber auch andere waren alarmiert, die taz überschrieb ihren Artikel mit "Radioaktives Kobalt an Bord", nur um im Text dann den Experten zu zitieren, daß eigentlich keine Gefahr besteht. Das Handelsblatt wußte gestern: "Sie hat rund elf Tonnen hochgiftigen Treibstoff sowie radioaktives Material an Bord." und n-tv fürchtet sich schon länger: "An Bord befinden sich giftiger Treibstoff und radioaktives Material."
Also alles ganz furchtbar, da helfen auch keine beruhigenden Expertenkommentare, radioaktives Material ist nun mal radioaktives Material. Daß es sich dabei nicht um irgendeine hochradioaktive Energieversorgung, sondern um eine winzige Probe zur Kalibration eines Instruments handelt (das Neutronen- und Gammastrahlenspektrometer NS-HEND, vermute ich) und in Hinblick auf Gefährlichkeit in einer Liga mit den radioaktiven Proben spielt, die im Schulunterricht zum Experimentieren verwendet werden, scheint da keine Rolle zu spielen.
Und was den Treibstoff angeht? Ja, der Antrieb von Phobos-Grunt besteht aus einer modifizierten Fregat-Stufe und wird mit den beiden wirklich ekligen Stoffen UDMH (1,1-Dimethylhydrazin, Giftig beim Einatmen und Verschlucken, ätzend, leicht entzündlich und krebserregend) und Distickstofftetroxid (Sehr giftig beim Einatmen, ätzend, brandfördernd) angetrieben. Nur werden die Tanks mit diesen Chemikalien es niemals unbeschadet bis zur Erde schaffen. Sie werden in großer Höhe auseinanderbrechen und der Inhalt wird verbrennen. Bis zum Erdboden wird es kaum etwas davon schaffen.
Bleibt also allein die Gefahr durch die herunterfallenden Metallteile. Aber ganz ehrlich, da ist die Gefahr größer, von einem Affen mit einer Kokosnuß erschlagen zu werden.

Freitag, 18. November 2011

Intelligentes Leben auf Europa

"Und, wie war ich?" "Ich dich auch!"
Manchmal sollte man besser nicht unüberlegt zu seinen Routineantworten greifen, wie es etwa der Focus Online heute in seinem Artikel zu Leben auf dem Jupitermond Europa tat:

Und wer wissen will, ob es beim Focus intelligente Journalisten gibt, der schlägt den Spiegel auf?


PS. Wer wissen will, warum man Leben auf Europa auf dem Mars suchen soll, findet übrigens etwas weniger konfuse Informationen hier. Sehr viel weniger konfuse Informationen zum Thema gibt es hier. Die sind dann aber auch gleich weniger spektakulär, denn im Gegensatz zur PR spielt in der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit die Frage nach außerirdischem Leben plötzlich gar keine Rolle...

Mittwoch, 16. November 2011

Let's do the time warp again!

Es ist mal wieder Zeit für eine neue Folge unserer kleinen Serie "Das Rad der Geschichte" [1][2][3][4]. Denn der Focus Online und Die Zeit enthüllen uns heute: Das Urkilogramm, jener Metallzylinder, der die Masse "1 kg" definiert, schrumpft! Über einen Zeitraum von 100 Jahren hat es etwa 50 Mikrogramm an Masse verloren! Wissenschaftler arbeiten aber an einer verbesserten Methode, die Einheit der Masse zu definieren.

Und am 17. Oktober 2010 berichtete das Deutschlandradio dasselbe.
Und am 25. Mai 2009 der SWR2.
Und am 30. Januar 2008 der Tagesspiegel.
Und am 13. September 2007 der Spiegel Online.
Und am 6. Dezember 2005 die WDR-Sendung Quarks & Co.
Und am 6. März 2003 die Zeit.
Und tatsächlich schon am 1. März 1999 Bild der Wissenschaft.

Das einzig Beruhigende bei der Sache ist, wenn es bei einer konstanten Verlustrate von 50 Mikrogramm pro Jahrhundert bleibt, dann sollte das Urkilogramm schon in zwei Milliarden Jahren komplett verschwunden sein. Bis dahin aber wird uns die Presse wohl leider regelmäßig auf dem Laufenden halten...

Nachtrag:
Ich sehe gerade, Der Standard verwurstet die Meldung auch. Und berichtete vom Kiloschwund selbst auch schon am 24. Januar 2011 und am 14. November 2007.

Anonymität für Dschughaschwilisten

Zuerst waren es nur vollmundige Ankündigungen von sozialen Netzwerken und überzeugende Forderungen von CSU-Experten:


Doch endlich wird in Sachen "Klarnamen" auch gehandelt! Facebook erwartete von Schriftsteller Salman Rushdie, daß dieser seinen Account unter seinem wahren Namen "Ahmed Rushdie" führe. Zwar ist Facebook wieder eingeknickt, doch andere Internetgiganten wollen den Trend zu mehr Offenheit im Netz weiterführen und kündigten schon entsprechende Maßnahmen an:
So wird Google Maps in Zukunft das "Willy-Brandt-Haus" nur noch als "Herbert Ernst Karl Frahm-Haus" führen. Wikipedia teilte mit, die Artikel "Josef Stalin" und "Joseph Conrad" würden in Kürze gelöscht werden. Übergangsweise solle aber auf die Begriffe "Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili" und "Józef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski" weitergeleitet werden. Am schnellsten reagierte jedoch ein anderer: Das "Mahnmal für die namenlosen Opfer der Weltkriege" sei bereits aus Google Street View gelöscht worden.

Sonntag, 13. November 2011

Denkwürdige Momente des Zusammenlebens (I)


Sie: "Such' endlich mal nach einem anderen Internettelefonieanbieter! Dieser hier unterbricht die Verbindung jedes Mal nach drei Stunden."