Sonntag, 16. Dezember 2012

Warp-Antrieb für Kerle

Mädchen entwickeln sich ja generell schneller als Jungen. Das haben mir schon alle versichert, von der Familie bis zur Chefin. Und das gilt nicht nur für's Krabbeln und Laufen lernen, sondern eigentlich für das ganze Leben. Mädchen sind ordentlicher und fleißiger und lernen besser in der Schule und bekommen die besseren Noten und so fort. Das versicherte mir zumindest die Mutter der beiden Kleinen im Haus, nicht ohne ein bisschen versteckten Stolz auf die Tochter, wie mir scheint. Um mir die Überlegenheit meiner Tochter über meinen Sohn in Sachen Schnelligkeit und motorische Fähigkeiten zu demonstrieren, griff sie kürzlich zu einem Experiment:
Sie breitete auf dem Fußboden eine Decke aus. Auf das eine Ende der Decke stellte sie eine Schüssel mit zurzeit in Babykreisen schwerst angesagten Plastiksternen. An das andere Ende der Decke setzte sie die Tochter. Die sah sich sofort neugierig um und dokumentierte die Entdeckung der Sterne mit einem begeisterten "A-Da-Daah!". Sofort schwang sie sich mit einem Strahlen im Gesicht auf alle viere und krabbelte wirklich flink und elegant zu den Sternen, um diese sogleich selig mit ihrem Speichel zu benetzen.
Kurz darauf wiederholte die Mutter den Versuch mit dem Zwillingsbruder. Der starrte die Sterne am anderen Ende der Decke eine Weile an seiner Socke saugend an. Dann viel er plump und mit einem Grunzen auf den Bauch. Und mit vier, fünf schnellen Bewegungen raffte der die Decke mit der Schüssel drauf so weit vor sich zusammen, bis die Sterne direkt vor seiner Nase landeten.
Ok, Mädchen mögen sich schneller entwickeln als Jungs, und sie mögen fleißiger sein und engagierter. Aber am Ende, wenn's drauf ankommt, ziehen die Jungs auf ihrem Hintern sitzend doch noch locker vorbei. Ist das geil, ein Mann zu sein!
Und der Warp-Antrieb für Reisen zu den Sternen wird eines Tages auch von einem Mann erfunden werden, jede Wette...

Dienstag, 11. Dezember 2012

Der Endzeitkalender

Heute will Bild.de etwas ganz Großes erklären:


Nur, liest man dann aufgeregt und voller Neugierde den Artikel, dann wird man bitter enttäuscht - man erfährt immer noch nicht, was jetzt eigentlich im Maya-Kalender genau drin steht. Offenbar ist mal wieder DWüdW gefragt! Die DWüdW-Experten für Altamerikanistik haben sich den Kalender der Maya einmal gründlich vorgenommen und enthüllen hier erstmals, was wirklich wirklich im Maya-Kalender drinsteht! Und keine Frage, die Erkenntnisse werden unsere Vorstellungen vom präkolumbischen Amerika und überhaupt vom Lauf und Schicksal der Welt umkrempeln. Denn das haben uns die Maya wirklich hinterlassen:


DER MAYA-KALENDER
für das Jahr 2012
exklusiv auf DWüdW

1. Januar
Gesetzlicher Feiertag in Calakmul, Xunantunich, Tikal und Yaxchilán

6. Januar
Heilige Drei Gottkönige

13. März
Geburtstag Horst-Rüdiger

1. Mai
Tag der Sklavenarbeit

19. Mai
Champions League - Endspiel!

29. Mai
Zucker
Mehl
Klopapier
Nudeln
feuchte Wischtücher
was zum Knabbern

9. Juli
Urlaub!! 3 Wochen Acapulco all inclusive! :)

17. August
20:00 Grillabend bei Willi (Kartoffelsalat mitbringen!)

3. Oktober
Tag der Maya-Einheit (gesetzlicher Feiertag)

6. Oktober
Hurra! Erstes Wetten Dass... mit Markus Lanz!!

12. Oktober
Kolumbustag

12. November
9:30 Darmkrebsvorsorge Dr. Mayer

6. Dezember
Kate muß sich kurz am Treppengeländer abstützen

21. Dezember
Bier is' alle - Weltuntergang!!!!

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Das Salz in der Suppe des Irrsinns

Der DWüdW-Weihnachtsgeschenktipp: Meersalz aus dem Avocadostore!
"Haben Sie schon einmal ein 100% naturbelassenes Meersalz höchster Qualität probiert?"
Wahrscheinlich nicht. Sondern immer nur dieses zu 73.9% naturbelassene Meersalz mittlerer Qualität aus den Salzanbaugebieten rund um Fukushima oder der Elbmündung...
"Meersalz Ibiza ist ein vollkommen naturbelassenes Speisesalz höchster Güte"
Und hier sollten sie auch an Ihre Kinder denken! Immer essen sie dieses nicht naturbelassene Speisesalz, von der Industrie vollgestopft mit künstlichen Aromen, Geschmacksverstärkern und angereichert mit ungesunden Mengen an Salz!
"Nach alter Tradition im Naturschutzgebiet von Ibiza hergestellt - an der Sonne getrocknet, von Hand geerntet"
Und nicht nur das! Dieses Meersalz wird ausschließlich mit der hohlen Hand von Jungfrauen in Vollmondnächten geerntet!
"und dann vermahlen."
Au weia! Ist das nicht etwas brutal für das arme Salz?
"Keine Zusätze und schonend verarbeitet:"
Puh, wenigstens wird es schonend gemahlen! Nicht auszudenken, würde man beim Mahlen die ganzen Mineralien und Spurenelemente zerstören...
"Auf diese Weise bleiben viele Mineralien und Spurenelemente im Salz erhalten"
Und was ist mit den Vitaminen, hm? Die sind futsch, oder was?
"Wenn Sie uns fragen was das Besondere daran ist, dann antworten wir meistens, dieser milde aber intensive Geschmack."
Ich find's ja ein bisschen zu salzig im Abgang. Aber wer's mag...
"Aber auch diese feine Struktur, mal gröber und fester wie ein Kristall, mal zart und knusprig wie eine Schneeflocke - dabei immer noch mit einer leichten Restfeuchte vom Meer. Einfach himmlisch! Wir verwenden es wirklich für alles"
Der besondere Tipp: Probieren Sie doch einmal Ibiza Meersalz als natürliches Mittel zur Wundheilung! Einfach die Kristalle behutsam mit kreisenden Bewegungen in die offene Stelle einmassieren...
"Wir holen jedes Jahr nach der Ernte das Meersalz Ibiza bei unserem Salzbauern ab und bringen es dann direkt nach Deutschland und Österreich."
Und unterwegs wird das Salz mit Mozartmusik beschallt, um unnötigen Stress zu vermeiden.
"Meersalz Ibiza ist ein veganes Produkt."
Lassen Sie Ihr Gewissen nicht täuschen! Die Herstellung von Meersalz vernichtet erhebliche Mengen von Meerwasser - und zerstört damit die natürliche Lebensgrundlage von Fischen, Surfern und Tsunamis!

Und doch - wer noch 12,52 € für ein Kilo Salz übrig hat, nicht weiß, wie er sein Wunschimage als genussfähiger und sensibler Erfolgsmensch weiter pflegen soll und ein bisschen blöd ist - der sollte jetzt schnell noch zugreifen!

Montag, 3. Dezember 2012

Die größten Fragen der Menschheit (2)

Wenn man 1 Liter Wasser und 1 Liter Wasser zusammen nimmt, dann erhält man als Ergebnis 2 Liter Wasser.

Wenn man Wasser von 1 Grad Celsius und Wasser von 1 Grad Celsius zusammen nimmt, dann erhält man als Ergebnis Wasser von 1 Grad Celsius.

Warum zweifle ich eigentlich trotzdem niemals daran, daß Eins und Eins Zwei ergibt?

Sonntag, 2. Dezember 2012

Te Quiero Puta!

Es ist schon erstaunlich, wie früh es einen Unterschied macht, ob man wie ich damals in der Tiefe der Provinz aufwächst, oder wie mein Sohn inmitten einer Großstadt. Ich glaube nicht, daß ich im zarten Alter von 10 Monaten ersten Kontakt zu Prostituierten hatte. Mein Sohn hingegen schon, sogar mit zweien gleichzeitig!
Die beiden jungen Damen kennen wir schon seit einer Weile vom Sehen. Wir sitzen öfters in einer Bäckerei mit Café auf unserem Stammplatz am Fenster und genehmigen uns auf dem Spaziergang den verdienten Nachmittagskaffee für die Babys und deren hauptamtliche Betreuer. Die beiden gesagten Damen kommen dann immer mal wieder aus einer Seitenstraße herunter und winken im Vorbeigehen den beiden Kleinen durch die Scheibe begeistert zu, bevor sie dann auf die Hauptstraße einbiegen und verschwinden. Die Garderobe der beiden jungen und kinderlieben Frauen ist dabei jedesmal sowohl unter gesellschaftlichen wie auch unter Witterungsgesichtspunkten durchaus extravagant gewählt, so daß die Annahme nahe liegt, daß es sich dabei um Berufsbekleidung handelt und die Beiden auf dem Weg zur Arbeit sind. Das letzte Mal trafen wir sie aber auf der Straße vor dem Café, und sofort stürzten sie sich begeistert auf die Kleinen im Kinderwagen. Besonders der Junge hatte es ihnen angetan. Sie knuddelten seine Hände und wackelten an den Füßen und ergingen sich darüber, wie süß er insgesamt doch sei. Ja, mein Sohn kann halt gut mit Frauen! Aber ich denke doch, das reicht für ihn erst einmal an Erfahrungen. Das nächste Mal, wenn eine Prostituierte mein Baby anfassen will, werde ich sie gleich offensiv angehen: Mit der Hand kost' zwanzich...!

Mittwoch, 28. November 2012

"Is" and "Ought"

Vater: "Das ist einfach Mathematik. Wenn ich 100 € habe und nur ein Kind, das Weihnachtsgeschenke braucht,..."

Kind (7): "Das bin ich!"

Vater: "...dann bekommt das Kind Weihnachtsgeschenke für 100 €. Aber wenn ich 100 € habe und drei Kinder, die Weihnachtsgeschenke brauchen, dann gibt es nur Geschenke für 33 € für jedes Kind. Verstehst du?"

Kind (7): "Ja. Die beiden anderen hätten nicht geboren werden sollen!"

Mit Dank an F. aus A.!

Dienstag, 27. November 2012

Das letzte Wort in Sachen Print

Wenn es etwas gibt, das ich langsam nicht mehr hören - bzw. lesen - kann, dann ist das "Zeitungskrise"! Kaum daß man morgens den Rechner anschaltet, schon stürzen die neuesten Einsichten und Kommentare zum Tod der Zeitung auf einen hernieder. Gut uns schön, es vollzieht sich ein veritabler kultureller und wirtschaftlicher Wandel. Aber muß deshalb jeder, der sich berufen fühlt, erklären, daß ohne unsere tägliche Farbe auf platt gedrückter Zellulose die Meinungsfreiheit, ja die Demokratie in Gefahr ist und wir zu leseunfähigen Analphabeten werden? Und dabei wird das wichtigste und entscheidende Argument in dieser Angelegenheit erstaunlicherweise ohnehin niemals vorgebracht. Ich meine, egal ob bäumetötende Papierfreunde oder sandkorntötende Onlinefans, hat sich da draußen vielleicht schon mal irgendeiner überlegt, wie viele verdammte Tablets, Smartphones, Notebooks es braucht, um das Geschirr beim Umzug auch nur halbwegs stoßsicher zu verpacken? Siehste! Print darf nicht sterben, Print wird nicht sterben!
Allerdings dürfte es in Zukunft schon eine Bild-Regionalausgabe tun...

Montag, 26. November 2012

Blätter für internationale Politik

Heute: Parlamentswahlen in Katalonien

Die Parlamentswahlen in der spanischen autonomen Region Katalonien sind auch in der deutschen Presse auf Interesse gestoßen. Im Angesicht einer Fülle katalanischer Flaggen mit ihren vier roten Streifen auf gelben (oder goldenen) Grund fragt sich der Deutsche: Was soll das? Warum ist Unabhängigkeit ein so großes Thema in Katalonien?
Nun, hier geht es, anders als bei anderen Separatisten in Europa (Flamen, Bayern,...) nicht einfach nur darum, sein hart verdientes Geld nicht mit in Fremdsprachen (Französisch, Berlinerisch,...) sprechenden Landsleuten zu teilen. Hier geht es auch um Würde. Denn wie sie der Welt erklären, kann ein Katalane als Bürger Spaniens sein Leben nicht in Würde führen. Das klingt erst mal komisch, ist aber so. Denn solange die nationalistische Flagge Kataloniens zwischen ollen Jogginghosen und Socken weht, ist es mit der Würde wirklich nicht weit her...


Freitag, 23. November 2012

Feinde von Feinden


Wenn der erfolgreiche DJ und Social-Media-Künstler Thomas Steinschneider nicht gerade bloggt oder mal wieder besoffen in irgendeiner Ecke liegt, dann organisiert er Gigs für die Punkpolka-Band der Cousine seiner Ex in den angesagten Clubs von Sprockhövel, entwirft Flyer für den Handwerkermarkt in Obersulm-Sülzbach oder töpfert expressionistische Aschenbecher. Dabei wohnt er in einer total abgefuckten Altbauwohnung in einem der hot spotz in Europe für Künstler, Macher und Kreative. Seine 42qm-Wohnlandschaft hält er dabei immer fotogen aufgeräumt unaufgeräumt - man weiß ja schließlich nie, wann einmal ein international angesagtes Wohn- oder Lifestyleblog einen Fotografen für eine echt coole Fotoserie vorbei schicken will. "Feinde von Feinden" hat Thomas zuhause besucht.











Thomas, wie bist du denn an diese wirklich fantastische Wohnung gekommen?
Über eine Zeitungsanzeige.

Das ist ja spannend! Erzähle uns das doch ein bisschen genauer!
Also, da war diese Anzeige in der Zeitung, "Wohnung zu vermieten". Und die Wohnung war bezahlbar und der Putz viel noch nicht zu sehr von den Wänden, da dachte ich mir, gut, für ein paar Jahre wird's schon gehen.

Professionell beschäftigst du dich ja mit Modellen, die das Verhalten von Halbleiterbauteilen in mit radioaktiver Strahlung belasteten Umgebungen vorhersagen sollen. Diese ungewöhnliche Thematik wird die Leser bestimmt sehr interessieren!
Das würde mich freuen. Es ist mir ja schon immer ein Anliegen gewesen, gerade die verdrängten, tabuisierten Problemthemen unserer Gesellschaft wieder ins Bewusstsein zurückzuholen. Dazu bediene ich mich künstlerischer Formen und Mittel, zum Beispiel Ausdruckstanz.

Wie bist du denn auf dieses, ja, zugegeben verdrängte Problem gekommen?
Weißt du, ich bin ja in einer Künstlerfamilie aufgewachsen. Mein Vater war Anstreicher, meine Mutter hatte ein Nagelstudio, da habe ich die Kreativität und die Freude am Schaffen gleichsam mit der Muttermilch aufgesogen. Es war dann die Arte-Sendung "Tracks", durch die ich zum ersten Mal auf die Ausdrucksmöglichkeiten aufmerksam wurde, die die deep level transient-Spektroskopie gerade Frenkel-Paaren bietet. Da wusste ich gleich, das ist es! Hier kann ich mich selbst verwirklichen. Hier kann ich meine Persönlichkeit ausdrücken und etwas für die Menschheit tun. Was bei einer Persönlichkeit wie der meinen letztlich ja ohnehin auf dasselbe hinausläuft.

Wo wir gerade bei deiner Persönlichkeit sind. Wir haben in deiner Wohnung ja auch eine große Pornosammlung gefunden. Noch ganz altmodisch auf DVD und sorgfältig nach Themen sortiert. Da haben wir Tiere, Urin, Florian Silbereisen... Bist du ein großer Cineast?
Hier sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Das Material dient mir vorrangig als Inspirationsquelle für meine Arbeit. Mein besonderes Interesse gilt dem Ausleuchten gerade der finsteren, perversen Aspekte der menschlichen Seele.

Und du denkst, naja, das Verstrahlen von Halbleitern ist da der beste Weg?
Bricht sich denn die dunkle, abgründige Seite der Seele nicht oft gerade da Bahn, wo man es am wenigsten erwarten würde?

Danke, Thomas für dieses interessante Interview! Wer mehr über seine Arbeit erfahren will, sollte es sich besser noch einmal überlegen!

Fotos: Thomas Steinschneider
Interview: Thomas Steinschneider

"Feinde von Feinden" entsteht völlig ohne Zusammenarbeit mit ZEIT Online, die auch keines der Bilder kuratiert.